Mein
 

Immenstaad Airbus-Betriebsräte warten auf konkrete Pläne von der Geschäftsleitung

Die Betriebsratvorsitzenden von Cassidian und Astrium in Immenstaad haben nochmals ihren Unmut über die fehlende Transparenz im Fall der Stellenstreichungen beim Rüstungs- und Raumfahrtkonzern geäußert. Zudem wiederholten sie ihre Forderung, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Für den 18. März ist ein Treffen aller Betriebsratvorsitzenden von Airbus-Niederlassungen geplant, bei dem das weitere Vorgehen koordiniert werden soll.

„Betriebsbedingte Kündigungen müssen ausgeschlossen werden.“ Erneut wiederholten die IG Metall und die Betriebsräte des Airbus-Standortes Immenstaad ihre Forderung im Fall des geplanten Stellenabbaus beim Rüstungs- und Raumfahrtkonzern. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz forderten sie zudem eine Erklärung der Geschäftsführung, weshalb die 332 Stellen in Immenstaad (190 bei Cassidian und 142 bei Astrium) überhaupt zur Disposition stehen. „Wir sind kein Sanierungsfall, wir verdienen Geld“, sagte Christian Birkhofer, Betriebsratvorsitzender bei Cassidian in Immenstaad.

„Tausche Arbeitsplatz gegen Weihnachtsgeld - das geht nicht“

Lilo Rademacher, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, zeigte sich besonders betroffen von den Andeutungen der Konzernspitze, dass Personalkosten auch mit dem Verzicht auf tarifliche Leistungen gesenkt werden könnten. „Tausche Arbeitsplatz gegen Weihnachtsgeld. Das geht nicht“, sagte Rademacher empört. „Ich kann doch nicht die Angestellten auf ihr Gehalt verzichten lassen, nur um die Aktionäre zu bedienen.“

Auch ansonsten stößt das Verhalten der Geschäftsführung auf Unverständnis. So äußerten alle Anwesenden ihren Unmut über die mangelnde Preisgabe von Informationen seitens der Konzernspitze. Solange diese ihr weiteres Vorgehen nicht konkretisiere, könne der Betriebsrat nur sehr schwer handeln. „Der Zeitplan wird von der Arbeitgeberseite vorgegeben“, betonte Astrium-Betriebsrat Arnim Eglauer. „Da gibt es aber eine große Diskrepanz zwischen Wunschdenken und Realität. Die Termine rutschen beliebig nach hinten.“


 
Chronologie der bisherigen Ereignisse
  • 31. Juli 2013: Erstmals werden Pläne bekannt, wonach EADS das Rüstungsgeschäft zurückfahren möchte, indem es mit dem Raumfahrtbereich in einer Sparte gebündelt wird. Im Zuge der Zusammenlegung wird auch eine Namensänderung beschlossen: EADS soll künftig wie seine erfolgreichen Luftfahrttochter Airbus heißen.
  • 28. Oktober 2013: EADS-Vorstandschef Thomas Enders verkündet, im Verteidigungssektor sparen zu wollen. Als Grund nennt er die rückläufige Auftragslage.
  • 20. November 2013: Gerüchte machen die Runde, EADS könnte im Zuge seines Umbaus mehrere Tausend Jobs streichen. Die Rede ist von einem Stellenabbau von 20 Prozent.
  • 28. November 2013: In Immenstaad gehen knapp 1000 Beschäftigte von EADS Astrium und Cassidian auf die Straße, um unter dem Motto „5 vor 12“ gegen den geplanten Stellenabbau zu demonstrieren.
  • 9. Dezember 2013: Thomas Enders verkündet die Streichung von europaweit 5800 Stellen bis Ende 2016. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland 2600 Arbeitsplätze wegfallen werden.
  • 27. Januar 2014: Die Konzernspitze teilt dem europäische Betriebsrat erstmals konkrete Zahlen mit, wie viele Arbeitsplätze pro Standort betroffen sein werden. In Immenstaad sollen innerhalb von drei Jahren 332 Arbeitsplätze gestrichen werden. Davon entfallen 190 auf Cassidian und 142 auf Astrium.

Als einziger Termin steht bislang der 18. März fest, an dem sich die Betriebräte aller Airbus-Standorte in Deutschland sowie die dafür zuständigen IG-Metall-Mitarbeiter in Frankfurt am Main treffen werden, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Wie soll die Zukunft aussehen? Was muss es für Investitionen gegeben? Wie können die Betroffenen beteiligt werden? Diese Fragen gilt es für alle Standorte bis Mitte März zu klären.





Zudem ist geplant, das Ergebnis einer Studie zur Umsetzbarkeit der von der Konzernspitze ausgegeben Zahlen bekannt zu geben. Diese vom nationalen Betriebsrat in Auftrag gegebene Untersuchung soll dazu dienen, der Politik vor Augen zu führen, welche große Bedeutung die Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungsindustrie für Deutschland haben. „Wir sind keine Billigheimer, die sich mit anderen Billigheimern messen sollten“, sagte Eglauer. „Unsere Stärken sind Hightech und Qualität.“ Um diese Vorreiterrolle auch in Zukunft zu stärken, sei die Politik dringend zum Handeln verpflichtet.

Regionale Produkte von Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein auf SÜDKURIER Inspirationen. Gleich Newsletter abonnieren und sparen!
Mehr zum Thema
Airbus Defence and Space: Aus den EADS-Divisionen Cassidian, Airbus Military und Astrium wurde 2014 Airbus Defence and Space - durch den Standort in Immenstaad einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Aktuelle Nachrichten zum Thema finden Sie hier.
Erlesene Bodenseeweine jetzt bei SÜDKURIER Inspirationen!
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Bodenseekreis
Friedrichshafen/Meckenbeuren
Bregenz
Bodenseekreis
Bodenseekreis/Uhldingen-Mühlhofen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren