"Kannst du das mal abstellen, bitte?" Die werte Gattin ist ziemlich genervt. Ständig diese Meldung nach dem Hochfahren des Notebooks: "In ... Tagen läuft Ihr Passwort ab. Bitte wählen Sie ein neues." Und das, klar, muss sich die Gattin dann auch wieder neu merken: "Dazu habe ich keine Lust."
Das geht vielen Computer- und Internet-Nutzern so. Verständlich. 15 bis 20 Passwörter oder Zahlencodes müssen sie sich im Durchschnitt merken, hat der IT-Branchenverband Bitkom ermittelt. Laut einer Umfrage von Schutzsoftware-Hersteller McAfee braucht hierzulande jeder Zweite mindestens ein Mal täglich ein Passwort, jeder Siebte zehn bis 30 Mal am Tag. Bitkom kam auf Rekordwerte von mehr als 60 Kennwörtern. Da hilft nicht mal mehr Möhren essen...
Die bequeme Lösung, einfach ein leicht zu merkendes Passwort für alle Fälle zu definieren - für den Zugang zum Rechner ebenso wie für das E-Mail- oder Ebay-Konto - tut es aber auch nicht. Einen Code aus fünf Zeichen können Hacker mit Spezialprogrammen in wenigen Minuten knacken. Folge: Laut McAfee ist jeder vierte Computer-Nutzer in Europa von Datendiebstahl durch Passwortknacker bedroht, weil er sich für die bequeme Variante entschieden hat: ein Passwort für alles. Ein Drittel loggt sich mit einem zu kurzen Code mit weniger als sechs Zeichen ein, bei einem Viertel besteht dieser nur aus Buchstaben. Noch schlimmer: Fast die Hälfte hat das Passwort noch nie gewechselt.
"Viel Computer-Kriminalität könnte vermieden werden, wenn mehr Anwender ihren inneren Schweinehund überwinden und vernünftige Passwörter vergeben würden", glaubt der Computer-Experte Christian Kruse. "Kritisch" findet der Ex-Hacker Mathew Bevan die Ergebnisse der McAfee-Umfrage: "Es ist erstaunlich, wie nachlässig Menschen am Computer handeln." Ein gedankenlos gewähltes Passwort sei, als ob man den Autoschlüssel in der Zündung stecken ließe.
Wir sind gewissenhaft
In Deutschland scheinen dies Anwender noch am ehesten zu wissen. Hierzulande benutzt nur etwa jeder Sechste ein General-Passwort. Zwei Drittel wechseln ihre Zugangscodes häufiger. Europaweit macht das nicht einmal jeder zweite Anwender. Und die deutschen Passwörter sind die sichersten in Europa: Mehr als ein Drittel besteht aus Zahlen und Buchstaben. Ein Drittel ist allerdings kürzer als sechs Zeichen.
Leichtsinn am Handy
Enorme Defizite gibt's auch beim Umgang mit dem Handy. So hat laut McAfee ein Fünftel der Mobilfunknutzer den PIN-Schutz angeschaltet. Drei Viertel haben diesen noch nie geändert. Mehr als ein Viertel nutzt nur die Voreinstellung. Und die lautet meist: 0000 oder 1234.
Die Dümmsten
Laut einer Umfrage von T-Online gehören zu den am häufigsten gewählten Passwörtern die Zahlenkombination 123456, das ordinäre Wort "F*cken", der Wohnort, "Schatz", Sommer, Baby und "hallo."
Tipps für die Passwort-Wahl:
Für jeden Zugang eigenes Passwort definieren.
Die wichtigsten Passwörter alle vier Wochen, den Rest drei Mal jährlich wechseln.
Zugewiesene Passwörter umgehend ändern.
Ein starkes Passwort steht nicht im Duden, ist falsch geschrieben, mindestens acht Zeichen lang und besteht aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.
Ungeeignet sind Filmtitel, Passwörter, die aus aufeinander folgenden Ziffern oder Buchstaben auf der Tastatur bestehen oder einen persönlichen Bezug haben, also etwa der Name des Ehegatten, von Kindern oder Haustieren, Geburtstage oder Auto-Kennzeichen.
Automatische Speicherung von Passwörtern möglichst unterbinden, weil das meist unverschlüsselt auf dem Heim-PC geschieht.
Tipp: Das kostenlose Programm "Passwort Safe" hilft beim Erstellen, Merken und der Verwaltung von Zugangscodes.
- Name der Kinder
- Gerätenamen die in der nähe ...