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Im Kreis Konstanz, in den Gemeinden Öhningen und Singen, wurden zwei tote Enten entdeckt, die den H5N1-Virus tragen. Ob es sich wie bei dem Überlinger Fall der toten Tafelente um den hoch pathogenen und damit sehr gefährlichen Asia-Stamm handelt, steht noch nicht fest.
Beide Tiere wurden zunächst im Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg positiv auf Influenza A getestet und zur weiteren Untersuchung an das nationale Referenzlabor auf der Insel Riems weiter geleitet, so die Behörden.
Agrarminister Peter Hauk hat sich am gestrigen Samstagabend vor Ort in Radolfzell von der ersten Landesbeamtin Gabriele Seefried informieren lassen. "Es gibt kein Hinwiese auf ein Massensterben von Wildvögeln", so Hauk. Am gestrigen Samstag waren im Kreis Konstanz lediglich sechs tote Wildvögel entdeckt worden, berichtet Hubert Trenkle, Chef der Wasserschutzpolizei Konstanz.
Die Stadt Überlingen mit Stadtteilen sowie umliegende Gemeinden waren bereits am Freitag zum Geflügel-Sperrbezirk erklärt worden. Das gilt nun auch für die Kommunen Öhningen und Singen. Das bedeutet, dass in die Geflügel-Zuchtbetriebe keine neuen Tiere gebracht werden dürfen, auch dürfen keine Tiere aus diesen Betrieben hinaus gelangen. Der Verkauf von geschlachtetem Geflügel, wie gestern früh auf dem Überlinger Wochenmarkt, ist jedoch auch dann gestattet, wenn der Verkaufswagen - wie im gestrigen Fall - aus dem Kreis Konstanz nach Überlingen fährt und dann wieder über die Stadtgrenze nach Hause zu seinem Betrieb steuert. Aus Veterinär-medizinischer Sicht sei daran nichts auszusetzen, berichtet Überlingens Oberbürgermeister Volkmar Weber. Er selbst aber hält dieses Vorgehen für "nicht plausibel". Dr. Günter Herrmann, Leiter des Veterinäramts des Bodenseekreises, bestätigte dies jedoch bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag in Friedrichshafen.
Das bei der toten Tafelente in Überlingen festgestellte Virus entspricht dem Asia-Typ und könnte somit eine große Bedrohung für Wildvögel und den heimischen Geflügelbestand darstellen. Allerdings ist die vor Tagen an der Überlinger Uferpromenade gefundene Tafelente bislang das einzige Tier im Bodenseekreis, bei dem der H5N1-Virus nachgewiesen wurde. Peter Hauk, Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, war es am Samstag in Friedrichshafen deshalb auch wichtig zu betonen: "Es besteht für die Bürger aufgrund der aktuellen Lage keine Gefahr."
Gestern und heute morgen wurden von der Feuerwehr entlang des Überlinger Ufers zwischen Süßenmühle bei Sipplingen und Untermaurach bei der Birnau ein knappes halbes Dutzend weitere verendete Vögel gefunden. Außerdem wurde das Eriskircher Ried zwischen Friedrichshafen und Langenargen abgesucht. Dabei wurden 30 tote Vögel gefunden. Dies ist nicht ungewöhnlich. Am Samstagnachmittag suchte die Feuerwehr in Hagnau. Dabei wurde kein toter Vogel gefunden. Alle entdeckten Vögel werden zur Untersuchungsanstalt in Aulendorf gebracht. Bereits am Freitag waren zehn tote Wildvögel bei Überlingen entdeckt worden.
Überlingens Oberbürgermeister Volkmar Weber machte sich am Samstagmittag selbst ein Bild von der weiteren Suche nach toten Vögeln, an der neben der Feuerwehr auch die Wasserschutzpolizei und der städtische Werkhof beteiligt sind. Für Weber stellt sich die Situation bislang unverändert dar: "Zwar wurde jetzt der schlimmste Fall, nämlich die hoch pathogene Spielart des Virus, festgestellt. Doch die Stadt Überlingen war und ist auf einen solchen Fall vorbereitet. Wir tun alles, um eine mögliche Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern." Die Stadt arbeite derzeit an einem aktualisierten Merkblatt, das der Bevölkerung möglichst rasch zugänglich gemacht werden soll. Für die Bevölkerung besteht keine akute Gefahr, ist Volkmar Weber überzeugt. Die heimischen Geflügelhalter seien informiert und hätten ihre Tiere eingestallt. Nach einer Sitzung des Krisenstabs im Landratsamt Friedrichshafen werden die Züchter nun noch einmal mit den aktuellsten Informationen versorgt. Der Einsatz von Desinfektionswannen und Sprühanlagen für Fahrzeuge ist nach bisher vorliegenden Informationen im Bodenseekreis weiterhin nicht geplant.
Bereits am Freitag hatte das Land das deutsche Bodenseeufer bis zehn Kilometer ins Hinterland zur Beobachtungszone erklärt. Der Kreis Konstanz erwägt, das gesamte Kreisgebiet zur Beobachtungszone zu erklären, sagte Minister Hauk in Friedrichshafen. Im Kreis Konstanz gehören Wallhausen und Dingelsdorf zur Drei-Kilometer-Sperrzone.
Der Polizeihubschrauber bleibe bis mindestens Montag am Bodensee im Einsatz, hieß es. Seine Besatzung fertigt Übersichtsaufnahmen an und kann größere Ansammlungen toter Tiere entdecken. Einzelne Kadaver sind aus der Luft dagegen nicht sichtbar. Am Boden suchen Polizei, Wapo, Zoll und Feuerwehr nach toten Vögeln. Am Hochrhein hat die Schweizer Polizei nach einer Absprache mit den örtlichen Behörden die Suche auch am deutschen Ufer übernommen.
Im Kreis Konstanz wurden seit Jahresbeginn bis vergangenen Freitag 79 tote Vögel entdeckt, berichtete Minister Hauk. 52 wurden nach Freiburg zum dortigen Untersuchungsamt gebracht, sechs gingen von dort weiter an das Löffler-Institut. 27 Vögel wurden noch nicht untersucht. Landrat Hämmerle kündigte an, die von Auflagen betroffenen Geflügelbetriebe würden verstärkt kontrolliert. "Wir wollen die Infektionsgefahr dadurch minimieren", sagte der Landrat.
Aus dem Bodenseekreis wurden seit Jahresbeginn bis vergangenen Freitag 87 tote Vögel, darunter 52 Enten und zehn Schwäne, in der Untersuchungsanstalt Aulendorf, untersucht, so Hauk. Zwei Enten und zwei Schwäne waren verdächtig und wurden an das Friedrich-Löffler-Institut weitergeleitet. Eine Ente hatte, wie seit Freitag bekannt, den H5N1/Asia-Virus. Der H7-infizierte Schwan aus Überlingen, auch hier gibt es eine für Menschen ansteckende Form, hatte nur eine niedrig pathogene Variante. Bei einer Ente und einem Schwan erwies sich der Verdacht als unbegründet.
Roland Burger/Frank van Bebber/Georg Wex
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