Immenstaad Der Kometenjäger grüßt ein letztes Mal die Erde
Schwung holen für die weite Reise ins All: Heute passiert die ESA-Kometensonde Rosetta noch einmal das Schwerefeld der Erde. Bild: ESA
Der Kometenjäger Rosetta verabschiedet sich heute endgültig in die Weiten des Weltalls: Um 8.45 Uhr wird die Raumsonde in gerade einmal 2500 Kilometern Abstand ein letztes Mal an der Erde vorbeirasen, südlich der indonesischen Insel Java. Mit ihrem vierten und letzten so genannten „Swing-by“-Manöver wird Rosetta zum letzten Mal mit Hilfe der Erdanziehungskraft Schwung nehmen für ihre lange Reise in die Tiefen des Weltalls. Um fast 13 000 km/h wird sie bei dem Manöver auf rund 61 000 km/h beschleunigt werden.
Die Raumsonde wurde für die europäische Weltraumagentur ESA von einem europäischen Industrie-Konsortium mit mehr als 70 Firmen entwickelt und gebaut. Mit der Führung des Konsortiums hatte die ESA die Raumfahrtexperten von Astrium in Immenstaad beauftragt. Rosetta soll im Mai 2014 den Kometen 67/P Churyumov-Gerasimenko erreichen und auf dessen Oberfläche das Landegerät Philae absetzen.
Für die Wissenschaftler ist die bislang ambitionierteste Kometenmission der europäischen Raumfahrt eine hochspannende Reise in die Kinderstube des Sonnensystems. Denn das Material im Inneren der Kometen ist seit ihrer Entstehung vor rund 4,6 Milliarden Jahren nahezu unverändert geblieben – im Gegensatz zu den Planeten, auf denen Erosion, Tektonik oder auch die Atmosphäre das Gestein fortlaufend verändert haben. Kometen gelten daher als kosmische Archive, deren Botschaften die Forscher nun mithilfe von Rosetta und Philae zu entschlüsseln hoffen.
Wenn Rosetta, die im Februar 2004 ins All getragen wurde, heute Vormittag zum letzten Mal an der Erde Schwung nehmen wird, wird sie bereits eine Reise von 4,5 Milliarden Kilometer hinter sich haben. In immer weiteren Ellipsen ist sie bislang an der Erde vorbei ins All und wieder zurück gekreist und dabei drei Mal Schwung geholt. Wenn die Sonde im Mai 2014 den Kometen erreichen wird, wird sie in zehn Jahren mehr als sechs Milliarden Kilometer Reise hinter sich haben.
Doch vor dem Missionsziel Churyumov-Gerasimenko steht noch ein „Zwischenstopp“ an: Am 10. Juli 2010 wird Rosetta den Asteroiden Lutetia passieren und im Vorbeiflug Daten sammeln. Danach wird sie von Juli 2011 bis Januar 2014 in einen „Winterschlaf“ versetzt werden – ihre Instrumente werden quasi auf „standby“ geschaltet, das spart Energie auf dem jahrelangen Weg durchs Dunkel.
Ist der Komet erreicht, beginnt erst die eigentliche Arbeit der Mission – mit spannenden Schritten. Denn Rosetta muss es gelingen, aus einer Höhe von einem Kilometer über dem Kometen das Landegerät abzusetzen – ohne dass die empfindlichen Geräte Schaden nehmen. Philae wird dann mit einem eigenen chemischen Minilabor und komplexen Messinstrumenten den Schweifstern untersuchen. Die Erkenntnisse könnten eine Sternstunde der Wissenschaft bedeuten.
