Mein

Bodenseekreis Feuerbrand schlägt wieder zu

07.08.2012
Bodenseekreis -  Obstanlagen im östlichen Bodenseekreis sind besonders stark betroffen. Infizierte Bäume müssen geschnitten oder im schlimmsten Fall gefällt werden

Werner Baumann mit einem von Feuerbrand infizierten Ast aus einer Apfelobstanlage in Langenargen. Manuela Schielin zieht einen typisch „verbrannt“ wirkenden Ast des neben der Anlage stehenden Birnbaums herab, der die Infektion auf Teile übertragen hat.  Bild: Wex

Service
Artikel drucken  Artikel drucken
  Artikel versenden

  Newsletter
  RSS-Feed


Fünf Jahre wirkte er fast versteckt: In diesem Jahr ist der Feuerbrand wieder voll in der Fläche ausgebrochen. Betroffen sind alle Landesteile, aber vor allem der östliche Bodenseekreis und noch mehr der Nachbarkreis Lindau und Vorarlberg. Viele Faktoren dieser Bakteriose sind noch ungeklärt. Aber die Experten wissen, es muss während der Blütezeit rund 110 Stunden über 18,3 Grad warm sein, erläutern die Obstberater des Landratsamts Bodenseekreis Manuela Schielin und Werner Baumann. Das trat gleich zwei Mal in diesem Jahr ein, am letzten Aprilwochenende und nochmals um den 10. und 11. Mai herum, als der Föhn von den Alpen blies – und der trifft auf deutscher Seite vor allem das Gebiet östlich der Schussen und des Argentals. „Am 21. Mai hatten wir hier den ersten Befund“, berichtet Baumann.
 

Weitere Informationen
Gegen den Feuerbrand werden in der konventionellen Landwirtschaft streptomycinhaltige Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Das ursprünglich für die Humanmedizin entwickelte Antibiotikum ist wirksam, aber sehr umstritten und findet sich beispielsweise im Honig wieder. Es soll im kommenden Jahr nach dem Willen des Bundesamts für Verbraucherschutz nicht mehr eingesetzt werden. Das Versprühen ist seit 2009 nur mit Sondererlaubnis zwei Mal im Jahr zulässig. Nach einer Mitteilung des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenburg, Außenstelle Stuttgart, wären in diesem Jahr aber drei Behandlungen nötig gewesen. Aber, so Baumann: „Die Bereitschaft der Bauern, das Mittel einzusetzen, war nicht sehr hoch.

“ Schließlich hatten sie fünf Jahre Ruhe. Nur etwa ein Drittel habe im konventionellen Anbau Streptomycin versprüht, was auch ein Kostenfaktor ist. Im Öko-Bereich werden Kupfer-Präparate eingesetzt, die nur teilweise wirken, so das Ergebnis einer Interreg-IV-Studie „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ von 2007 bis 2011.

Die Bekämpfung des Feuerbrands erfolgt durch die Landwirte mit Ausschneiden der befallenen Stellen. Das funktioniere allerdings nur bei älteren Niederstämmen oder Hochstämmen. Bei jungen Pflanzen mit sowieso nur drei, vier Ästen steigere man dadurch nur das Risiko einer sogenannten Triebinfektion, erläutert Baumann. Deshalb sei auch Hagel, der den Baum verletzt, ein Problem. Eine weitere Maßnahme ist das Fällen besonders anfälliger und infizierter Bäume, wie der Birnensorte Oberösterreich oder der Apfelsorte Brettacher. Baumann und Schielin zeigen ein Beispiel in Langenargen, wo der Feuerbrand von einem Birnbaum der Sorte Oberösterreich auf die Niedrigstamm-Apelanlage nebenan übergreift. Große Rodungsaktionen, wie beim vorletzten großen Ausbruch 2003, sind allerdings nicht geplant. Damals wurden laut Baumann im Tettnanger Hinterland rund 800 Oberösterreich-Birnbäume gefällt. „Die Bauern sind schon aufmerksam“, meint Baumann, letztlich sei der Feuerbrand aber nicht mehr wegzubekommen. Den wirtschaftlichen Schaden könne man kaum beziffern, da sich die Folgen von großen Infektionen über Jahre erstrecken.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln