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23.05.2012  |  9 Kommentare

Memmingen 14-Jähriger in Psychiatrie eingewiesen

Mit Waffen seines Vaters hat ein Jugendlicher an einer Schule in Memmingen Angst und Schrecken verbreitet. Angeblich hatte der Vater die Pistolen vorschriftsgemäß eingeschlossen. Sofort hebt die Debatte um das Waffenrecht wieder an.

Es hätte eine Katastrophe werden können, doch der Amok-Alarm an einer Memminger Schule ging ohne Blutvergießen zu Ende.  Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa



Mit Pistolen seines Vaters hat der 14-jährige Schütze aus Memmingen den Amokalarm an seiner Schule ausgelöst. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Memmingen am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen mit. Der 53 Jahre alte Vater sei ein Sportschütze und habe die Waffen ordnungsgemäß in einem speziellen Tresorraum verwahrt. „Der Junge hat offenbar die elektronische Sicherung umgangen“, sagte der Kemptener Polizeisprecher Thorsten Ritter.

Mit den entwendeten Waffen feuerte der Jugendliche am Dienstag mehrere Schüsse ab: erst vor seiner Schule, später dann auf einem Sportplatz. Menschen wurden dabei nicht verletzt.

 Die Staatsanwaltschaft vermutet ein persönliches Motiv für die Tat. Vor dem Haftrichter habe sich der 14-Jährige allerdings am Mittwoch nicht geäußert. Er wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Hinweise auf eine Schuld des Vaters gibt es bislang nicht. Die Polizei habe die Sicherheit des Waffentresors im Januar 2010 überprüft, bestätigte die Staatsanwaltschaft Memmingen einen Bericht der „Augsburger Allgemeinen“ (Donnerstag).

Die Grünen forderten angesichts des Vorfalls eine Verschärfung des Waffenrechts. „Weil wir es in Deutschland erlauben, dass Menschen zu Hause ihre tödlichen Sportwaffen aufbewahren, wäre es gestern fast wieder zu einer Schultragödie gekommen“, sagte die Bundesvorsitzende Claudia Roth in Berlin. Ähnlich äußerte sich das Aktionsbündnis Amoklauf (Winnenden): „Waffen und Munition müssen getrennt voneinander außerhalb von Privatwohnungen gelagert werden“, sagte Gisela Mayer vom Vorstand des Bündnisses in Stuttgart.

Dem widersprach der Deutsche Schützenbund (DSB) mit Verweis auf noch größere Gefahren: „Wenn wir, was immer wieder gefordert wird, Schusswaffen und Munition in Schützenhäusern aufbewahren wollten, dann würde dort ein Munitionsdepot entstehen“, sagte Vizepräsident Jürgen Kohlheim der Nachrichtenagentur dpa. Auch eine Verschärfung des Waffenrechts lehnte er ab: „Ich glaube nicht, dass wir mit weiteren strengen Vorschriften das Versagen eines Einzelnen in irgendeiner Form ausschließen können.“

Der 14-Jährige hatte vor seiner Schule und auf einem Sportplatz mehrfach geschossen und dabei drei Polizeiautos mit Kugeln getroffen. Nach einem stundenlangen Nervenkrieg ergab er sich der Polizei. Dabei stellten die Beamten drei Pistolen samt Munition sicher. Der Schüler war zunächst nicht vernehmungsfähig.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Waffendelikten, Nötigung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Für den Versuch von Körperverletzung oder gar Totschlag gebe es noch zu wenig Anhaltspunkte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Hier müssten die Aussagen der Schüler, Lehrer und Beamte abgewartet werden. Experten wollten zudem die Munition und die Einschüsse untersuchen. Zu Gerüchten, wonach der Schüler einen Lehrer mit einer Waffe bedroht habe, wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Hinweise auf einen geplanten Amoklauf gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Schulrektor Franz Michael Schneider beschrieb den Jugendlichen als unauffällig und beliebt. Auch der Kontakt zur Mutter sei gut gewesen. Ob der 14-Jährige aus Liebeskummer gehandelt hat, konnte der Rektor nicht sagen. An der Lindenschule werde viel Präventionsarbeit geleistet. „Natürlich ist große Betroffenheit da, dass so etwas an meiner geliebten Schule passiert“, sagte Schneider. Gleichzeitig sei er erleichtert, dass niemand verletzt worden sei.

Am Tag nach dem Schreckensereignis öffnete die Schule, allerdings war einiges anders: „Es ist kein normaler Unterricht, wir können nicht sagen, wir gehen zum Tagesablauf über und machen wieder Mathematik“, erklärte die Unterallgäuer Schulamtsdirektorin Elisabeth Fuß. Stattdessen fingen Kinder und Lehrer damit an, die Ereignisse in Gesprächen aufzuarbeiten. „Es ist uns sehr wichtig, dass möglichst bald wieder Normalität in die Schule einziehen kann“, betonte Schneider. Dafür stand auch ein Team an Krisenhelfern bereit.
 

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