ClickDann doch lieber wieder zu Ebay? [0]
Sie locken mit „Erlebnisauktionen“ und „bis zu 96 Prozent Preisnachlass“. Doch Verbraucherschützer warnen. Sie halten die neuen Alternativen zum Internet-Marktplatz Ebay für eine Art Glücksspiel mit hohem Verlustrisiko.
Bieten mit Sonnenbrille und Scheuklappen: Erlebnisauktionen im Internet – „Glücksspiel mit Verlustrisiko“. Bilder: Nardelli
Als „erste Adresse für Schnäppchen“ feiert sich Dealstreet. Und Snipster wirbt mit dem Spruch „Cool bleiben, clever bieten, sensationell sparen“. Tatsächlich: Ein iPhone-Handy für 50, ein Großbildfernseher für 80 oder die Spiele-Konsole Xbox für 17 Euro sind hier als Endpreise keine Seltenheit bei den so genannten Live- oder Cent-Auktionen wie Swoopo, Idasworld, Hammerdeal oder Vipauktion. Einzelne Auktionshäuser wie Swoopo berufen sich mittlerweile auf mehr als 2,5 Millionen registrierte Nutzer. Monatlich würden dort 10 000 Produkte, überwiegend Technik, versteigert. Jedes Gebot kostet Der entscheidende Unterschied zu Plattformen wie Ebay: Jedes Gebot kostet – mal zehn Cent, meistens jedoch 50 Cent.Das gibt's: Erraten des niedrigsten Preises. Ein Beispiel: Während eines festgelegten Zeitraums von meist wenigen Tagen können Kaufgebote für einen 150 Euro teuren Computerdrucker abgegeben werden: auf den Cent genau. Erst am Ende der Auktion allerdings werden alle Gebote sichtbar. Gewinner ist nicht, wer den höchsten Preis eintippt, sondern vielmehr „der niedrigste Alleinbieter“. Die Folge: Sobald auf eine Zahl, etwa „1 Cent“, ein zweites Gebot eingeht, ist diese Gewinnchance vertan. Auf diese Weise können Tausende Gebote ins Leere gehen. Mit jedem Gebot steigen die Preise um einen oder zwei, um fünf oder zehn Cent. Der Meistbietende erhält den Zuschlag und zahlt den zumeist recht niedrigen Höchstpreis plus für jedes abgegebene Einzelgebot. Das taugt's: Vier Portale, die nach diesem Prinzip arbeiten, nahm die Verbraucherzentrale unter die Lupe: Dealstreet und Idasworld, Snipster und Swoopo. Ergebnis: Zwar wird das zeitliche Ende einer Auktion angekündigt, jedes Gebot jedoch verlängert den Schluss um bis zu 20 Sekunden. „Obwohl uns die Einblendung „Ende in wenigen Sekunden“ entgegenflimmerte, konnte die Versteigerung noch über Stunden weiterlaufen“, stellen die Verbraucherschützer fest. Käufer werden so verführt, aufs angepeilte Produkt nicht nur einmal, sondern zehn-, oder auch 500-mal zu steigern. Sie können dafür umgerechnet fünf oder 250 Euro investieren – und dennoch leer ausgehen. Heute schon zuviel bezahlt? So beobachteten die Tester etwa, wie bei Dealstreet mehr als 700 Gebote auf ein iPhone von einem einzigen Kunden abgegeben wurden; ein anderer Bieter mühte sich unglaubliche rund 1000-mal, um bei Swoopo ein Notebook zu ergattern. Für einen „Black Glass Toaster“, der für 76,95 Euro direkt zu erwerben war, investierte ein Webnutzer letztlich 106,30 Euro. Ein anderer ließ sich für ein Navigationsgerät (Wert 213,95 Euro) insgesamt 290,40 Euro abluchsen. „Geradezu oberdreist“ findet die Verbraucherzentrale, dass inzwischen automatische Biethilfen das Zocken unterstützen. Und: Einige Betreiber brachten es im Test auf mehr als das Dreifache der gängigen Preise der versteigerten Notebooks und Spielekonsolen. In einem Fall musste der „Auktionssieger“ für ein Handy sogar mehr als fünfmal mehr zahlen als nötig.
Teilweise bieten die Portalbetreiber leer ausgegangenen Mitspielern die verpassten Produkte zum Direktkauf an – und rechnen dabei die verspielten Gebote an. Für die Verbraucherschützer ein echter „Gruseltipp“. Alle 40 von ihnen verglichenen Direktkauf-Artikel waren teurer als bei der Online-Konkurrenz – und das oftmals deutlich. Beim Konsolenspiel Pro Evolution Soccer 2010 beispielsweise ließ sich gegenüber dem Dealstreet-Preis ein Drittel sparen, ein Fernseher wiederum kostete bei Swoopo mit Versand satte 1015 Euro, wenige Klicks weiter dagegen nur 830 Euro. Merkwürdigkeiten fand die Verbraucherzentrale auch in den Listen der beendeten Auktionen. Sie staunten etwa bei Dealstreet darüber, dass Mitspieler dort immer wieder erfolglos gegen einen „Stahlmauer“ genannten Bieter gerannt waren. Jede Dritte von zwanzig aufeinanderfolgenden Auktionen ging an diesen. Ein anderer hatte mit einem Einsatz von insgesamt 82,80 Euro gleich neun Preise im Wert von 2238,70 Euro abgeräumt. Bei Snipster wiederum sackte User „Dickewurst“ laut Chronik innerhalb weniger Wochen zehn Mal Waren im Gesamtwert von 3624 Euro ein: darunter je zweimal die Spielekonsolen Wii und Xbox 360. Fazit der Verbraucherschützer: „Vielleicht sind es solche Beobachtungen, die Verbraucher schwanen lassen, dass der einzige Gegenwert Entertainment heißt.“
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