Konstanz – Chaos bei der Ankunft: Die ersten vier Vereine hätten schon längst ihre Quartiere beziehen sollen, doch stattdessen steht das Empfangskomitee um Nadine Balan und Vera Antritter vom Fanfarenzug Konstanzer Frichtle allein auf dem Schulhof des Ellenrieder Gymnasiums und wartet auf die Fanfarenzüge. Dass hier demnächst 250 Spielmänner aufschlagen werden, ist noch kaum vorstellbar, doch die Ruhe trügt. Die Vereine aus Ravensburg, Blaubeuren oder Villingen stehen allesamt im Stau. Nadine Balan: „Das wird knapp, um 15 Uhr soll der Umzug beginnen.“
Der Fanfarenzug Konstanzer Frichtle ist Gastgeber des diesjährigen Landesverbandstreffen der Spielmanns- und Fanfarenzüge mit insgesamt 1300 Teilnehmern. An zwei Tagen sind Umzüge, ein Sternenmarsch, die Standartenübergabe, ein Festgottesdienst und Wertungsspiele geplant – ein straffes Programm für alle Teilnehmer. 15 Vereine haben sich deshalb entschieden in Konstanz zu übernachten. Als gastgebender Verein ist der Konstanzer Frichtle für die Übernachtung zuständig. „Das Ellenrieder Gymnasium hat sich dafür angeboten, da wir ursprünglich aus dieser Schule entstanden sind und eine gute Zusammenarbeit haben“, erklärt die Organisatorin.
Schließlich kommen dann auch die ersten Teilnehmer. Der Spielmannszug Tiengen rückt mit gerade einmal zehn Personen an, viele müssten arbeiten, erklärt Aaron Gut. Nadine zeigt den Tiengenern zügig ihre Unterkunft, denn draußen warten schon die nächsten. Der Sicherheitsdienst um Mario Meyer ist bereit und möchte eingewiesen werden. Nadine zeigt ihnen Klassenzimmer, Turn- und Sporthalle, als das Handy wieder klingelt: der nächste Zug steht vor der Tür. Nadine eilt zurück zum Schulhof, sieht die Neuankömmlinge jedoch nicht sofort. Verwirrt stellt sie fest, dass der Trommler und Pfeifercorps Mühlacker die falsche Einfahrt genommen hat: „Ihr steht auf der Baustelle, da vorne müsst ihr durch“, lacht sie und zeigt ihnen die richtige Einfahrt.
Nun kommen sie alle auf einmal, zu Fuß, mit Bussen und Transportern. Hektisch verteilen die Bärenführer die pinken Armbänder, damit die Teilnehmer von der Security in die Schule gelassen werden. „Bekommen die, die im Hotel schlafen, auch welche?“, fragt eine Teilnehmerin, muss aber erst einmal ahnungslos verbleiben. Schulhof, Klassenzimmer und Sporthallen füllen sich. Nach und nach rücken die Spielmänner auf dem Schulhof an und der Umzug kann wie geplant stattfinden. Danach wird gemeinsam auf dem Oktoberfest angestoßen und gefeiert, viele verdrängen noch den Gedanken an das Massenquartier, Schnarcher, Toilettengänger und Zuspätkommer.
Am nächsten Morgen sind die Augen denkbar klein. Einige schnarchen noch auf ihren Luftmatratzen, Iso- und Bodenturnmatten, andere versuchen unter einer kalten Dusche wach zu werden. Bei Brötchen und Kaffee werden dann die Erfahrungen der letzten Nacht ausgetauscht. „Es war wahnsinnig warm und laut“, erzählt Klaus Koke vom Musikzug TG Schwenningen. „Und stickig. Ständig sind Leute gekommen und direkt an unserem Schlafplatz vorbeigegangen“, fügt Tochter Sandra hinzu. Auch die Schnarcher hätten für eine schlaflose Nacht gesorgt. Koke: „Ich denke, ich habe rund drei bis vier Stunden wirklich geschlafen.“
Für alle war es eine kurze Nacht. Der Kaffee wird Manuela Grägel und Sandra Ellegast vom Konstanzer Verein beim Frühstück aus den Händen gerissen. Dennoch nutzen die Fanfarenzüge die Massenquartiere zum Landesverbandstreffen jedes Jahr aufs Neue. Klaus Koke: „Das Gemeinschaftsgefühl und der Zusammenhalt werden gestärkt. Und es bringt auch Spaß.“
Oktoberfest-TV 2011 (1) - Vor dem Start
Oktoberfest-TV 2011 (2) - Umzug und Fassanstich
Oktoberfest-TV 2011 (3) - Bodensee-Lederhose
Oktoberfest-TV 2011 (4) - Fanfarenzug| Bildergalerie
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Tausende Besucher strömen jedes Jahr zum Oktoberfest Konstanz, einem der größten Volksfeste am Bodensee. Mit dabei sind in diesem Jahr unter anderem die Hotzenplotzer Musikanten, die Münchner Zwietracht, die Froschenkapelle Radolfzell, die Geschwister Hofmann, Allgäu Power, die Kultband Höhner, die Kastelruther Spatzen, Mickie Krause und Tim Toupet.
