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Überlingen Bilder: Dorferschoppen 2013 (8 Bilder)

„Wer in Überlingen noch an das Gute glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann“, kündigte Jörg Bohm den Altmeister der Überlinger Fastnacht an: <strong>Walter Jaud</strong> schwang als Weihnachtsmann die Rute für den Ex-Raben („Jetzt ein Hasenstall“) oder den Untermieter im Aran („Weil der Umsatz mager, haben sie jetzt gehobenen Krust auf Lager“). Schon seiner kraftvollen Stimme wegen mögen ihn die Besucher im Dorfer. Bohn dankte Jaud mit einem Mostkrug „für die ganze Zeit, die Du uns beschert hast“, die Jahre als Narrenvater und die ungezählten Auftritte in der Butte. Das Publikum spendete stehend Applaus, zugleich ein würdiges Dorfer-Finale.
Eigentlich, lästerte Conférencier <strong>Jörg Bohm</strong>, wollte er in seiner Butte etwas über das „Rückgrat der Gemeinderäte“ sagen: „Aber da kommt jetzt nichts“. So knöpfte er sich die Neubürger und „Brüderle vom Schättlisberg“ vor, von denen es „Leserbrief-Tinte“ hagelt, was ihm, dem Narrenbohm des Dorfers, als sexuelle Belästigung deucht: „Weil mir das auf den Sack geht.“ Ein „Untergang-Szenario“ zeichnete er für den Bürgersinn, dem die Mayas voraushätten, „dass sie schon Geschichte sind“. Bohm hielt sich über der Gürtellinie, fast narrenkonzerttauglich – schenkte den Narreneltern, die eben jenen Anspruch haben, dennoch Ohrenschützer. Sie benötigten sie nicht.
Als Petite Fleur war <strong>Herbert Gomeringer</strong> angetreten, ein paar blumige Witze zu säen. Heraus kam, wie dem tiefen Ho-Ho-Ho der Besucher zu entnehmen war, eher unterirdisches Wurzelgemüse. Treffer landete Gomeringer schon eher mit der Schilderung einer Aufsichtsratssitzung, die Überlingens Stadtoberhaupt wohl leiten sollte, aber nicht konnte, weil sie ihre Aktentasche vergessen habe. Sein Vorschlag: Eine Aktentasche mit Handschellen zum Anbinden, damit ihr Hausmeister ihr nicht alles hinterher tragen muss. Ein weiteres Präsentle, das er der OB überreichte, war ein Maßband für die letzten Tage „Arbeits“-Tage. Seine Betonung lag auf „Arbeit“. Ho Ho Ho.
Als TV-Ansager beim EIF (Erstes Ibberlinger Fernsehen) platzierte <strong>Frank Neumann</strong> Nachrichten, die hängen blieben: In Anlehnung an ein OB-Zitat, wonach man im Rathaus dank der neuen Führungskultur jetzt wisse, wohin das Schiff steuert, sagte er: „Das hat man auf der Titanic auch gewusst.“ Und konsternierte: „Zehn Mal lieber Weber-Knecht als Becker-Gsell.“ Beliebtes Opfer auch die Sipplinger, wo an die 4000 Jahre alte Pfahlbauten entdeckt wurden, was man dort mit schiefem Maul so kommentierte: „Geht doch it, mir hen doch erscht 2013.“ Und von SPD-Hoffmann will er einen Leserbrief gelesen haben, in dem Hoffmann was tut? Ja, das Leserbriefschreiben verbieten.
Er war in die Rolle des „Sprücheklopfers“ geschlüpft, tatsächlich bot <strong>Mimi Braun</strong> in der Butte einen Klopfer nach dem anderen. Persiflierte die Erstellung des Badhotel-Gutachtens auf einem Butterbrot-Papier. Zeichnete die Unterhändler Stett und Korn, die Depechen zwischen Rathaus und Kirche überreichen, damit wenigstens der Stadtpfarrer Euphorie für die Landesgartenschau predigt. Betrachtete die Stadtpolitik als Hommage ans 50-Jährige der Seegfrörne, zu der uns die OB „täglich aufs Glatteis führt“. Daumen hoch! Jörg Bohm zeichnete Braun, seit 20 Jahren in der Butte, verdient mit dem „Goldenen Daumen“ aus (für den Karl Waldvogel Pate stand).
<strong>Michael Jeckel</strong> sorgt für das gewisse Prickeln im Dorfer. Da stehen sich gegenüber: Jener, der sich als Gemeinderat noch getraut, den Mund aufzumachen und Jene, die OB, der auch sonst seine Kritik gilt. Hatte er also schon das ganze Jahr über Fastnacht, hielt er sich gestern politisch zurück und am Manuskript fest. Er nahm sich stärker seine Hänselefreunde und deren Fehltritte in Elzach vor. Ein bisschen Lokalpolitik war aber doch: So verteidigte er sein Nein zum ÜB mit dem Hinweis, dass wer ÜB sagt, auch ZOD (´z Owingen dobä) und KGB (Kogenbach) zulassen muss. Und er „enthüllte“, dass die OB im „Kaffeekränzle“ saß, statt den Kreistagsausschuss vom ÜB zu überzeugen.
In der Figur des Albert Einstein mit ausgestreckter Zunge schlug <strong>Matthias Wigger</strong> zwei Klappen mit einer Fliege: Elegant machte er Werbung für die von ihm übernommene Weinstube „W-Einstein“. Zugleich gab er den Narren, der anderen die Zunge zeigte: Der Verwaltung, die den Neubürgern per Brief noch am 7. Januar ein frohes Weihnachtsfest wünschte. Dem einen Hänsele, der ohne Glocken in Elzach ankam („So wird der Hänselejuck zum Schweigemarsch“) oder dem anderen, der beim Pinkeln am Bach das Gleichgewicht verlor. Er trieb die Zweihundert im Saal kollektiv dazu, der anwesenden Stadtspitze den „Lälle rauszustrecken“. Nicht fein, aber Fastnacht!
Als „Michel aus Chantilly“ setzte <strong>Michael Reutlinger</strong> einen der großen Glanzpunkte beim Dorfer. Sein Schlachtruf: „Liberté, Égalité, Fiäß in ´d Höh“, worauf er das Bein einer Plastikpuppe in die Höhe reckte. Urkomisch. Treffend seine französischen „Weisheiten“, die er mit Blick an den Promi-Tisch vom Stapel ließ: „Es regnet immer dort, wo es schon nass ist.“ Oder: „Wer weit springen will, muss einen Schritt zurück treten.“ Und: „Wer immer das letzte Wort haben will, spricht bald mit sich allein.“ Über die Promi-Bank hinweg, nun an die Überlinger gerichtet: „Euch kommt alles so teuer zu stehen, was aus dem Osten kommt – Meersburg liegt auch im Osten.“
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Überlingen
Dorferschoppen 2013
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08.02.2013
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