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Bodenseekreis Arbeitsmarkt: IHK will mit Aktionsprogramm Flüchtlingen helfen

Die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben will Hilfen zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt leisten. Die Vollversammlung stimmte am Mittwochnachmittag in Friedrichshafen-Kluftern einem entsprechenden „Aktionsprogramm zur Integration von Flüchtlingen“ zu. Jutta Driesch, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, beschrieb auf der Versammlung, vor welchen Herausforderungen die Wirtschaft und die Gesellschaft steht.

Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben stimmte am Mittwoch in Kluftern einem „Aktionsprogramm zur Integration von Flüchtlingen“ einstimmig zu. Darin wird auf vielerlei Weise die Unterstützung von Integrationsmaßnahmen angeboten. „Das ist eine Riesenherausforderung“, meinte IHK-Präsident Heinrich Grieshaber. Jutta Driesch, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, zeichnete ein Bild der Situation.

Driesch berichtete, dass gegenwärtig im Bereich der Agentur (Kreise Konstanz, Bodensee und Ravensburg) in den drei Jobcentern und der Arbeitsagentur 1200 Flüchtlinge, die nicht aus Europa kommen (Syrien, Eritrea, Iran, Irak), arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet sind. Dabei müsse man sich aber klarmachen, dass derzeit 8000 bis 10 000 Flüchtlinge in den drei Landkreisen in Unterkünften untergebracht seien. Ende April kämen 1200 weitere arbeitssuchende Flüchtlinge hinzu, die gegenwärtig Unterricht für eine allgemeine Sprachkompetenz bekommen. Dies bedeute aber nicht, dass diese Menschen ein Aufenthaltsrecht haben. Die Agentur müsse ab Mai erst in individueller Beratung herausfinden, was diese 1200 Menschen überhaupt für Kompetenzen für den Arbeitsmarkt haben. „Ich gehe davon aus, dass wir mindestens ein Jahrzehnt mit der Integration in Arbeit befasst sind“, so Driesch.

Jutta Driesch, Vorsitzende Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg
Jutta Driesch, Vorsitzende Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg

Um das zu bewältigen, müssten alle zusammenarbeiten. Das neue Amt für Migration und Integration im Kreis Ravensburg, in dem seit Januar verschiedene Behörden gebündelt sind, sei ein gutes Konzept und es sei in Planung, ähnliches auch im Bodenseekreis zu schaffen.

Es müsse Fachexperten für Asyl geben, denn schon der Antrag auf Arbeitserlaubnis sei meist ein großes Problem. Vor allem aber: „Wir werden Langmut brauche, ohne wird es nicht gehen“, stellte Driesch fest. Auch bei Fragen, was akzeptieren wir und was geht gar nicht – wie die Ablehnung mancher Flüchtlinge von Frauen als Chef. „Das wird noch viel Ärger geben“, prophezeite Driesch. Vier Schritte sind nach Ansicht von Driesch zu gehen: Zum einen Spracherwerb, denn ohne den gehe nichts. Es gebe zwar viele Träger, aber die Plätze reichten vorne und hinten nicht. Derzeit gebe es vier- bis fünfmonatige Wartezeiten. Sehr viele Flüchtlinge könnten die lateinische Schrift nicht lesen. Wenn dann ein sehr einfaches deutsches Sprachniveau erreicht sei, stehe die Beruforientierung an, die mindestens zwei Jahre dauere. Es folge die Ausbildung, in der Regel noch einmal drei Jahre. Es gebe für Flüchtlinge auch durch einen sehr weit ausgelegten Ermessensspielraum die Möglichkeit, an diesem Verfahren vorbei in Arbeit kommen. 2015 sei dies rund 200 Flüchtlingen in den drei Agentur-Landkreisen durch persönliche oder vermittelte Kontakte gelungen, berichtete Driesch. Trotz der Schwierigkeiten und Bedenken, ob sich die Investition in die Ausbildung junger Flüchtlinge für ein Unternehmen am Ende auch auszahlt, wurde der Aktionsplan befürwortet.

IHK in Weingarten

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben mit Sitz in Weingarten vertritt das Gesamtinteresse von 32.254 Unternehmen (Stand 2015) in den drei Landkreisen Bodensee, Ravensburg und Sigmaringen. Mitglieder der IHK sind per Gesetz alle Gewerbetreibenden und Unternehmen mit Ausnahme reiner Handwerksunternehmen, Landwirtschaften und Freiberuflern ohne Handelsregistereintragung. (wex)

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