Seit wir fotografieren, ist das "verwackelte Bild" ein Thema - um so mehr bei den superkleinen Digitalkameras, die wir zwar immer dabei haben, welche uns aber fast schon durch die Hand rutschen. Tatsächlich produzierten die ersten Kameragenerationen viele Verwackler, insbesondere bei Aufnahmen ohne Blitzlicht. Mit den neuen Kompaktkameras gehen die Hersteller nun aber auf breiter Front dieses Thema an: Wie bei den Spiegelreflexkameras hält der Bildstabilisator Einzug.
Wann Bilder verwackeln:
Bei schlechten Lichtverhältnisse sind längere Verschlusszeiten nötig. Diese wiederum verlangen eine ruhige Hand, oder gar ein Stativ.
Wenn sich das Motiv schneller bewegt. Die "Freihandzone" und Faustregel für Aufnahmen ohne Stativ liegt für Standardfotos und Normalbrennweiten bei 1/60 bis 1/125, bei Teleoptiken bei 1/250 Sekunden. Wer alles vollautomatisch fotografiert, den interessieren solche technischen Daten nicht. Die Bilder sollen eben verwacklungsfrei sein. Daher der Bildstabilisator.
Das bringt der Bildstabilisator: Er ist eindeutig ein Verwacklungsschutz. Die Freihandzone wird deutlich größer. Wollen Sie beispielsweise das angenehme, weihnachtliche Raumlicht und die Kerzenstimmung im Wohnzimmer mit Atmosphäre rüberbringen und nicht mit einem knallharten Blitzlicht zerstören, dann sind sie mit einem Kamera mit Bildstabilisator einfach im Vorteil. Denn normalerweise müssten Sie beispielsweise eine fünfzehntel Sekunde lang belichten. Das wiederum würde zu einem verwackelten Bild führen. Der Stabilisator dagegen gleicht das Wackeln und Zittern aus - wenn es nicht zu extrem ist.
Die Varianten: Es gibt optische und elektronische Stabilisatoren, wobei man letztere nochmals in unterschiedliche Fraktionen aufteilt. Es geht vom "Optical Image Stabilizer"(O.I.S.), über den "Steady Shot" bis zum "Anti-Shake-DSP" - um nur einige zu nennen. In allen Fällen wird die Bildbewegung gemessen und entsprechend kompensiert. Dies geschieht mal über den Sensor durch Nachschärfung, mal durch automatische Empfindlichkeitserhöhung des Sensors. Der optische Stabilisator richtet's durch motorisches Nachführen der Linsen.
Nachteil: der zusätzliche Stromverbrauch. Die Vorteile bei der Bildgestaltung und die deutliche Reduktion der Verwacklungsfehler wiegen diesen aber mehr als auf. Reiner Wöhrstein