Konstanz – Das Festzelt Paulanerhalle ist abgedunkelt, leise erklingt das Thema des Kinofilms „Fluch der Karibik“. Die Melodie wird immer lauter, da betreten sechs Musiker die Bühne: Die Höhner, Inbegriff rheinischer Lebensart und Kölner Kultband, beginnen ihren Auftritt auf dem Konstanzer Oktoberfest als „Festpiraten“, wie sie singen.
Das ist der Moment von Claudia Baumann. Die gebürtige Bonnerin im grün-roten Dirndl steht ganz vorne an der Bühne und singt gleich mit. Ihrer Freundin scheint so viel Enthusiasmus fast ein wenig peinlich zu sein. Seit fünf Jahren lebt Baumann in Konstanz. Auf die Frage, wer ihr Lieblingshöhner sei, antwortet sie mit schmachtendem Blick: „Der Henning“.
„Der Henning“ ist Henning Krautmacher, Frontmann der Band. Der braunhaarige „kölsche Jong“ mit dem markanten Zwirbelschnauzbart verkündet nach zwei Liedern: „Wir fühlen uns hier in Konstanz gut.“ Dabei spricht er Konstanz ganz badisch Konschtanz aus.
Auch das Publikum scheint sich bei der Band gut zu fühlen: Rund 5000 Gäste sind in die Paulanerhalle gekommen. Doch nicht nur Exil-Rheinländer wie Claudia Baumann freuen sich über die Musiker aus der fernen Stadt am Rhein. „Ich werde meine Freundin am 11.11. in Köln heiraten, aber früh um 8.30 Uhr, damit wir pünktlich um 11.11 Uhr Karneval feiern können“, verkündet Peter Winzenburg. Er ist Stockacher, steht auf einem Lautsprecher an der Bühne und singt jedes Lied mit, das „der Henning“ anstimmt. Aber nicht nur bekannte Hits stehen auf dem Programm. Das Lied „Sechs bis acht Stunden Schlaf“, feiert sogar Premiere in Konstanz.
Peter Winzenburg hat dennoch einen musikalischen Favorit: „Schenk mir heut Nacht dein ganzes Herz“. Das Lied handelt von dem Brauch, dass Verliebte Vorhängeschlösser mit ihren eingravierten Namen an eine Kölner Brücke ketten. „Das haben meine Freundin und ich auch schon gemacht“, sagt Winzenburg und grinst. Die sechs Höhner verschenken zu dem Lied „ihre“ Herzen ans Publikum, dutzende rote Plastikherzen mit dem Bandlogo landen im Publikum. Eine junge Dame im rosa Dirndl fängt ein Herz und wirft Gitarrist Jens Streifling verliebte Blicke zu. Eine nicht ungewöhnliche Szene wie Henning Krautmacher erklärt: „Jens ist unser Frauenschwarm.“
Das Programm neigt sich langsam dem Ende zu, doch wo bleibt die Höhner-Hymne „Viva Colonia“? Sie kommt, als vorletztes Lied und mit neuem Text: „Viva Constantia“ steht auf dem Schild, das Henning Krautmacher in die Höhe hält. Der letzte Titel des Abends klingt wie ein Versprechen an die Höhner-Fans vom Bodensee: „Wir werden uns wiedersehen“, singen die Kölner, verneigen sich und verlassen die Bühne.
Tausende Besucher strömen jedes Jahr zum Oktoberfest Konstanz, einem der größten Volksfeste am Bodensee. Mit dabei sind in diesem Jahr unter anderem die Hotzenplotzer Musikanten, die Münchner Zwietracht, die Froschenkapelle Radolfzell, die Geschwister Hofmann, Allgäu Power, die Kultband Höhner, die Kastelruther Spatzen, Mickie Krause und Tim Toupet.
