"Zusammenschreiben schreibt man zusammen und getrennt schreiben schreibt man getrennt." Fehlerfreie Texte zu produzieren sei ja so einfach, stellt André Kramer, Software-Tester der Fachzeitschrift c't, fest. Achtung, Ironie! Denn: "Dass man großschreiben kleinschreibt und mal zusammen, mal getrennt, ist schon kniffliger." Aber hallo! Deutsche Sprache eben schwere Sprache. Wie also kann unter solch' schwierigen Verhältnissen eine computergestützte Rechtschreibkorrektur funktionieren?
Kramer hat's anhand von neun Programmen überprüft. Neben Tippfehlern mussten diese auch überprüfen, ob die jeweiligen Texte den seit 1. August verbindlichen neuen Orthografie-Regeln entsprechen, unter anderem bei der Frage nach Doppel- oder Scharf-S, ph oder f oder anerkannten Anglizismen wie Fastfood oder Know-how. Ergebnis: Rechtschreibprüf-Programme unterstützen Computer-Nutzer beim Auffinden von Tippfehlern. Mehr aber nicht.
Weniger als drei Viertel der Böcke fand keines der Programme im c't-Test. Wer sich aber etwa bei Groß- und Kleinschreibung auf den PC verlässt, kann sich dem Test zufolge auch gleich setzen: Sechs! "Im schlimmsten Fall bauen Rechtschreibprüfungen mehr Fehler ein, als sie finden", so Kramer. Das war im Test etwa bei den kostenlosen Programmen OpenOffice 2.3 und Google Text & Tabellen der Fall. Am besten schnitt der Duden Korrektor 4 ab. Das Programm fand mehr als die Hälfte der falschen Trennungen, Zusammen- oder Groß- und Kleinschreibungen - und fügte keinen zusätzlichen Fehler hinzu.
Textverarbeitung mangelhaft
Insgesamt arbeiteten die Rechtschreibprüfungen der Drittanbieter CLT (Coorigo 1.4.8), Wahrig und Duden besser als die Textverarbeitungen. Word schnitt aber trotzdem nicht schlecht ab: C't bescheinigt der Windows-Textverarbeitung brauchbare Korrekturvorschläge und eine taugliche Grammatikprüfung. Vergleichbar gut schnitt diesbezüglich nur das Duden-Programm ab. Die Schlusskontrolle durch den Anwender kann aber auch dieses nicht ersetzen.
Die kuriosesten Korrekturen
Im Satz "Bringen sie ihn zum schweigen" entdeckten im c't-Test nur die wenigsten Programme einen Fehler - geschweige denn zwei: "Sie" und "schweigen" gehören hier großgeschrieben. Die Korrektur von Word 95 hielt das Wort Internet für einen Fehler und schlug stattdessen Internat vor. Die Rechtschreibprüfung von Mac OS x 10.4 wollte aus spazierengehen "spazierengeren" machen, StarOffice aus kennenlernen gar Kenianerinnen.
