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Bodenseekreis Eltern finden keinen Kinderarzt für ihre Tochter

Wegen einer Bindehautentzündung wollten Eltern aus Uhldingen-Mühlhofen ihre Tochter am Wochenende behandeln lassen. Das stellte sich aber als gar nicht so einfach heraus. Denn an den Notdienst-Nummern wurden sie nur weiterverwiesen.

Eine Bindehautentzündung ist unangenehm. Gerade für Kinder. Diese Erfahrung musste jetzt die vierjährige Carla aus Uhldingen-Mühlhofen machen. Am Freitagabend vor zwei Wochen war es besonders schlimm, weshalb ihre Eltern Carlos Schilling und Sybille Teipel mit ihr ins Krankenhaus nach Überlingen fuhren. In der Apotheke hatte man ihnen dazu geraten. Denn ein Kinderarzt war nicht mehr erreichbar. „Dort wurde mir nahegelegt, die Rufnummer 116 117 anzurufen, da Kinder nicht behandelt werden könnten und wir mit einer Wartezeit von mehreren Stunden rechnen müssten“, erzählt Carlos Schilling.

Die 116 117 ist bundesweit die Nummer für den Allgemeinärztlichen Notdienst. Als „in der Tat ein bisschen unglücklich“ beschreibt Kai Sonntag, Pressesprecher bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KV), die mit für die 116 117 zuständig ist, mit wem Carlos Schilling daraufhin so alles telefoniert hat: nämlich mit dem Augenärztlichen Notdienst, erneut mit dem Gesprächspartner von der 116 117, lediglich unter einer anderen Rufnummer, wieder mit dem Augenärztlichen Notdienst, dem Ärztlichen Notfalldienst unter der Häfler Nummer 0 75 41/19 222 und einer weiteren 0180er-Nummer, über die per Bandansage mitgeteilt wurde, doch bitte die 116 117 anzurufen.

„Das ganze ist eigentlich ein Kasperletheater“, sagt der Vater von drei Töchtern. Das Klinikum in Friedrichshafen hat ihm schließlich – per Telefon – den diensthabenden Kinderarzt in Langenargen genannt. Da dieser die Vierjährige aber erst am Samstag hätte behandeln können, ließen sich die Eltern ein weiteres Mal in der Apotheke beraten und gingen am darauffolgenden Montag zum Kinderarzt.

KV-Pressesprecher Kai Sonntag beschreibt Carlas Fall als schwierig, weil sie für den Kinderärztlichen und Augenärztlichen Notdienst infrage gekommen wäre. Im Bodenseekreis gibt es keine Kindernotfallpraxis – wie zum Beispiel am Krankenhaus in Singen.

Sonntag sind auch keine Pläne bekannt, dass eine in der Region eingerichtet werden soll. Die Kinderärzte organisieren den Notdienst untereinander in ihren Praxen. Carlos Schilling ist – trotz Telefonodyssee – nicht bekannt, wen er nun eigentlich anrufen muss, wenn eine seiner Töchter am Wochenende krank wird.

Pressesprecher Kai Sonntag hat die passenden Nummern parat: Die Kinderärzte sind unter der Telefonnummer 0 180/19 292 mit folgenden Durchwahlen erreichbar: 90, 91, 93 und 06. „Diejenigen, die am Ende der 116 117 sitzen, müssen das wissen“, gibt Sonntag zu. Carla geht es nach der Einnahme eines Antibiotika wieder gut. Früher habe man die Nummer des Kinderarztes nachschlagen können, wundert sich Carlos Schilling. Carla habe sich eben vorgenommen, nicht mehr am Wochenende krank zu werden.
 

Dienstzeiten

Für Erwachsene gibt es drei zentrale Notfallpraxen: im Klinikum in Friedrichshafen, im Helios-Spital in Überlingen und in der Klinik in Tettnang. Hier sind Ärzte außerhalb der normalen Dienstzeiten tätig. Sie sind unter der Rufnummer 116 117 erreichbar. Informationen zur Einteilung des Kinderärztlichen Notdienstes: www.tcarztdienst1.de/REGION-KVSW.php

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