Joggingtour durchs Wohnzimmer
Bis in den Buckingham Palace soll sie es angeblich schon geschafft haben, die kleine weiße Box mit den blauen Lichtern. Die britische Königin Elisabeth II. bewegt sich Medien-Berichten zufolge mit der Videospiel-Konsole Wii von Nintendo. Bowling am Bildschirm hat es der 82-Jährigen offenbar besonders angetan.
Folge eines Trends, der vor rund zwei Jahren mit einer Eyetoy genannten Kamera für die Playstation 2 von Sony begann. Das Konzept ist immer dasselbe: Die Jugend soll aufstehen, denn gesteuert werden entsprechende Spiele mit körperlichem Einsatz. Mehr als ein Gag war das bislang nicht. Mit dem neuen Spiel "Wii Fit" will Nintendo das nun ändern. Das Wohnzimmer wird dabei zum Golfplatz, zum Boxring oder zur Bowlingbahn, die Steuerung wie ein Golfschläger geschwungen, dazu die richtigen Knöpfe gedrückt. Abschlag, der Ball fliegt und landet unter Beachtung der Windrichtung nah beim Loch. Nintendo behauptet, das mit einem Balanceboard ausgestattete Trainingsprogramm "Wii Fit" könne sogar helfen Muskeln und Kondition aufzubauen.
So lief der Fitness-Test am Bildschirm: Es ist ein freundliches Ding - dieses Balanceboard. Gleich am Anfang gibt es ein paar Tipps. Die sind aber eher aus der Kategorie: "Wer hätte das gedacht". Zum Beispiel, dass Ernährung und Bewegung der Schlüssel zu Fitness und einer guten Figur sind. Ich ziehe die Socken aus und steige auf das Balanceboard. Es erinnert an die kleinen weißen Hocker, auf die man sich als Kind stellte, um beim Zähneputzen auch ins Waschbecken zu kleckern und nicht nur daneben. Es ist aber nur fünf Zentimeter hoch und etwas breiter. Das Board misst Gewicht und Balance und erstellt daraus einen Fitnessplan.
Meine Füße haben nebeneinander bequem Platz. Wie allerdings jemand mit Schuhgröße 46 darauf stehen und sich bewegen soll, bleibt mir ein Rätsel. Neben meinem Bodymassindex erfahre ich nach einem Balancetest mein biologisches Alter. Das Ergebnis hatte ich bereits befürchtet. Also lege ich los. Vom Rumstehen werde ich nicht fitter.
Erst Slalom, dann Kopfball
Die Wahl zwischen Yoga, Muskelübungen, Balancespielen oder Kondition fällt mir nicht schwer. Ich entscheide mich für die Balancespiele. Schließlich will ich mich nicht gleich überfordern. Diese Spiele funktionieren mit Hilfe von Gewichtsverlagerung. Gar nicht so einfach beim Ski-Slalom nicht zu schnell zu werden. Um Rekordzeiten aufzustellen, muss ich richtig in die Hocke gehen und das Gewicht über die Zehnspitzen verlagern. Rechts, links, rechts, links. Ziel. Neuer Rekord! Allerdings ist die Rangliste bis auf meinen Namen auf dem ersten Platz noch völlig leer. Aber der Ehrgeiz ist geweckt. Das muss besser gehen. Nach einigen Versuchen, geht's weiter mit Kopfball. Auch hier ist eine schnelle Gewichtsverlagerung gefragt. Lustig, vor allem wenn man die Koordination nicht gleich so hinbekommt.
Zur Entspannung als nächstes Yoga: Bei jeder Übung gibt es eine genaue Einführung von der Trainerin. Während der Übung wird der Atemrhythmus angezeigt. Ich mache den Baum. Einatmen. Ausatmen. Entspannung. Das einzige, was stört ist die Tante, die ständig in die Konzentrationsphase reinquatscht. Da hilft auch das hinterlegte Meeresrauschen nichts.
Der Spaßfaktor bei den Muskelübungen ist eher gering. Ungefähr wie bei einer Fitness-DVD. Immerhin komme ich aber ins Schwitzen und merke, dass dies hier wirklich Sport ist. Ansporn ist das "Schweinchen Fit", eine Stoppuhr, die die Trainingsminuten zählt. Zudem sind am Anfang nicht gleich alle über 50 Übungen freigeschaltet. Sie kommen quasi als Belohnung nach und nach hinzu.
Nun zu meiner Kondition: Joggen auf der Stelle ist ziemlich bescheuert und langweilig. Trotzdem ist es anstrengend, wenn man schon lange nicht mehr laufen war. Lustig sind Stepp-Aerobic, Boxen und Hula-Hoop. Ich beende das Training. Schweinchen Fit ist stolz auf mich. Meine Erfolge der nächsten Tage kann ich genau an einer Kurve mitverfolgen.
Fazit: Bei regelmäßigem Training kann "Wii Fit" tatsächlich helfen. Immerhin: Im Gegensatz zu einer DVD zählt die Wii wenigstens mit und führt ein Tagebuch, ein günstiger Personal-Trainer also. Nachteil: Ich wusste nie wirklich, ob ich die Übung auch richtig ausgeführt habe. Einen Ansporn, fit zu werden, liefert die Wii aber allemal. Schließlich lobte sie mich ja auch reichlich. Da ich gleich einen Erfolg sehe, machen sogar die anstrengenden Übungen Spaß. Ich merke, dass es nicht bloß ein Spiel ist, sondern, dass ich auch hier den inneren Schweinhund überwinden muss. Sonst würde es dem Board gehen wie dem Heimtrainer: Es wäre schnell ausrangiert irgendwo in der Ecke.
So funktioniert die Wii
An den Fernseher angeschlossen wird die Wii mit einer Art Fernbedienung gesteuert. Mit Hilfe einer Sensorleiste beim Fernseher und einer Infrarotkamera an der Steuerung werden alle Bewegungen registriert und auf den Bildschirm übertragen. Ein Beschleunigungssensor an der Bedienung erfasst Schnelligkeit und Drehungen. Das Balanceboard funktioniert wie eine Waage. Drucksensoren registrieren Gewichtsverlagerungen, Körperhaltung und Bewegungen des Nutzers, die auf den Fernseher übertragen werden.

Alle Kommentare 