NewsAttac verteilt 150.000 gefälschte „Zeit“-Ausgaben [0]
Nach Angaben des Verbandes wurden bundesweit 150.000 Exemplare an Passanten ausgeteilt und in Cafés und Kneipen ausgelegt. Gleichzeitig nahm Attac eine Internetseite in Betrieb, die „Zeit Online“ ebenfalls optisch bis ins Detail glich.
„Zeit Online“-Chefredakteur Wolfgang Blau schrieb am Samstag auf Zeit.de zu seinen Lesern: „Wir sind beeindruckt von der Qualität der Kopien.“ Die Chefredaktionen und Geschäftsführungen sowohl der Online- als auch der Printausgabe der „Zeit“ haben laut Blau nicht im Vorfeld von der Attac-Aktion gewusst. Er wies zudem darauf hin, dass sich die „Zeit“ durchaus mit den Themen befasse, die Attac in der gefälschten Ausgabe präsentiert habe. Zu dem indirekten Vorwurf Attacs, die „Zeit“-Chefredaktion sei Teil der Mächtigen, äußerte er sich jedoch nicht. Allerdings schrieb Blau zur grundsätzlichen Haltung der „Zeit“ bei den Themen, die den Globalisierungskritikern wichtig sind: „Wir hoffen, dass die globale Finanzkrise zum Entstehen einer nachhaltig orientierten, umweltfreundlicheren Marktwirtschaft führen kann.“ Eine Sprecherin der „Zeit“ hatte dem epd am Samstag gesagt, ihr Verlag erwäge keine rechtlichen Schritte gegen Attac. „Eine Fälschung der Zeit - print wie online - können wir natürlich niemals billigen, insbesondere nicht in dieser guten Qualität.“ Wie das ZDF berichtete, äußerte sich der Chefredakteur der echten „Zeit“, Giovanni di Lorenzo, „völlig überrascht und leicht schockiert“. Er wisse gar nicht, wie er auf die Aktion reagieren solle, hieß es. Dass Attac ausgerechnet die „Zeit“ für ihre Aktion ausgewählt habe, führte die Verlagssprecherin auf die hohe Auflage der Wochenzeitung zurück. „Es gibt schließlich keine größere überregionale Qualitätszeitung“, erklärte die Sprecherin. Die Auflage der „Zeit“ lag nach jüngster Zählung zuletzt bei mehr als einer halben Million Exemplaren und erreichte damit einen Höchststand in der Geschichte des Blattes. Die acht Seiten umfassende Printausgabe, die im Internet zum Download bereitstand, ist auf den 1. Mai 2010 datiert. Nach Attac-Angaben soll sie zudem am Montag der Tageszeitung „taz“ beiliegen. Die Artikel beschrieben eine Welt, in der sich Globalisierungskritiker durchgesetzt haben. Unter der Titelschlagzeile „Am Ende des Tunnels“ hieß es: „Klimasünder werden zur Kasse gebeten, Finanzmarktregulierungen greifen, globale Strukturen werden neu gestaltet.“ In einem Editorial, das den Lesern vormachen sollte, sie würden ein Vorwort der echten „Zeit“-Chefredaktion lesen, ging Attac zudem indirekt mit den Machern der Originalzeitung ins Gericht. Dort stand: „Wir haben uns doch mehr als Teil der Macht verstanden denn als ihr kritischer Gegenpart. (...) Unsere Aufgabe als Journalist besteht nicht darin, mit am Tisch zu sitzen, sondern zu berichten und kritische Fragen zu stellen.“ Vorlage der gefälschten „Zeit“ dürfte ein Plagiat der „New York Times“ gewesen sein, das im November 2008 in New York verteilt wurde. Darin wurde das Ende des Irak-Krieges und die Schließung des US-Lagers in Guantánamo vermeldet, um an das Bewusstsein der Bürger zu appellieren.
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