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Adel verpflichtet

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Hausherr und immer wieder Bauherr: Bernhard von Baden sieht sich als Sachwalter des kulturellen Erbes von Schloss Salem. Bilder: Baur, dpa

Im Treppenhaus riecht es nach frisch gesägtem Holz. Vor dem Büro von Bernhard Erbprinz von Baden, im alten Rentamt, werkelt ein Elektriker. "Ich hätte ja auch alle Arbeiten einstellen lassen können, solange ich nicht weiß, ob ich auf den Kosten sitzen bleibe", sagt der Prinz. Doch wie seit fast zehn Jahren wird im Schloss Salem auch heute repariert, renoviert und restauriert. Seit der älteste Sohn des Markgrafen Mitte der 90-er Jahre die wirtschaftliche Leitung des badischen Hauses übernommen hat, wurde die 25 Hektar große Anlage umfassend hergerichtet.

Das ehemalige Zisterzienserkloster erstrahlt wieder in barockem Glanz, das gotische Münster in seiner Mitte, nach Ulm und Freiburg das drittgrößte in Baden-Württemberg, wurde über vier Jahre zusammen mit dem Landesdenkmalamt restauriert. Die Endabrechnung weist aus, dass das Haus Baden von den 3,5 Millionen Euro Gesamtkosten 1,5 Millionen Euro aus der eigenen Kasse bezahlte.

"Insgesamt haben wir für die Grunderneuerung der historischen Substanz der Anlage 30 Millionen Euro eigene Mittel aufgewendet, deshalb steht alles so perfekt da", erklärt Prinz Bernhard. Die Altschulden, um die es im Handel mit dem Land Baden-Württemberg geht, hätten weder etwas "mit unseren Unternehmungen noch mit einem zu üppigen Lebenswandel zu tun". Dies Politik und Öffentlichkeit zu verdeutlichen, ist ihm in diesen Tagen nach Wochen der "Fehlinformation und Polemik" dringendes Anliegen.

"Wenn wir vor zehn Jahren gekommen wären, direkt nach unserer großen Auktion in Baden-Baden und das Land erst einmal hätte 30 Millionen Euro reinstecken müssen, das hätte doch keiner verstanden", meint Prinz Bernhard, deshalb habe die Familie das Kulturdenkmal "auf ihr Risiko" hergerichtet. "Uns war klar, dass wir eine ,Ruine' nicht in eine tragfähige Zukunftsstruktur überführen können", führt der Hausherr aus.

Sogar die SPD ließ sich kurz vor der Landtagsdebatte über den Baden-Deal von den Tatsachen beeindrucken. Nachdem Norbert Zeller, der Abgeordnete des Wahlkreises Bodensee, in dem das Schloss liegt, sich zusammen mit der kulturpolitischen Sprecherin Helen Heberer und Fraktionsvize Nils Schmid durch Gebäudekomplex und Park hatte führen lassen, gingen die Sozialdemokraten mit einem "guten Eindruck davon, dass die markgräfliche Familie Wert auf den Erhalt des Kulturdenkmals legt" (Zeller). Und Schmid, auch finanzpolitischer Fraktionssprecher, redete davon, es sei eine "gewisse finanzielle Verantwortung des Landes" gefordert: "Wir wurden überzeugt, was die Bedeutung von Salem angeht und dass es gilt, eine Lösung zu finden."

Der Prinz punktete als seriöser Kaufmann in den letzten Wochen stets, wenn er seinen Gästen zu bedenken gab: "Salem ist kein Landsitz, nicht unser Familienschloss, sondern eine öffentliche Anlage, die die Markgrafen für das Gemeinwohl erhalten haben." Tatsächlich präsentieren sich die alten Räume der Salemer Äbte auch heute noch, nach 200 Jahren, weitgehend unverändert. 1806 sei das Haus Baden bewusst in einen anderen Trakt gezogen, in diesem Privatflügel leben heute Markgraf Max mit Markgräfin Valerie und deren jüngster Sohn Prinz Michael. Erbprinz Bernhard bewohnt mit seiner Familie ein altes Landhaus, wenige Kilometer entfernt.

Parallel zur Restaurierung sei für das Kulturdenkmal ein "ausgewogenes Nutzungskonzept" entwickelt worden. Mit der berühmten Internatsschule ist ein 99-jähriger Mietvertrag abgeschlossen. Das Schloss wurde zum kulturellen und touristischen Mittelpunkt der Region. "Wir locken 130000 Besucher im Jahr an." Dabei sei Schloss Salem zu jedem Zeitpunkt offen gewesen, erinnert Prinz Bernhard. Das ginge auch gar nicht anders, denn hier leben und arbeiten 450 Personen. Nicht nur jene 250 Schüler und 50 Lehrer der Schule. Im Schloss finden Bürger und Besucher neben Gastronomie auch Arzt, Apotheke, Kunsthandwerker, Glasbläser, EDV-Firmen und Holzkünstler.

Gerüchten, jene 30 Millionen Euro Schulden hätten etwas mit den Firmen des Hauses Baden zu tun, tritt deren Chef vehement entgegen: "Wir sind ein topp organisiertes und zukunftsorientiertes Wirtschaftsunternehmen mit 120 Angestellten."

Die andere Seite, der "Kulturbetrieb Schloss Salem" aber sei "einfach nicht kostendeckend zu betreiben". Die Gesamteinnahmen aus Miete, Pacht und Tourismus und die Eintritte deckten genau die laufenden Kosten. "Das ist bei den wenigsten Schlössern so." Durch diese Einnahmen noch Instandhaltung und Sanierung der Denkmalsubstanz abzudecken, das sei einfach "utopisch", erläutert der Prinz die jährlich 1,5 Millionen Euro, die fortan die Landesstiftung Baden-Württemberg tragen soll.

"Dass die Bürger uns über den Staatssäckel finanzieren sollen", stimme einfach nicht, will der Prinz diese Sichtweise korrigieren: "Wir setzen unser Vermögen, unser Eigentum in eine gemeinnützige Salemer Kulturstiftung ein. Der Markgraf gibt sein Heim und viele Millionen Euro in Form von Kulturgütern in Sammlungen und Bibliotheken." Die Eigentumsrechte an Kunstgegenständen und Handschriften bezweifelt aber nicht nur die SPD, die es gerne auf eine prozessuale Klärung ankommen ließe? "Wir haben da ein ganz starkes Recht, in 200 Jahren haben das Generationen von Juristen auf meiner und auch auf Landesseite überprüft - daran ändert auch der einzelne Aufsatz eines Heidelberger Professors nichts."

Und was sagt Prinz Bernhard zu den Vorwürfen wegen des geplanten Verkaufs jener Handschriften, der weltweit für Aufregung sorgte? "Ich kann zur Lösung unserer Probleme nur auf unser Eigentum zurückgreifen." Als Bürger respektiere er die Entscheidungen der Politik. "Wenn die Landesregierung keine neuen Schulden aufnehmen will, werde ich ihr nicht in den Rücken fallen und sagen, ihr dürft bestimmte Sachen nicht verkaufen."

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Autor: MARTIN BAUR
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