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Gefahrenquelle Handy?

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Wer mit dem Handy telefoniert, hat einer wissenschaftlichen Studien zufolge kein erhöhtes Krebs- oder Hirntumorrisiko. Lediglich einzelne Veränderungen der Genaktivität seien beobachtet worden.

"Nein, so ist es sicherlich nicht." Dass sich bei ihm Patienten die Klinke in die Hand geben, die berichten "Herr Doktor, ich glaube es ist der Mobilfunkmast, der mir Beschwerden macht", kann Klaus Bogner nicht bestätigen.

Verwundert ist der praktizierende Allgemein-Mediziner aus Friedrichshafen trotzdem: "Da verursachen wir eine in diesem Ausmaß bislang noch nicht dagewesene weltweite Strahlenbelastung und keiner fragt nach, was das bedeutet."

Ärzte für mehr Verantwortungsbewußtsein

Bogner ist einer von mehreren hundert Medizinern, die den so genannten Freiburger Appell unterzeichnet haben. In diesem fordern Ärzte Politik, Industrie und Bürger zu mehr Verantwortlichkeit beim Umgang mit der Mobilfunk-Technik auf - aus "Sorge um die Gesundheit unserer Mitmenschen", wie es im Appell heißt. Hier berichten die Ärzte von einem "dramatischen Anstieg" schwerer und chronischer Erkrankungen.

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Quasselstrippen: Telefonieren mit Handys ist beliebt, besonders bei jungen Menschen. Dabei ist das Gesundheitsrisiko durch die Strahlung bei Kindern erhöht.
dpa
Explizit genannt werden Konzentrations- und Verhaltensstörungen bei Kindern, Blutdruck-Entgleisungen, Alzheimer und Epilepsie, Leukämie und Hirntumore, aber auch Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Unruhe und Ohrgeräusche. Die Mediziner sehen diesbezüglich einen "deutlichen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten dieser Erkrankungen und dem Beginn der Funkbelastung."

Gefahrenquellen

Und die, so glauben sie, rührt von Mobilfunkmasten, intensivem Handygebrauch, schnurlosen Haustelefonen und drahtlosen Verbindungen ins Internet (so genanntes Wireless Lan, WLAN) her. "Ich habe erhebliche Zweifel an der Unbedenklichkeit des Mobilfunks", gibt Bogner zu.

 

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Der Friedrichshafener Arzt steht damit nicht alleine da: Etwa jeder dritte Bundesbürger macht sich wegen Handys und Mobilfunksendeanlagen Sorgen um die Gesundheit - ein Wert, der sich über die vergangenen fünf Jahre hinweg praktisch kaum verändert hat. Fast drei Viertel halten gesundheitliche Probleme durch elektromagnetische Strahlung, die etwa bei der Handy-Nutzung entsteht, für möglich.

Krebs als Spätfolge


Sie schließen auch Krebs als Folge des Mobilfunks nicht aus. Besonders besorgt sind laut dem gestern von der Strahlenschutzkommission (SSK) vorgestellten Abschlussbericht des Deutschen Mobilfunkprogramms Menschen zwischen 30 und 50 Jahren, die eine höhere Schulbildung haben, in der Nähe von Mobilfunkmasten und im Süden der Republik wohnen.

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Trotzdem hält die Strahlenschutz-Kommission den Ball flach: "Der Mobilfunk macht den Menschen viel weniger Angst als andere Technologien oder Schadstoffe." Tatsächlich bezeichnen sich nur 1,1 Prozent der Bundesbürger als "elektrosensibel." Und überhaupt ist offiziell alles im grünen Bereich. Wer mit dem Handy telefoniert, hat dem SSK-Bericht zufolge kein erhöhtes Krebs- oder Hirntumorrisiko. Lediglich einzelne Veränderungen der Genaktivität seien beobachtet worden.

Grenzwerte


"Das stellt die Gesamtbeurteilung aber nicht in Frage." Auch ein Zusammenhang zwischen Mobilfunk-Strahlung und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen können nicht nachgewiesen werden. Wer diesen trotzdem sieht, bildet sich das alles demnach bloß ein: "Menschen nehmen die elektromagnetische Strahlung unterschiedlich war - manche früher, manche später", so das SSK. Dessen Schlussfolgerung: "Die geltenden Grenzwerte sind ausreichend."

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"Für den Bundesumweltminister ist mit dem nun beendeten Deutschen Mobilfunkforschungsprogramm der Fall damit einstweilen weitgehend erledigt: "Befürchtungen zu möglichen Gesundheitsgefahren des Mobilfunks haben sich nicht bestätigt", verkündete Sigmar Gabriel (SPD) bei der Vorstellung des Abschlussberichts. Fragezeichen sieht er nur noch bei eventuellen Langzeitwirkungen und möglichen Gefahren für Kinder. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es hier ein Risiko gibt, das wir bisher nicht erkannt haben", gibt Wolfgang Weiss, Fachbereichsleiter bei der Strahlenschutz-Kommission zu.

Kinderin Gefahr?

Was Kindern später droht, wenn sie zu früh und zu häufig zum Mobiltelefon greifen, hat jüngst der Biophysiker Gennadi Y. Grigoriev vom russischen "Nationalen Komitee zum Schutz vor Strahlung" skizziert. Demnach ist das elektromagnetische Feld ein biologischer Faktor, der Verhalten und Denken beeinflusst. Insbesondere mobil telefonierenden Kinder würden deshalb Gedächtnisstörungen, nachlassende Aufmerksamkeit, verringerte Lernfähigkeit und Reizbarkeit drohen - und in ferner Zukunft Tumore im Ohr, Depressionen sowie Alzheimer und Demenz.

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Auch für Bogner ist die Sache lange nicht so klar, wie der Umwelt-Minister glauben machen will: "Herr Gabriel hätte auch sagen können, Handys sind potentiell gefährlich. Aber das ging natürlich nicht", kritisiert er. Für den Allgemein-Mediziner steht fest: "Es gibt nun mal Menschen, die auf Strahlung besonders empfindlich reagieren. Für mich stellt sich deshalb die Frage, wie man sie schützen kann."

Die bisherige Forschung konzentriere sich nur auf die Masse: "Da geht die individuelle Befindlichkeit völlig unter." Dabei, so befürchtet Bogner, kann es Einzelne später "schwerst treffen." Rainer Müller von der Umweltschutz-Organisation BUND fordert deshalb zusätzlich auch eine Herabsetzung der gesetzlichen Grenzwerte: "Ich fürchte, sonst wird die Hälfte der Bevölkerung irgendwann gesundheitliche Probleme bekommen."

      
Die Studie

Das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm ist eines der größten Studien über Handy-strahlung. Es wurde vor sechs Jahren vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegeben, nachdem erste Zweifel an der Unbedenklichkeit dieser Technik unterhalb der bestehenden Grenzwerte entstanden waren. Es sollte wissenschaftliche Erkenntnisse über gesundheitliche Risiken der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks bringen. Dafür wurden 17 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt – je zur Hälfte von Bund und Netzbetreibern. 36 der 50 Forschungsvorhaben sind bereits definitiv beendet.



Das strahlt

Handys funken mit einer Leistung von maximal zwei Watt. Sobald das Handy jedoch eine gute Verbindung zur Basisstation hat, regelt es die Sendeleistung Akku-schonend herunter.

Außerdem funkt es nur, wenn es angesprochen wird. Ausnahme: UMTS-Handys pulsen dauerhaft. Schnurlos-Telefone arbeiten meist nach dem DECT-Standard (Digital Enhanced Cordless Telephone) und funken stets mit der höchsten Leistung von 0,25 Watt. Die Basisstation sendet unabhängig von Telefonaten regelmäßig Kontrollsignale aus.

Neue DECT-Telefone fahren Sendeleistung oder Kontrollsignale aber herunter – oder schalten sich in den Ruhezustand, wenn das Telefon angedockt wird (so genannter Eco-Modus). WLAN (Wireless Lan)für die Funkverbindung ins Internet. Auch hier kontaktiert der Zugangspunkt selbst im Ruhezustand die angeschlossenen Geräte – und zwar jede Zehntelsekunde.

Endgeräte wie Laptops funken nur, wenn Daten übertragen werden. So ist weniger riskant Handys erst zu Gesprächsbeginn ans Ohr halten Der Finger an der Antenne verstimmt diese. Das Sendeverhalten wird schlechter. Handy nicht mit dem gestreckten Zeigefinger ans Ohr drücken. Im Zug sendet das Handy wegen schlechter Verbindung meist voll.

Deshalb:

Wenn möglich bis zum Bahnhof warten. Ein Headset reduziert die in den Kopf eingestrahlte Leistung Experten zufolge deutlich. Handy nicht ständig am Körper tragen. Nachts abschalten oder wenigstens auf einen weiter entfernten Stuhl legen. Am besten ans Fenster, dort ist der Empfang meistens besser.

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Autor: MICHAEL NARDELLI
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