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Bodenseekreis Ärger um illegale Altkleidersammelstellen

Malteser, Johanniter und DRK ärgern sich über kommerzielle Konkurrenz bei Altkleidersammlungen. Die gemeinnützigen Organisationen kümmern sich um korrekte Verwertung. Darum kümmern sich viele kommerzielle Firmen gar nicht erst, die die Textilien in bare Münze umsetzen wollen und den ganzen Umsatz für sich beanspruchen.

Sie holen sich keine Genehmigung, sie stellen Container auf, wo es ihnen passt, und den einen oder anderen vergessen sie sogar ganz. Deshalb sind illegale Altkleidersammelstellen eine ungeliebte Konkurrenz für Hilfseinrichtungen wie Johanniter, Malteser oder DRK. „Das ist uns ein großer Dorn im Auge“, sagt Tobias Freund, der zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Malteser Hilfsdiensts gehört und die Genehmigung und Betreuung der Standorte organisiert. „Wir haben inzwischen rund 30 Container im Bodenseekreis stehen“, sagt Freund: „Vor allem in Friedrichshafen und im östlichen Bodenseekreis.“ Leider bekämen die Malteser in den Kommunen des westlichen Kreises keine Genehmigung mit dem Hinweis auf die Aktivitäten der anderen Organisationen.

Doch darum kümmern sich viele kommerzielle Firmen gar nicht erst, die die Textilien in bare Münze umsetzen wollen und den ganzen Umsatz für sich beanspruchen. Hilfsorganisationen wie der Verein der Malteser finanzieren dagegen ihre Ausrüstung, Fahrzeuge und die Einsätze der ehrenamtlichen Arbeit, sie sind auf die Erträge angewiesen, um Aufgaben wie die Sanitätsdienste bei Festen oder Sportveranstaltungen erfüllen zu können.

Dass das Sammeln durchaus lohnend sein kann, bestätigt Tobias Freund von den Maltesern aufgrund der eigenen Erfahrungen. „In den vergangenen eineinhalb Jahren hat die Altkleider-Menge mächtig zugenommen.“ Man habe den Eindruck, die Leute hätten oft die Kleider gewechselt. Dennoch wollen die Malteser die illegale Konkurrenz nicht einfach akzeptieren und versuchen, aktiv dagegen vorzugehen. Eine Firma habe binnen kurzer Zeit in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Baden-Württemberg rund 10 000 Container aufgestellt, hat Freund recherchiert.

Was passiert mit den Altkleidern?

  • Der Malteser Hilfsdienst arbeitet mit der Firma Striebel Textil in Langen-enslingen zusammen. Sie stellt die Container auf, leert sie regelmäßig und sortiert den Inhalt nach Brauchbarkeit. Entweder wandern die Kleider in Second-Hand-Läden hierzulande oder es geht über Kontakte an Bedürftige im In- und Ausland. Die Malteser erhalten dafür ein Entgelt, das nach dem Gewicht errechnet wird. Mit diesem Erlös finanziert der ehrenamtliche Zweig der Malteser seine Aufgaben. Dazu gehören der Sanitätsdienst bei Festen oder Sportveranstaltungen, die Ausbildung und Erste-Hilfe-Kurse, aber teilweise auch die technische Ausstattung. Damit trägt die Sammlung der Altkleider ganz wesentlich zu den gemeinnützigen Tätigkeiten der Malteser bei.
  • Wer im Bodenseekreis hochwertige Kleider abgeben will, dem legen die Johanniter im Sinne der kurzen Wege die Kleiderläden des Deutschen Roten Kreuzes nahe. Das DRK betreibt sie mit festen Öffnungszeiten von Montag bis Freitag am König-Wilhelm-Platz1 (Zeppelindorf) in Friedrichshafen und in den Räumen der Kreuzkirche Am Erlenbach in Überlingen. Seltener geöffnet sind die Kleiderkammern in Mühlhofen und Tettnang. Schon im Jahr 2012 hat das DRK eine Transparenz-Initiative gestartet, um umfassend über Sinn, Zweck und Wege der Altkleidersammlungen zu informieren. Seit 2013 ist dies auch auf den Container genau nachzulesen. Beim Verkauf der aussortierten Überschüsse arbeitet das DRK mit der zertifizierten EFIBA-Handelsgesellschaft im norddeutschen Bassum zusammen. Die Erlöse werden in ehrenamtliche soziale Projekte investiert wie der Katastrophenschutz, das Jugendrotkreuz oder die Altenhilfe.
  • Die Johanniter-Unfallhilfe arbeitet auf zwei Schienen. Die Sammlungen aus den Containern werden von der Ulmer Firma Glaser sortiert und wenn möglich weiterverwertet. Dafür erhalten die Johanniter zunächst eine monatliche Abschlagspauschale und am Ende des Jahres eine konkrete Abrechnung nach Gewicht. Mit diesem Erlös finanzieren sie zum einen die Betriebskostenden des Kinderkleiderladens „Leuchtturm“ in Leutkirch. Dorthin können gut erhaltene Kleider gespendet, dort können sie von anderen sehr günstig erworben werden. Zum anderen wird auch ein Projekt mit Jugendlichen und Kindern in Weingarten gefördert, das wie eine Juniorenfirma funktioniert. Ziel ist es, den Sinn für nachhaltiges Handeln zu schärfen. (hpw)

„Das ist teilweise eine schwierige rechtliche Grauzone“, erklärt Freund. Eine Gemeinde oder Firma dürfe den Container als fremdes Eigentum nicht so einfach entfernen, auch wenn er auf dem städtischen oder privaten Gelände aufgestellt sei. Gerade Parkplätze von Einkaufsmärkten seien beliebte Standorte. Rückfragen oder Proteste bei den angeführten Firmen gingen oft ins Leere. „Die Standorte müssen immer wieder gereinigt werden, wenn Menschen andere Dinge abstellen“, sagt der Vertreter der Malteser. Doch davon halten die kommerziellen Sammler gar nichts. Ja, teilweise werden die Container sogar nicht einmal geleert und quellen über, wenn die Firmen selbst vergessen haben, wo sie überall stehen.

„Das macht uns schon zu schaffen“, sagt auch Stefan Dittrich, Regionalvorstand der Johanniter, über den Wildwuchs an Sammelcontainern: „Denn es macht den Ruf der Kleidersammlung kaputt.“ Gleichzeitig erschwere es die Genehmigung von Standorten in den Gemeinden. „Da stehen ja schon viel zu viele rum“, bekomme man bisweilen zu hören. Gerade die illegalen Sammlungen machen deutlich, dass es sich auch bei Altkleidern um Wertstoffe handelt, die nüchtern betrachtet mit Altglas und Altpapier zu vergleichen sind. Auch wenn bisweilen mehr Emotionen daran hängen. Deshalb muss die Sammeltätigkeit als solche, um dem Kreislaufwirtschaftsgesetz Genüge zu tun, im Bodenseekreis vom Landratsamt genehmigt werden.

Das DRK hat im ganzen Kreis flächendeckend etwa 60 Sammelcontainer aufgestellt, die eindeutig gekennzeichnet und mit allen wichtigen Informationen versehen sind. Die illegalen kommerziellen Umtriebe ärgerten das DRK ebenfalls, sagt Andrea Sinclair vom Kreisverband, „zumal wir alles genehmigen lassen müssen“. Eine öffentliche Bewertung der Aktivitäten will sie dennoch nicht vornehmen, sagt sie. „Unser eigenes primäres Ziel ist es, bedürftigen Menschen im Kreis etwas zukommen lassen zu können.“

 

Genau hinschauen

Wer sicher gehen möchte, dass seine Altkleider umweltgerecht und ordnungsgemäß verwertet werden, der sollte sie nur in eindeutig gekennzeichnete Sammelbehälter werfen. Seriöse Sammler sind in der Regel daran zu erkennen, dass umfassende Kontaktdaten und Informationen zum Sammlungszweck auf dem Container angegeben sind. Vorsicht ist geboten, wenn auf dem Container keine Kontaktdaten oder nur eine Handynummer (oft ungültig oder nur mit Anrufbeantworter) abgedruckt sind. (hpw)

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