„Es besteht die große Gefahr der Nutzlosigkeit.“ Alexander Magerhans vom Beratungsunternehmen eResult kann nicht fassen, was er im Internet an vielen Stellen zu lesen bekommt.
Magerhans ist ein so genannter Usability-Experte. Das heißt, er erforscht, wie kompliziert das Leben in der Technikwelt ist, wo dessen Hürden aufgestellt sind und vor allem, wie man sie abbauen könnte.
Das Problem beginnt dabei schon mit den Bezeichnungen, wie eine Umfrage von eResult unter 400 überwiegend durchaus technikaffinen Internet- Nutzern ergab. Dabei war selbst ein Begriff wie Web 2.0, der als Synonym für das Mitmach-Internet und seine Schwarm-Intelligenz in Medien und auf Webseiten überall unerklärt zu lesen ist, nur jedem Dritten wirklich geläufig.
Zwei Drittel können auch mit den im Zusammenhang mit Web 2.0 häufig gebrauchten Fachbegriffen wie „Social Bookmarking“ nichts anfangen. Die „Tagwolke“ ist sogar drei Vierteln der Internet-Super- Nutzern unbekannt. „Wir stellen in Tests leider immer wieder fest, dass Internet-Angebote eine Vielzahl von Begriffen enthalten, die für die Nutzer nicht verständlich sind“, erklärt Studienleiter Thorsten Wilhelm.
Er findet es schon ärgerlich genug, wenn komplizierte und mehrdeutige Begriffe für Texte auf Webseiten verwendet werden: „Zum Problem wird das aber, wenn über diese Funktionen, Anwendungen oder Navigationselemente zugänglich gemacht werden sollen.“ In diesem Fall könne es zu unterschiedlichen, ungewollten Folgen kommen.
Das zeigt sich zum Beispiel im Webladen, dem so genannten E-Commerce. Hier steht es um die Verständlichkeit der Sprache Magerhans zufolge noch schlechter als bei Web 2.0: Bei der Umfrage von eResult konnte jeder zweite Webnutzer die angebotene Funktion „Direktbestellung“ nicht richtig deuten. Ebenso viele verwechselten bei der Suche nach dem richtigen Artikel „Filtern“ mit „Sortieren“.
Für Usability-Forscher Magerhans ist deshalb klar: „Die Web-2.0-Thematik ist für die Menschen noch gänzlich neu. Wer mit den damit verbundenen Begriffen im Alltag nicht aktiv zu tun hat, versteht sie auch nicht.“
Das bedeutet’s
Mit dem Begriff Web 2.0 wird das Internet bezeichnet, bei dem die Nutzer sich Inhalte selbst schaffen – Stichwort soziales Web oder Mitmach-Internet. Nutzer wirken also persönlich mit. Der Seitenbetreiber selbst stellt nur noch die Technik bereit.
Typische Beispiele fürs Web 2.0 sind das Mitmach-Lexikon Wikipedia, Internet-Tagebücher (Blogs) oder auch Bild- und Videoportale wie Flickr, Youtube und Tauschbörsen. Korrekt erklären konnte das nur jeder Fünfte Internet-Nutzer.
Mit Tagging ist das gemeinschaftliche Indexieren von zum Beispiel Produkten, Artikeln oder Fotos gemeint. Die Schlagworte, die die Nutzer dabei wählen, sind Tags (übersetzt etwa „Etikette“).
Werden die Ergebnisse des gemeinschaftlichen Indexierens visualisiert dargestellt, also zum Beispiel gewichtet, sprechen Experten von einer Tagwolke. Die Übersetzung: Tagging bedeutet „Schlagworte vergeben“. Das wusste nur jeder sechste Befragte. Als Übersetzung für Tagwolke schlagen die Verständlichkeits- Forscher von eResult die „Form der Anordnung häufiger Suchbegriffe“ vor.
Einkauf
Für Verwirrung sorgen Knöpfe (Buttons) mit der Aufschrift Direktbestellung. Wer draufklickt, gelangt auf eine Folgeseite, auf der die Bestellnummer des gewünschten Produktes (aus einem Katalog) eingegeben werden kann, ohne dass man sich vorher langwierig durch das gesamte Angebot kämpfen muss. Der betreffende Artikel befindet sich anschließend im Warenkorb.
Das verstand aber nur jeder Zweite auf Anhieb. Ein Fünftel glaubte dagegen fälschlicherweise, über diesen Button könnte man alle im Warenkorb befindlichen Artikel bestellen.
Filtern oder Sortieren?
Eine Trefferliste kann über eine Filterfunktion eingegrenzt werden. Das führt zu weniger, aber präziseren Ergebnissen. Beim Sortieren dagegen bleibt die Anzahl der Treffer gleich, deren Anordnung wird aber verändert – etwa nach dem Kriterium Preis. Fast die Hälfte der Webnutzer wählte im Test von eResult die falsche Funktion. Das Beratungsunternehmen schlägt deshalb vor, statt Filter „Suche verfeinern“ zu verwenden.
