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Bodenseekreis Dienstleister für die Landwirtschaft

13.02.2012


Wer das Büro Z420 im Gebäude Albrechtstraße des Häfler Landratsamts noch von früher kennt, traut seinen Augen nicht: kahle Wände, nur ein paar Aktenordner im Regal und keine einzige Blume weit und breit. Hermann Gabele, der neue Leiter des Landwirtschaftsamts Bodenseekreis, scheint noch nicht ganz angekommen zu sein, obwohl er schon seit 17. Oktober im Amt ist.

Vor lauter Besprechungen habe er noch keine Zeit für die Gestaltung des Büros gehabt, sagt der 52-Jährige. „Aber das kommt vielleicht noch.“

Der Neue stammt aus dem Badischen und ist seit 1986 im Württembergischen beruflich und privat zu Hause. Ein Kulturschock? „Nein, überhaupt nicht. Wir sind ganz toll aufgenommen worden“, antwortet Gabele ohne Zögern. Seinem Wohnort Leutkirch im Allgäu will er auch weiterhin treu bleiben. Friedrichshafen sei „ganz gut“ per Auto zu erreichen, außerdem arbeite seine Frau als Realschullehrerin in Isny.

Die Arbeit im Landwirtschaftsamt ist Gabele praktisch in die Wiege gelegt worden. „Mein Vater war auch in der Landwirtschaftsverwaltung tätig, zuletzt als Amtsleiter in Bad Säckingen“, erzählt er. Was ihn an diesem Beruf besonders fasziniert ist die Vielseitigkeit: „Man ist in der Beratung, Bildung und Verwaltung aktiv.“ Dank der Verwandtschaft habe er in jungen Jahren aber auch das Leben auf dem Bauernhof mitbekommen. Nicht missen möchte er seine Lehrtätigkeit an der Landwirtschaftsschule. Da habe man es schließlich nur mit besonders Engagierten zu tun: „Die Schüler kommen, weil sie die Hofnachfolge antreten wollen.“

Die ersten Wochen in Friedrichshafen beschreibt der neue Amtsleiter als „Phase des Kennenlernens“. Er habe „große Offenheit und Hilfsbereitschaft“ gespürt, sagt Gabele. Sein Fazit nach rund 100 Tagen: „Das Team ist sehr motiviert und die Vernetzung mit dem Landratsamt ist auch gut.“ Vor allem mit dem Bauamt gebe es viele Schnittstellen. Zwei Themen haben ihn darüber hinaus besonders beschäftigt: das Grünlandumbruchverbot und die Captan-Problematik im Hopfen (der SÜDKURIER berichtete). Letzteres will er nicht kommentieren. Alleiniger Ansprechpartner sei das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Auch beim Thema Grünlandumbruchverbot wartet Gabele „gespannt auf die Reaktion aus Stuttgart“. Sein Chef, Landrat Lothar Wölfle, hat sich bei Minister Alexander Bonde persönlich für entsprechende Ausnahmeregelungen vor allem für den Obstbau im Bodenseekreis einsetzt.

Unabhängig davon kümmert sich der Neue mit seinem Team darum, dass die elektronische Datenverarbeitung zunimmt. Fiona – Flächeninformation und Online-Antrag – lautet das Zauberwort. Momentan nutzt dieses Verfahren erst etwa jeder achte Landwirt im Kreis. Bis zum Jahresende soll es jeder Zweite sein, hofft Gabele. „Bei Fiona passieren weniger Fehler, weil viele Plausibilitätsprüfungen im System eingebaut sind“, beschreibt er die Vorteile. Den Nachteil, dass Fiona einen schnellen DSL-Anschluss voraussetzt, macht die Behörde mit einem besonderen Service wett: Nach Voranmeldung kann ein PC-Arbeitsplatz im Landwirtschaftsamt genutzt werden – und ein Mitarbeiter steht zudem als Berater bereit. „Wir sind eben Dienstleister für die Landwirtschaft“, sagt Gabele.

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