Friedrichshafen Fünf Fragen an Sportler – rasant auf dem Wasser unterwegs bei der 55. Interboot in Friedrichshafen

Am Samstag startet die 55. Interboot in Friedrichshafen. Erfolgreiche Wassersportler sind zur Eröffnung am Start: Die Rennbootpiloten Simone Schuft und Mike Szymura. Wir haben den beiden jeweils fünf Fragen gestellt.

Fünf Fragen an die Wassersportler:

1. Wie sind Sie zum Powerboat Racing gekommen?

2. Was macht für Sie der Reiz dieser Sportart aus? Warum gerade Rennsport auf dem Wasser?

3. Was muss man drauf haben, um als Powerboat-Pilot erfolgreich zu sein?

4. Ohne Tempo geht's beim Rennsport auf dem Wasser nicht. Wie gefährlich ist dieser Sport wirklich?

5. Was raten Sie jemandem, der Ihnen nacheifern will? Wie fängt man diesen Sport am geschicktesten an?


Simone Schuft: Die schnellste Frau im Wasser

Simone Schuft, 42 Jahre, ist die schnellste Frau Deutschlands auf dem Wasser. Die Rennbootfahrerin aus Neuss startet seit Juni in der Formel 2 für das italienische Rainbow-Team.
Simone Schuft, 42 Jahre, ist die schnellste Frau Deutschlands auf dem Wasser. Die Rennbootfahrerin aus Neuss startet seit Juni in der Formel 2 für das italienische Rainbow-Team. | Bild: Simone Schuf

1. Das war reiner Zufall: Ich bin beim „Spazierenfahren“ zufällig an einer Rennstrecke vorbeigekommen und hab‘ mal zugeschaut, dann ein Ticket gekauft, bin ins Fahrerlager – und ich war sofort in den Bann gezogen von Stimmung, Atmosphäre und den schnellen Sportgeräten auf dem Wasser. Ich wollte es unbedingt ausprobieren – und bin dabei geblieben. Nun sind es 13 Jahre.

2. Sportlich gesehen reizt mich die Kombination von Athletik und technischer Präzision, aber sicher auch die Kombination von Motorsport mit Wassersport. Ein bisschen wie Urlaub ist es am Wasser ja immer! Mit gefällt aber auch der besondere Zusammenhalt der Fahrer und Teams abseits der Rennstrecke. Man kämpft auf dem Wasser, aber außerhalb hilft man sich und gehört zusammen.

3. Von vornherein mitbringen muss man sicher die Freude am Kampf und an der Geschwindigkeit, daher auch ein wenig Mut. Was man sich aber erarbeiten muss, ist technisches und taktisches Vorgehen, Rennerfahrung, Bootsbeherrschung und natürlich eine entsprechende physische Fitness. Ohne die geht es nicht.

4. Wie in allen Sportarten gibt es auch hier Unfälle, aber die Sicherheitsvorkehrungen sind schon sehr hoch und ausgerichtet am automobilen Motorsport. Wenn also bei einem Unfall tatsächlich mal eine Verletzung passiert, ist meist der Faktor Mensch beteiligt, wirklich selten das Material. Die Boote sind sehr stabil und insbesondere die Sicherheitszelle, in der der Fahrer sitzt, und auch die persönliche Schutz­ausrüstung decken sehr viel ab. Aber dennoch, bei allen Maßnahmen und allem Schutz: Es ist Motorsport und Rennsport! Wer vorn sein will, geht immer auch ein gewisses Risiko ein – aber ein gut kalkulierbares.

5. Es gibt wirklich tolle Einstiegsmöglichkeiten – ich meine schon ab acht Jahren – über die Verbände, den ADAC mit der Powerboat-School und der DMYV mit dem Renntraining. Über diese Stationen kann man ganz gefahrlos und unverbindlich „reinschnuppern“. Rennsport, wie wir ihn betreiben, geht ab 14 Jahren los. Und dann geht es immer weiter von Klasse zu Klasse. Der Einstieg wird sehr leicht gemacht. Aber was man dann daraus macht und wie weit man damit gehen will, liegt dann im eigenen Wollen und Streben des jeweiligen Fahrers! Bei dem einen oder anderen geht es dann eben weiter mit der Lizenzprüfung und den ersten Rennen. So war es auch bei mir: Ich wollte es unbedingt probieren, und dann hat es so viel Spaß gemacht, dass ich auch die Lizenz machen wollte. Dann war ich infiziert und ich wollte dabei bleiben.

Mike Szymura: Deutschlands einziger Formel-1-Pilot auf dem Wasser

Der 23-jährige Berliner Mike Szymura ist Deutschlands einziger Formel-1-Pilot auf dem Wasser. Der ADAC-Masters-Fahrer startet nun für das in Dubai beheimatete EMI Racing Team.
Der 23-jährige Berliner Mike Szymura ist Deutschlands einziger Formel-1-Pilot auf dem Wasser. Der ADAC-Masters-Fahrer startet nun für das in Dubai beheimatete EMI Racing Team. | Bild: Mike Szymura

1. Mein Vater hatte damals eine eigene Bootsfirma, als wir 2007 zu einem Bootsrennen in Berlin-Grünau eingeladen waren. Dort wurde mir Uwe Brettschneider vorgestellt, ein Berliner Rennfahrer, der damals beim ADAC-Cup mitgefahren ist. Er fragte mich, ob ich Interesse hätte, mal einzusteigen. Da fackelte ich nicht lange, und ein paar Monate später saß ich in einem Rennboot der Klasse DMYVT550. Seitdem ist es wie eine Droge für mich.

2. Der Reiz ist die Geschwindigkeit, die G-Kräfte, die auf einen wirken. Jede Runde ist bei uns anders, nicht so wie auf der Straße, wo der Asphalt immer der gleiche ist. Wir fahren mit einer Top-Geschwindigkeit von 250 km/h.

3. Erfolg möchte jeder Sportler haben. Wichtig dabei ist, dass man bleibt, wie man ist und nicht abhebt, egal, wie erfolgreich man ist. Sportliche Fitness spielt eine große Rolle, mentale Stärke und Ehrgeiz.

4. Gefährlich sind alle Sportarten. Ich trage einen Rennanzug mit Weste und feuerfestem Helm. Im Cockpit habe ich eine Sauerstoffflasche, mit der ich maximal drei Minuten unter Wasser atmen kann. Und ich bin angeschnallt. Jeder Rennfahrer ist verpflichtet, vor der Saison einen Dunk-Test zu machen. Dabei trainieren wir unter Echtbedingungen, wie man sich richtig unter Wasser und angeschnallt im Cockpit verhält, wenn sich das Rennboot überschlagen hat.

5. Ich rate jedem, mal einen ADAC-Sichtungslehrgang zu machen. Da kann man sehen, wie viel Spaß der Sport machen kann. Man fängt mit der Formel ADAC an und kann bis in die ADAC Motorboot Masters aufsteigen, in der ich bis zum Einstieg bei der Formel 1 gefahren bin. Das ist eine erfolgreiche, international sehr gut besetzte Klasse. Wer hier erfolgreich unterwegs ist, kommt in die Formel 2 und von hier aus im Idealfall in die Königsklasse Formel 1. Also versuchen, die Sache Schritt für Schritt anzugehen, sich von Rennen zu Rennen zu verbessern, dann kommt der Erfolg von allein.

Rasanter Sport auf nackigen Füßen: Jacky Kirsch fährt barfuß Wasserski

Barfuß-Wasserskifahrerin Jacky Kirsch in ihrem Element. Bild: privat
Barfuß-Wasserskifahrerin Jacky Kirsch in ihrem Element. Bild: privat | Bild: Jacky Kirsch

Mit 70 Stundenkilometern barfuß übers Wasser rasen? Für Jacky Kirsch ist das so normal wie für andere Fußballspielen. Die gerade einmal 17-Jährige gehört zur Weltelite in dieser exotischen Sportart, die in Deutschland nicht viel mehr als 100 Menschen betreiben. Kein Wunder, denn ihre Eltern waren und sind sehr erfolgreich beim Temporitt übers Wasser. Vater Franz Kirsch brachte es in seiner aktiven Zeit bis zur Vize-Europameisterschaft. Mutter Stefanie Kirsch hat nicht nur mehr als 20 EM-Titel auf ihrem Konto, sondern sprang bei der WM im August in den USA erneut an die Spitze und sicherte sich zum dritten Mal in Folge in dieser Disziplin die Goldmedaille. Beim gleichen Wettbewerb holte sich Tochter Jacky im Juniorenfinale zwei Mal die Bronzemedaille in Trick und Slalom. Mit 13 hatte sie schon ihren ersten nationalen Titel in der Tasche, mit 14 war sie Vize-Europameisterin, um ein Jahr später ganz oben zu stehen bei der Junioren-EM – in Slalom, Trick, Springen und Kombination.

Was macht für sie den Reiz dieses Sports aus? "Die Geschwindigkeit. Sie ist ein Adrenalin-Kick für mich", sagt Jacky Kirsch, die am Samstag zusammen mit den Rennbootfahrern Simone Schuft und Mike Szymura bei der Interboot-Eröffnung über ihren Sport berichten wird. Barfuss Wasserski fahren kann man nur, wenn das Wasser spiegelglatt ist – was auf dem Bodensee nur an wenigen Tagen gegeben ist. Abgesehen davon ist in der Saison zuviel Bootsverkehr auf dem See. Im Heimrevier der Kirschs auf der Mosel hingegen sind die Bedingungen ideal. Trotzdem muss man aufpassen. "Es ist nicht sehr gefährlich, aber mit ein paar Schmerzen nach einem Sturz muss man schon rechnen", erklärt Jacky Kirsch, die mit ihren Eltern in Schleich (Rheinland-Pfalz) lebt. Kitzeln würde es im Übrigen nicht, wenn man barfuß übers Wasser läuft... (kck)

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