Wendepunkt fürs Internet
25.01.2012
Das Internet steht nach Einschätzung von Managern aus der Online-Wirtschaft vor einem weiteren Entwicklungssprung. „2012 wird ein fundamentaler Wendepunkt. Wir werden eine grundsätzliche Neuorientierung von immer mehr Informationen und neuen Services hin zum Nutzer erleben“, sagte Google-Topmanager Nikesh Arora auf der Web-Konferenz DLD (Digital, Life, Design) in München. John Donahoe, der Chef des Online-Marktplatzes eBay, sagte gravierende Veränderungen im Einzelhandel voraus.
Arora betonte, in den vergangenen Jahren hätten Breitband-Internet und Mobilfunk immer neue leistungsstarke Plattformen, Endgeräte und Services hervorgebracht. Nun müsse es darum gehen, das Web im Interesse der Anwender zu ordnen. Der Google-Manager nannte unter anderem die bessere Integration und Vernetzung zwischen verschiedenen Plattformen. Eine der größten Herausforderungen bestehe darin, den Nutzern einen einfachen und einheitlichen Zugang zu ihren Inhalten und Services auf allen internetfähigen Endgeräten zu ermöglichen – vom Handy, über Tablet Computer und Notebook bis hin zu TV-Geräten.
Unter besonders großem Veränderungsdruck stehe die Medienindustrie. Noch habe die Digitalisierung die Prozesse zur Herstellung von Inhalten kaum verändert. Medienunternehmen, die dauerhaft im digitalen Wettbewerb bestehen wollten, müssten dringend damit beginnen, die Erstellung von Inhalten neu zu organisieren.
Ebay-Chef John Donahoe sagte, er gehe davon aus, dass sich der Einzelhandel in den nächsten drei Jahren mehr verändern werde als in den zurückliegenden 20 Jahren. Allein der Siegeszug internetfähiger Smartphones habe die Grenzen zwischen dem Einkaufen im Web und dem klassischen Shoppingerlebnis verwischt. Die Konsumenten erwarteten ein grenzenloses Einkaufserlebnis mit festen Preisen.
Wikipedia-Gründer Jimmy Wales warnte angesichts der Komplexität und der globalen Vernetzung der Internet-Ökonomie vor Versuchen, die Gefahren mit schärferen Gesetzen bekämpfen zu wollen. Wales verwies auf die von der amerikanischen Film- und Fernsehindustrie betriebenen Gesetzesinitiativen, die den Bruch von Urheberrechten mit drakonischen Strafen und Netzsperren ahnden sollen. (dpa)
