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Der Traum vom eigenen Film

13.02.2012


Für zehn Dollar gibt es ein Backrezept. Wer 25 Dollar spendet, bekommt eine Tüte selbstgemachter Plätzchen.

Und unterstützt man die Realisierung des Dokumentarfilms „Oma und Bella“ mit 5000 Dollar, wird der eigene Name im Abspann erwähnt. Kulturprojekte scheitern oft an der Finanzierung. „Kickstarter“ kann da helfen: Die Internet-Plattform sammelt Klein- und Kleinstspenden von jedermann und macht so Dokumentarfilme, Ausstellungen und Theaterstücke möglich.

Mit Anreizen wie dem Backrezept oder den Keksen konnte zum Beispiel die New Yorker Filmstudentin Alexa Karolinski genügend Geld auftreiben, um ihren Traum vom eigenen Film zu realisieren. Über kickstarter.com bat die 27-Jährige um Unterstützung. Kleine Dankeschön-Pakete zu schnüren ist dabei Pflicht. Mehr als 500 Menschen beteiligten sich an Karolinskis Aufruf und spendeten insgesamt 44 905 Dollar (knapp 34 000 Euro). „Menschen auf der ganzen Welt haben mir ihr Vertrauen geschenkt“, freut sich die gebürtige Berlinerin und kann es kaum fassen.

Der Film „Oma und Bella“ ist eines von 11 836 Projekten, die im Jahr 2011 über die Internetseite kickstarter.com realisiert werden konnten. Alle Arten von Künstlern präsentieren sich dort.

Insgesamt baten im vergangenen Jahr mehr als 27 000 Menschen um finanzielle Unterstützung. Nach dem Prinzip „Alles oder nichts“ erhält man das Geld allerdings nur, wenn innerhalb einer gewissen Zeit ein bestimmter Betrag zusammenkommt. Andernfalls bekommen die Spender ihr Geld zurück.

Im April 2009 ging kickstarter.com online. Die Idee kam Mitbegründer Perry Chen beim Versuch, für ein Konzert in New Orleans 20 000 Dollar aufzutreiben. Zusammen mit seinen heutigen Geschäftspartnern Yancey Strickler und Charles Adler entwickelte er die Internet-Plattform. Heute gelten die drei Gründer als Pioniere des Crowdfundings, wie die Geldbeschaffung mithilfe vieler Internet-Nutzer genannt wird.

Deutsche Pendants tragen Namen wie Startnext, MySherpas und Inkubato. Der Erfolg von kickstarter.com bleibt ihnen allerdings bis heute verwehrt. Kickstarter konnte bereits über eine Million Menschen zum Geldspenden mobilisieren. „Jemanden unterstützen zu wollen ist doch das Menschlichste, was es gibt. Wir haben einen Weg gefunden, das so einfach wie möglich zu gestalten“, sagt Mitbegründer Yancey Strickler. Wenn alle Projekte erfolgreich gewesen wären, so rechnet Strickler, wären insgesamt 100 Millionen Dollar über die Plattform geflossen.

Kritiker geben zu bedenken, dass diese Eigenfinanzierung dazu führen könnte, dass öffentliche Förderungen in Zukunft noch geringer ausfallen. „Wir wollen kein Ersatz sondern ein Zusatz sein. Wenn es kickstarter.com nicht geben würde, dann gäbe es auch eine ganze Menge ganz toller Projekte nicht“, sagt Strickler.

Auch die Fertigstellung des Dokumentarfilms „Oma und Bella“ – eine Geschichte über zwei jüdische Frauen, deren Vergangenheit und ihre Kochkünste – wäre ohne Spenden nicht möglich gewesen. Und dann hätte der Film auch nicht in diesem Jahr auf der Berlinale seine Weltpremiere feiern können. Zu sehen bekommen werden ihn anschließend aber auch all jene, die „Oma und Bella“ mit 100 Dollar und mehr unterstützt haben: Sie bekamen für ihre Spende zwei Tickets für eine Vorstellung im Kino ihrer Wahl geschenkt. (dpa)

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