Datenübertragung durch Handauflegen, Computersteuerung durch Gedanken, Worte oder Husten: Wissenschaftler arbeiten an alternativen Bedienungen für Computer & Co. Der Konstanzer Informatik-Professor Harald Reiterer erklärte Click!-Redakteur Michael Nardelli, warum wir trotzdem einstweilen weiter kräftig klicken müssen.
Haben Sie heute schon auf die Computermaus geklickt?
Ja, hier an meinem Arbeitsplatz. Der ist ganz klassisch eingerichtet mit stationärem Computer, Maus und Tastatur. Aber wir sind bei der Arbeit heutzutage ja viel mobil unterwegs.
Kommt die Computermaus demnächst auf die Rote Liste?
Maus und Tastatur haben im Zoo der Eingabegeräte noch immer ihren Platz. Am stationären Computer halte ich sie nach wie vor für unschlagbar. Die Maus ist ein nettes Bürotier.
Wer leistet ihr im Gerätezoo künftig Gesellschaft?
Wir experimentieren mit Stift, der Touch-Technik, also der Bedienung mit dem Finger, aber auch zum Beispiel mit einem Laserpointer. Mein großer Traum ist die Spracheingabe. Sie könnte eine echte Alternative zur Computermaus sein.
Wo liegt das Problem bei der Bedienung von Geräten?
Dass es immer auf den Kontext ankommt, in dem ich die Geräte verwende. Für die Bedienung heißt es: Was beim einen Zweck passt, kann beim anderen total daneben sein. Maus und Tastatur zeigen das ja: Im Büro super, unterwegs unkomfortabel. Außerdem befinden auf diesen Geräten viele Anwendungen verschiedener Hersteller, ohne stimmiges Konzept. Das ist historisch gewachsen, ohne dass man an die Bedürfnisse der Nutzer dachte.
Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Sagen wir, ich möchte Ihnen etwas auf meinem Handy zeigen. Das Display ist aber zu klein. Also übertrage ich die Präsentation auf einen größeren Bildschirm meines PC oder mit einer Geste sogar an die Wand meines Büros. Da sind Maus und Tastatur nicht sehr geschickt. Bei Vorträgen müssen Sie wegen jedem Folienwechsel zum Notebook laufen, um die Maus zu betätigen. Das ist geradezu behindernd.
Die Alternative?
Steuerung per Handy, Laserpointer oder Handbewegungen. Wir haben das mit einem PDA getestet, indem wir diesen zur Steuerung eines großen Monitors verwendet haben. Per Stift haben wir ein Rechteck in einer Landkarte aufgezogen, also einen Bereich des Interesses ausgewählt. Auf dem großen Bildschirm wurde entsprechend genau dieser Bereich angezeigt. So ließe sich etwa auch Google Earth steuern. Wir experimentieren aber auch mit Techniken, über die es möglich ist durch Kippen des Gerätes oder durch die Geschwindigkeit eines Stiftes oder Fingers zu zoomen.
Beim Handy gibt's ja bereits Geräte ohne Tastatur. Stichwort iPhone. Ihre Einschätzung?
Zoomen per Finger, wie es das iPhone ermöglicht, funktioniert schon ganz gut. Das finden die Leute nebenbei auch cooler und faszinierender als klicken - in ein Satellitenbild mit einer intuitiven Geste rein- und wieder rauszugehen. Die Maus ist dagegen nur eine Krücke. Hier wird ein Lichtstrahl auf dem Tisch umgerechnet in die Position auf dem Bildschirm.
Was ist das Problem bei der Bedienung von Anwendungen?
Wir wollen den Anwendern ermöglichen, besser mit den stark wachsenden Datenmengen zurechtzukommen. Da haben Sie die Video- und Fotosammlung, E-Mail-Ordner, das Online-Lexikon oder die digitale Bibliothek mit ein, zwei Millionen Datensätzen. Egal, welche Interaktionstechnik Sie heute nutzen, Sie haben immer das Problem, dass Sie nur einen verdammt kleinen Ausschnitt des riesigen Datenraums sehen können. Ich habe immer vier Anwendungen offen: den Browser, das Dokument, das ich gerade bearbeite, das E-Mail-Programm und den Terminkalender. Alle haben unterschiedliche Interaktionskonzepte. Unsere Vision ist sie zusammenzubringen - auf einem einzigen Weg der Gerätebedienung.
Warum ist unser Blick im Datenraum so eingeschränkt?
Weil wir uns mit Krücken behelfen müssen. Das Fenster mit dem Scrollbalken etwa. Oder der Hyperlink. Da klickt der Anwender drauf und bekommt die gewünschten Details praktisch auf Anfrage. Was bislang auf dem Bildschirm war, ist aber weg, weil ein neues Fenster aufgeht. Darum ist auch der "Zurück"-Button einer der meist genutzten Tasten des Internet-Browsers. Die armen Anwender versuchen quasi auf diesem Trampelpfad der Navigation zurückzumarschieren.
Was ist am Zoomen so besonders?
Hier kann ich direkt bestimmen, wie viel ich in welchem Detailgrad sehen möchte und kann Inhalte verschieben wie ein Platt Papier. Das vermittelt ein ganz anderes Gefühl der Steuerung, Kontrolle, Unmittelbarkeit. Vor allem bei Zoomtechniken, wo auch der Zusammenhang sichtbar bleibt. Bei unseren Tests mit Versuchspersonen hat sich dabei gezeigt, dass der Verlust des Überblicks hier nicht dramatisch empfunden wird. Im besten Fall verlassen Sie die Anwendung nicht mehr, weil Powerpoint-Präsentation, Google-Earth, das PDF-Dokument und der Internet-Browser direkt eingebaut sind. Sie haben eine Art Leitstand, auf dem Sie sich selber frei bewegen können. Und das auf verschiedenen Bildschirmgrößen. Ich wage die Hypothese, dass das Zoomen die Benutzeroberfläche, wie wir sie heute kennen, ablösen wird.
Stirbt dann aber nicht der lustige Icon zum Draufklicken?
Auch diesen wird es weiter geben. Denn Sie brauchen auch in Zukunft die Repräsentation eines Objekts, damit Sie wissen, wo Sie Ihre Interaktion mit dem Computer anfangen können.
Das Notebook kippen, mit dem Handy rumfuchteln, eine Präsentation mit Bewegungen zu steuern - ist das nicht peinlich?
Es ist wenigstens ein zielgerichtetes Fuchteln. Handytelefonate in der Öffentlichkeit sind früher auch peinlich gewesen. Trotzdem macht's jeder, weil es als sozial akzeptiert gilt.
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