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Bermatingen Flüchtlinge engagieren sich bei Christkindlemarkt

Die Flüchtlinge bieten beim Christkindlemarkt landestypische Spezialitäten an und Spenden den Erlös. Bürger füreinander zieht positive Resonanz.

Das Bemühen um Integration von Flüchtlingen in Bermatingen reißt nicht ab. Mit dem relativ kurzfristigen Entschluss, sie beim Christkindlemarkt am vergangenen Sonntag einzubeziehen, ist der Gruppe „Bürger füreinander“ (BüFü) wieder ein Stück „Eingemeindung“ gelungen. Bei der gestrigen Nachbesprechung im Mesnerhaus hatten Markt-Initiatoren und Flüchtlingsfamilien Gelegenheit, sich vorzustellen und von ihren Erfahrungen zu berichten.

Es war nicht das erste Mal, dass sich die Flüchtlinge eingebracht hatten, erinnerte BüFü-Vorsitzende Carola Uhl an die Dorfputzete, die Säuberung des Treffpunkts Mesnerhauses, in dem sich die Flüchtlinge auch mit einem Essen bei ihren Paten bedankt hatten, und aktuell an den Einsatz in einer Wohnung, die für weitere Flüchtlinge gerichtet wurde, denn sie helfen sich untereinander. Den Christkindlemarkt sah sie als idealen Ort, um Deutschkenntnisse anzuwenden und Badisch zu verstehen, die typisch deutschen Vereinstrukturen zu erfahren und zum gegenseitigen Kennenlernen. Und vielleicht auch wegen des Selbstwertgefühls und als Dank für die freundliche Aufnahme in Bermatingen, in der sich die Flüchtlinge, wie Hicham Hussein versicherte, sehr wohlfühlen. Denn die syrischen Aktiven, die ihre landestypischen Spezialitäten backten und anboten, waren gleich damit einverstanden, das Geld zu spenden. Alles wurde verkauft, was Carola Uhl als sehr gute Resonanz wertete. 205 Euro nahmen die Flüchtlinge ein, dazu kamen 150 Euro Spenden „von Leuten, die die Aktion toll fanden“, so Uhl. Wie es in einer Demokratie üblich sei, wolle man gemeinsam den Verwendungszweck diskutieren. Hier war von den Flüchtlingen die Spende an Kindergarten, Schule oder für Sprachunterricht angeregt worden.

Ahmad Jemal versicherte, dass sie das Geld gerne geben, um anderen zu helfen. Er bedauerte bei dem Gespräch, dass sie nicht über genügend Deutschkenntnisse verfügten, nicht so schnell wie Kinder lernen könnten. „Davon hängt die Integration ab“, bemerkte eine Frau unter zustimmendem Nicken aller Anwesenden. Aber auch etliche Kinder haben Schwierigkeiten, in der Schule mitzukommen „Wir suchen Engagierte, die Nachhilfe in Deutsch geben können“, so Uhl.

Ansonsten hatte der Weihnachtsmarkt den Flüchtlingen viel Spaß gemacht. „Die Leute haben sich gefreut, dass wir da waren, sie waren sehr nett“, sagte Hicham Hussein. Die Antwort auf die Frage, ob es als Moslem nicht komisch sei, auf einem Christkindlemarkt zu sein, übersetzte Dolmetscherin Neda Salahi aus Meersburg: „Die Christen haben ein Fest und wir auch. Wir kommen hierher, die Christen lieben uns – wieso sollten wir Christen nicht lieben?“ Dass die Muslime hier keine Berührungsprobleme hatten, freute Uhl besonders. Übrigens war ihre Anfrage zur Teilnahme am Markt vom Initiator und Ausrichter, der Sternchen-Kinderhilfe, schnell positiv beschieden worden. Es passte auch ins Konzept, das Katja Daiber und Maja Zimmerhakl vorstellten: Denn beim Christkindlemarkt dürfen nur ortsansässige Vereine, soziale Einrichtungen, Schule und Kindergarten mitmachen, keine kommerziellen Anbieter.

Idee entstand vor zehn Jahren

Vor etwa 15 Jahren hatten die Familien Zimmerhakl/Daiber begonnen, Artikel auf Weihnachtsmärkten zu verkaufen, um hauptsächlich ein Kinderheim in Nepal zu unterstützen. Bei einer Nepalreise hatte Maja Zimmerhakls Sohn, der dort jahrelang Entwicklungshelfer war, ihnen das Heim gezeigt. „Wir waren überwältigt von der Kultur, aber auch von der entsetzlichen Armut, die in Nepal herrscht“, erinnert sich Maja Zimmerhakl. Noch vor Ort fassten sie den Entschluss, zu helfen, und setzten ihn um. Vor zehn Jahren kamen sie auf die Idee, einen eigenen Markt auszurichten.

Verein

  • Bürger füreinander (BüFü) ist ein Zusammenschluss von Bürgern, die für Menschen in Bermatingen und Ahausen Hilfen im Alltag vermitteln. Die Engagierten der jungen Gruppierung kümmern sich derzeit sehr viel um Flüchtlinge.
  • Tagsüber ist BüFü unter der Telefonnummer 0 75 44/9 67 99 96 zu erreichen oder persönlich im Mesnerhaus, Schulstraße 16, mittwochs von 11 bis 13 Uhr. (keu)

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