Mein

Jetzt drohen sie per Telefon

15.09.2007
Artikel drucken


Bei den Verbraucherzentralen steigt die Zahl der Beschwerden über dubiose Webabos weiter an. Binnen zwei Stunden Telefonberatung meldeten sich bei Karin Thomas-Martin, Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale (VZ) Baden-Württemberg, gestern fünf neue Opfer. Es ging dabei um Routenplaner, Lebensprognosen, das persönliche Todesdatum, kostenlose SMS und ebensolche Downloads. Unterschiedliche Angebote, ein Trick: Wer sich bei den vermeintlichen Gratis-Webseiten anmeldet, bekommt hinterher per E-Mail Rechnungen über ein Jahres-Abo.

Teures Gewinnspiel

So wie im Fall der jungen Webnutzerin Anja. Sie wollte eine "fantastische Chance auf eine neue Playstation 3" haben oder auf einen von fünf iPods. Für die Teilnahme am Gewinnspiel soll es außerdem 100 Frei-SMS geben, verspricht der Anbieter. Tatsächlich schickt dessen Anwalt mittlerweile Rechnungen über 300 Euro, der Anbieter selbst fordert zusätzlich 108 Euro für zwei Jahre Webabo: Anja hatte nicht rechtzeitig gekündigt. "Hier kann ich trotzdem in jedem Fall noch helfen, weil das Opfer den Dienst nicht genutzt hat", erklärt Thomas-Martin gegenüber Click! und begründet dies mit einer fehlenden Widerrufsbelehrung: "In diesem Fall gilt das Rücktrittsrecht unbefristet."

Das freilich hält die betreffenden Webanbieter nicht davon ab, das Geld mit allen Mitteln einzutreiben. Laut Thomas-Martin ist das Inkassobüro eines Lebensprognose-Anbieters mittlerweile dazu übergegangen, bei den Opfern anzurufen, um gerichtliche Schritte anzukündigen. Für die Verbraucherzentralen nur eine weitere leere Drohung: "Inzwischen hat der Anbieter zwar einen Kostenhinweis auf seiner Homepage angebracht, wir raten trotzdem nicht zu zahlen", so Thomas-Martin, die das Angebot für sittenwidrig und die Gegenleistung für fragwürdig hält.

"Seit Beginn letzten Jahres ist nicht nur die Zahl der Internet-Fallen erheblich gestiegen, sondern auch die Ausgestaltung wurde vielfältiger", bestätigt auch Gabriele Francke von der VZ Berlin. Und auch die bayerische VZ ist der Ansicht, dass in den meisten Fällen gar kein gültiger Vertrag zustandegekommen ist.

Opfer gesucht

Wie viele vor allem minderjährige Webnutzer trotzdem gezahlt haben, bei welchen Anbietern und mit welchen Methoden diese das Geld eintrieben, wollen die Verbraucherzentralen nun mit der Online-Umfrage "Abzocke im Internet" ermitteln. Sie dauert bis Ende Oktober. (nar)

Umfrage "Abzocke im Internet"

www.vz-bawue.de

Computer
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung