Bootsbesitzer haben es nicht leicht. Kaum ist der Pegel des Bodensees mit knapp vier Metern hoch genug, dass sie problemlos in fast alle Häfen einlaufen können, da ist die Saison fast schon wieder vorbei. Dann stellt sich alljährlich die Frage: Wohin mit dem Schiff?
Petrowitz rät Bootsbesitzern ab, Yachten den ganzen Winter über im Wasser zu lassen. „Wasser birgt immer einige Risiken“, sagt Petrowitz. Wenn das Wasser in der Hafenanlage zu friere, könne es auf den Rumpf des Bootes drücken und diesen beschädigen. Dann könne es passieren, dass das Eis die Schiffe nach oben drücke und diese vielleicht kippen. „Außerdem kann man in den Wintermonaten an Land einige Wartungen oder Reparaturen durchführen“, sagt er. Doch er warnt davor, Boote einfach nur abzustellen. „Man muss die Boote winterfest machen. Das Wasser muss komplett abgelassen werden. Wenn es Frost gibt, können sonst die Leitungen platzen. Außerdem sollte man Frostschutzmittel einfüllen“, erklärt der Fachmann.
Auch Michael Kuthada sorgt dafür, dass die Boote im Winter gut versorgt sind: Der gelernte Verwaltungswissenschaftler bietet Stellplätze in der alten Gang-Werft am Überlinger Osthafen und in der Scheune seiner Werft in Herdwangen-Schönach an. Der Clou daran: Auch im Sommer kann Kuthada die Gebäude zu Bootszwecken nutzen. Dann vermietet er Bootsbesitzern und der Stadt die Räume für die Hänger, auf denen Boote im Freien überwintern. „Der Osthafen ist ja städtisches Winterlager, deshalb brauchen die die Hänger.“ Das Geschäft lohne sich sommers wie winters, sagt Kuthada, der nach Quadratmeter berechnet. Wie viel Fläche man braucht? „Das kommt ganz auf die Größe des Bootes an, ich würde mal sagen zwischen zehn und dreißig Quadratmetern.“ Winterfest sind seine Scheunen aber nicht. „Wenn es draußen Minusgrade hat, friert es drinnen auch.“ Die Boote müssen also winterfest gemacht werden. Und das können die Bootsbesitzer selbst tun, oder Kuthada damit beauftragen.
Der Geschäftsführer der Bootswerft und Kunststoffverarbeitung GmbH (BWC) in Illmensee, Reinhard Gauer, meint dagegen, dass Boote nicht unbedingt aus dem Wasser geholt werden müssen: „Die Boote, die wir bauen, können auch in den Wintermonaten im See bleiben.“ Wichtig dabei sei aber, dass ein Boot auch auf dem Wasser winterfest gemacht werden müsse.
Die meisten der rund 160 Boote im Clubhafen des WYC werden aus dem Wasser geholt. Clubmitglieder haben die Möglichkeit, ihre Jollen auf dem Gelände des Württembergischen Yachtclub überwintern zu lassen. „Die meisten Mitglieder nehmen dieses Angebot an“, sagt der Winterlagermeister. Auch Schiffe von Nichtmitgliedern werden auf dem weitläufigen Gelände untergestellt. Über Preise möchte man aber nicht sprechen.
In anderen Hafenanlagen, wie zum Beispiel dem Segel- und Motorbootclub Friedrichshafen, bleiben die Jollen nicht im See. „Maximal ein oder zwei Fischerboote sind im Winter im Wasser“, sagt Jörg Herfurth, Hafenmeister beim WYC. Eines der wenigen Boote, die den See zu keiner Jahreszeit verlässt, ist die „Hugo Eckener“. Das rote Boot im Bundesbahnhafen Friedrichshafen gehört zur Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und muss deshalb auch im Winter einsatzbereit sein. DLRG-Vorsitzender Rudi Krafcsik weiß, wie nötig ein einsatzbereites Rettungsboot auch im Winter ist. Denn auch im Winter passieren Unglücke und Menschen müssen aus dem kalten Wasser gerettet werden. Damit die Einsatzkräfte auch bei Eiseskälte schnell auf dem Wasser sein können, ist die Batterie ständig an eine Steckdose angeschlossen. „Außerdem wird das Boot automatisch vorgewärmt“, erklärt Krafcsik.
Das Winterlager der „Hugo Eckener“ ist der Bodensee. Bis zum Frühjahr wird sie dort recht einsam im Hafen ankern. Erst wenn es wieder wärmer wird, kommen die anderen Schiffe wieder aus ihren Winterlagern und gesellen sich zu dem roten Schiff.

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