Ein bunter Bogen Heimat: 800 Besucher bei Heimatabend im Dauerregen

Beim Heimatabend der 548.Waldshuter Chilbi drehte sich alles – ja – um die Heimat. Doch wer dabei an verstaubte Glückseligkeit denkt, der irrt. Schauspieler begeistern heiter und nachdenklich. Der Dauerregen tat der Stimmung auch keinen Abbruch.

Beim Heimatabend der 548.Waldshuter Chilbi drehte sich alles – ja – um die Heimat. Doch wer dabei an verstaubte Glückseligkeit denkt, der irrt. Sicher, der röhrende Hirsch zierte eine der beiden großen Multimedia-Leinwände der dreistöckigen Bühne mitten auf der Kaiserstraße, aber dies beinahe schon in aufreizend moderner Form. Und kaum hatten die 800 Gäste Platz und die Darsteller ihr Spiel aufgenommen, begann es in Strömen zu regen. Doch davon ließen sich weder Schauspieler noch Publikum irritieren.

<p><strong>Dauerregen:</strong> Das Publikum trotzte, gut geschützt mit ausgelegten Ponchos und mitgebrachten Regenjacken, dem Nass von oben, wie hier CDU-Vorsitzender Waldemar Werner.</p>

Dauerregen: Das Publikum trotzte, gut geschützt mit ausgelegten Ponchos und mitgebrachten Regenjacken, dem Nass von oben, wie hier CDU-Vorsitzender Waldemar Werner.

Und so war er dann auch, der Heimatabend des Bürgertheaters Waldshut mit Unterstützung der Theaterwerkstatt Heidelberg. Modern. Ohne dabei die eigenen Wurzeln zu verdrängen oder zu ignorieren. Es wurde eine mal heitere, mal nachdenkliche Reise durch die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen und Menschen, die hier eine neue Heimat fanden. Und von Menschen, die zwangsweise nach Waldshut mussten, wie die Zwangsarbeiter der ehemaligen Lonza. Aber auch mit Menschen, wie Heinrich Ernst Kromer aus Riedern am Wald, die einst im fernen Amerika ihr Glück im Goldrausch suchten, dann aber gerne wieder in die alte Heimat zurückkehrten und glücklich wurden.


Von der biederen Stube in Waldshut mit dem glänzend aufgelegten Christian Ruch und der nicht minder begeisternden Margret Teufel aus, spann sich der Bogen zunächst in den Wilden Westen von Amerika (samt atemberaubender Überfahrt), zurück ins romantische Riedern am Wald mit der Hochzeit des Heimkehrers Heinrich Ernst Kromer, weiter in Waldshuts dunkle Seite der Geschichte (Lonza-Zwangsarbeiter) bis zu den alten Römern, denen Waldshut und Umgebung für gut 400 Jahre Heimat sein musste, als sie die Grenzen des römischen Reichs sicherten.

Dies alles und zum Schluss auch der Wanderer zwischen den Welten (Gilberto Cammissa), der in Deutschland der Italiener ist und in Italien der Tedesco, stimmten am Ende des Abends sogar den vormals engstirnigen Karl-Heinz (Christian Ruch) nachdenklich.

Im Sturm: Das tosende Meer auf der Überfahrt nach Amerika forderte Passagiere und Matrosen gleichermaßen.


<p><strong>Goldrausch:</strong> Die Junggesellen Tobias Bartelmess, Werner Späth und Philippe Dietzsch als Goldwäscher in Amerika.</p>

Goldrausch: Die Junggesellen Tobias Bartelmess, Werner Späth und Philippe Dietzsch als Goldwäscher in Amerika.


Zum Schluss: Am Ende des Heimatabends der 548. Waldshuter Chilbi sorgten alle Darsteller für ein impo-sanstes Bild auf der Bühne mitten in der Kaiserstraße.Bilder: Michael Neubert

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