Der große Bluffer [0]
Pokern ist in den USA längst hoffähig und findet auch in Europa immer mehr Anhänger. Im Internet wird schon rund um die Uhr gespielt. Deutschlands erfolgreichster Poker-Profi Eduard "Eddy" Scharf sagt, dass Pokern mit Glück überhaupt nichts zu tun habe.
Das berühmte Pokerface: Deutschlands bester Spieler Eduard "Eddy" Scharf beherrscht es perfekt.
Big Blinds, Bluffs, Flops - die Liste kann noch lange fortgeführt werden. Eines haben alle Begriffe gemeinsam: es geht um Poker. Das Kartenspiel wurde lange als anrüchig angesehen. Oft verhalfen Falschspieler, die mit gezinkten Karten agierten, dem Spiel zu einem schlechten Ruf. Als "reines Glücksspiel" verschrien, entdeckten Profispieler aber sehr früh, dass es beim Pokern auch eine sehr große strategische und psychologische Komponente gibt. Einer, der das Pokerspiel bestens beherrscht, ist Eduard "Eddy" Scharf. Als einziger Deutscher hat er bereits zweimal ein World-League-of-Poker-Event gewonnen. Er spielt seit 17 Jahren und hat in dieser Zeit ein Preisgeld von etwa einer Million Dollar eingesteckt. Noch ein Jahr ist der Kölner hauptberuflich als Pilot im Einsatz. Dann will er sich ganz dem Pokern widmen. Während seiner Ausbildung in der Pilotenschule in Phoenix kam der 53-Jährige zum ersten Mal mit dem Kartenspiel in Kontakt. "Wir fuhren damals ab und zu nach Las Vegas", erinnert er sich. Seitdem ist er von dem Spiel fasziniert. "Das Herzstück beim Pokern ist das Bluffen", beschreibt er seine Faszination. Aber auch Menschenkenntnis sei gefragt. "Man liest Menschen", sagt Scharf. "Zudem lernt man sich selbst kennen, wie man es manchmal gar nicht möchte." Nur kalkulierbare Risiken Für viele hat Poker immer noch viel mit Glück zu tun. Scharf hat da eine ganz andere Meinung: "Kurzfristig hat das Spiel sicher mit Glück zu tun. Langfristig aber überhaupt nicht." Man könne schon über einen gewissen Zeitraum Pech haben, wenn man gut spiele. Aber auf Dauer eben nicht. "Das ist eine mathematische Sache", sagt der Kölner mit einem Grinsen. Sein Erfolg gibt ihm Recht. Er hat auch ein praktisches Beispiel parat: "Wenn es von 365 Tagen insgesamt 100 Tage regnet, kann es täglich regnen. Allerdings ist das dann Pech. Aber auf Dauer wird es nicht regnen." So soll es auch bei Poker sein. "Je länger der Zeitraum des Spiels ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Bessere gewinnt", erklärt der 53-jährige Pokerspieler. Scharf wirkt in Interviews sehr ruhig, gibt klare Sätze von sich und wirkt absolut selbstsicher. Er spricht nicht nur von seiner Meinung und Einstellung, sondern verkauft sich dabei äußerst überzeugend: Ein ganzer Pokerprofi eben. Über sein Naturell sagt er selbst: "Ich bin sehr kontrolliert und gehe nur kalkulierbare Risiken ein. Ich bin nicht der Typ, der die ganze Existenz auf eine Karte setzt." Einen Tipp hat Eduard Scharf für ambitionierte Spieler: "Solange man glaubt, Poker sei ein Glückspiel, ist man auf dem falschen Dampfer." Neben Üben und Lernen stehe eines ganz besonders im Vordergrund: "Jeder muss die Verantwortung für sein eigenes Spiel übernehmen." Mehr Infos, ein Gewinnspiel und ein Video-Interview mit Eduard Scharf finden Sie hier Weitere Artikel zu: |



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