Schon das angebliche Thema im "Betreff" sorgt für Verwunderung. "Freitag, 30. September 2005" heißt es da etwa. Hmh, eigentlich lange vorbei. Und darum auch nicht unbedingt typisch für die aktuelle Flut an massenhaft verschickten Müll-Mails. Die werben für so genannte Pennystocks, also Aktien, die oft für ein paar Cent zu haben sind. Etwa das Papier mit der Börsennummer "797639", gehandelt in Frankfurt. Aktuell sei es 1,93 Euro wert, in vier Tagen sollen es angeblich aber bereits 2,55 Euro sein. Kleinvieh macht auch Mist.
Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn diese Spams, deren Absender ein "unglaubliches Profit-Potenzial" sehen, liefern zusammen mit dubiosen Börsentipps allerlei Textmüll. Fragmente im Betreff etwa. Da heißt es dann "Und auf die ein oder andere Weise ist", "Ich kann den Sound erst zu Hause" oder "So wie es Herr S." Manchmal wird's auch richtig komisch. "Und nicht selten setzt irgendwann die Erinnerung aus", steht etwa im Betreff einer jener in den beiden vergangenen Tagen massenhaft verbreiteten Schundmails. Nicht minder lustig ist, was nach dem Aktientipp im E-Mail-Text folgt. "Ich verstehe diese Welt nicht. Mir ist egal, wie viel Kunden da jetzt stehen. Aber Markenname ist nun mal Markenname", heißt es wortwörtlich in einer der Spams. In einer anderen E-Mail wird der Empfänger aufgefordert, doch, bitteschön, die Stachelhecke stehen zu lassen und nach dem ersten Sex anzurufen. "Schließlich hat auch Galileo kurz vor dem Scheiterhaufen widerrufen."
In wieder einer anderen Spam ist von "Paul und seiner Gitarre" die Rede, vom "Wald, der irgendwie an Ilmenau erinnert" und davon, dass "ein Deutscher in keinem Koreaner-Verein aufgenommen" werde. Absoluter Favorit der Click!-Redaktion ist aber jene E-Mail, die der Kollege vom regionalen Wirtschaftsmagazin "Profit" erhielt. Da geht es um einen seltsamen Mordfall im Hacker- und Computerspiele-Milieu: "Seine Nase blutete, blieb aber ganz. Doch es ist nichts, wie es scheint. Sein Traum ist jedoch eine Motoguzzi." Und als wäre es das Motto der gesamten Spammer-Aktion heißt es schließlich in der bis dato letzten derartigen Mail, die wir erhielten: "Die nicht wahnsinnig witzig sind, fliegen raus."
Am Anfang war der Hobbit
Totaler Stuss, mit freilich ernsthaftem Hintergrund. "Stockspam"-Attacken nennen IT-Experten das Ganze. Und die, bestätigt Angelika Felsch, Sprecherin beim Spamschutz-Unternehmen Ironport, seien Trend. Neu ist der Trick, das Ganze mit Textmüll zu verbinden, aber nicht.
Das steckt dahinter: Herkömmliche Spamfilter analysieren den Inhalt von Massenmails auf verdächtige Begriffe. Wertpapierkennummern gehören längst dazu. Deshalb garnieren die Spammer ihre E-Mails mit allerlei Text, der für den unintelligenten Filter unverdächtig oder vertraulich wirkt. Die E-Mail wird durchgelassen, weil für die Schutzsoftware die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Stock-Spam handelt, zu gering erscheint. "Das hatten wir in der Vergangenheit schon mal. Damals hingen unten an der E-Mail Zitate der Hobbits", erinnert sich Felsch. Nach den Figuren aus dem Literaturwerk "Herr der Ringe" versuchten es die Versender mit "Spamglisch", ein seltsamer Mix aus englischen Wörtern. Auch diese hatten nur einen Sinn: den Text "normaler" erscheinen zu lassen, um so besser an Spamfilter vorbei zu kommen. Nun also Spamdeutsch.
Daher der Text
"Für das Zustandekommen der seltsamen Spamtexte gibt es verschiedene Techniken", erklärt Candid Wüst von Schutzsoftware-Hersteller Symantec. So schickten die Spam-Versender ihre Schnüffelroboter beispielsweise auf die Seiten von Rundfunksendern oder Nachrichtenportalen und laden dort die Schlagzeilen herunter. Andere geben selbstständig in Suchmaschinen zufällige Begriffe ein und fragen dann die Trefferseiten ab.
Eine andere Variante klingt geradezu beängstigend: Alle Seiten, die der Benutzer gerade geöffnet hat, werden nach Textpassagen durchsucht und in die Spammail eingebunden. "Das ist vermutlich auch bei den aktuellen Spammails der Fall", so Wüst.
