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Bodenseekreis Geburtstagswunsch ist ein „Grüß Gott“

02.11.2010


Freie Wählervereinigung feiert mit Festakt das 40-jährige Bestehen

Überlingen (emb) Mit einem Festakt im Alten- und Pflegeheim St. Franziskus feierte die Freie Wählervereinigung (FWV) ihr 40-jähriges Bestehen. Die Festrede des Vorsitzenden Winfried Ritsch, der in gewohnt reflektierender Weise einen Blick aufs Stadtgeschehen warf, wurde von einem Vortrag von Stadtarchivar Walter Liehner (wir werden noch berichten), Musik von Stefan Seige und einem festlichen Buffet umrahmt. FWV-Stadtrat Robert Dreher hieß die Gäste gleich am Eingang willkommen und verkündete am Ende der Veranstaltung die frohe Botschaft, dass die Spenden an die Stadtbücherei zum Kauf von Sitzkissen gehen sollen.

„Was war nicht alles los, im Gründungsjahr der Freien Wähler 1970“, stellte Winfried Ritsch gleich zu Beginn seines Referats fest und zählte viele überregionale Ereignisse auf, zum Beispiel die Auflösung der Beatles. Aber auch in Überlingen sei viel geschehen in jenem Jahr. Die 1200-Jahrfeier zum Beispiel und auch der Brand in der Turmgasse, der fünf Todesopfer forderte. Und der Gemeinderat habe bereits 1970 gefordert: „Endziel muss eine Kurstadt ohne Autoverkehr sein.“ Ein dickes Lob schickte Ritsch an all jene, die sich in der langen Vergangenheit der Stadtgeschichte für Überlingen eingesetzt haben. „Sehen sie unsere Stadt an. Was müssen da früher für tolle Menschen am Werk gewesen sein“, meinte er. Auch heute seien noch tolle Menschen am Werk. Ritsch übte jedoch auch Kritik: „Wir reden zu viel über Kosten und zu wenig über Gefühle, Menschlichkeit und Nachhaltigkeit. Wir müssen den Menschen, vor allem der jungen Generation, erschwinglichen Wohnraum bieten, wir brauchen neue Arbeitsplätze.

“ Und das Thema „Stadtmarketing“ müsse schnellstens wieder aufgegriffen werden. Ritsch: „Wir hatten gute Anfänge, aber dann verschwand alles in der Schublade.“ Er hofft, „dass Frau Oberbürgermeisterin Becker den Schlüssel zu dieser Schublade wieder findet.“ Dass bisher in dieser Hinsicht „nichts geschehen ist“, bezeichnete Ritsch als „Armutszeugnis.“ Auch machte er deutlich, wie wichtig ein besseres Erscheinungsbild des Bahnhofs-Mitte sei. Eine Ansicht, die viele Gäste beim Festakt zu teilen schienen, wie die Reaktionen deutlich machten. „Wir sind eine Touristenstadt, aber am Bahnhof steht noch nicht mal ein 'Herzlich Willkommen'“, beklagte Ritsch, der abschließend in seinem Festvortrag meinte: „Zum 40. Geburtstag darf man sich auch etwas wünschen.“ Er wünsche sich eine Stadt, in der sich jedermann entfalten und einbringen könne, eine Stadt, in der die Menschen sich angenommen fühlten. „Und eine Stadt, wo weniger die Autohupe und das Tempo den Ton angeben, sondern wieder mehr ein ‚Grüß Gott' oder ‚Guten Tag' zu hören ist.“

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