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Bermatingen Da staunt der Bürgermeister

13.02.2012


„Bei Ihnen muss man dreimal nachlesen, ob Sie wirklich schon 90 sind, unglaublich“, staunte Bürgermeister Martin Rupp, als er mit Ortvorsteher Hubert Sträßle Annemarie Fiederling zum Geburtstag gratulierte. Und er staunte wie alle Gäste, als die auch körperlich fitte Jubilarin und anschaulich erzählende Zeitzeugin ihr bewegtes Leben schilderte, das in der Residenzstadt Zerbst/Anhalt als zweites von fünf Kindern begann und wo sie mit weiteren fünf Cousins und Cousinen aufwuchs.Als junge Erwachsene mit dem Dritten Reich konfrontiert, wurde sie zum Landdienst auf einer großen Domäne verpflichtet.

Die Gutsküche gefiel ihr, sie wollte Köchin werden. Doch statt-dessen brachte ihr Vater sie im Eichamt für Fieberthermometer unter, sie lernte Steno und Schreibmaschine. Später wurde sie ins Büro des Reichsnährstands versetzt und zum Kreisleiter, für den sie Reden schreiben musste. Das Elend von Judenverfolgung und Vertriebenen bekam sie ebenso mit wie Auswirkungen des Kriegs; kurz vor Ende wurde „ihre“ Altstadt fast vollkommen zerbombt.

Ihr späterer Mann, ein Steinmetztechniker, kam als Soldat nach Russland. 1942 hatten sie sich verlobt, doch sie musste lange auf ihn warten: Zwei, drei Jahre hörte sie gar nichts von ihm, dann dass 25 Jahre Zwangsarbeit leisten musste. Mit dem letzten Transport kam er 1956 nach Hause – einen Monat später, an ihrem Geburtstag vor 56 Jahren, hatten sie, „bei 22 Grad minus“ geheiratet. Sie lebten in Würzburg, er arbeitete als Techniker bei einer Wohnungsbaugesellschaft, sie machte 25 Jahre die Buchhaltung in einem Steinmetzbetrieb.

2009 zog sie zu ihrem Sohn Ulf nach Ahausen, nachdem 2002 ihre Tochter und 2003 ihr Mann verstorben war. „Ich helfe, wo ich kann“, sagt sie. Dazu gehört Kochen und mit Hund „Timmi“ spazieren gehen. Ihre Neugier und Offenheit für Neues hat sie sich bewahrt und halten die gepflegte Dame mit den klaren, wachen Augen lebendig: Sie ist im Seniorenkreises und VdK-Mitglied, sie kennt ihre Nachbarn, hält Kontakt zur Familie, den fünf Enkeln, ihren Jugend- und anderen Freunden und geht gerne in die Natur.

Obwohl sie sich Geschenke verbeten hatte, kommen laufend Blumengrüße. Gefeiert wurde noch mit einem Essen am Abend im Kreise ihrer Familie.

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