KulturJochen Kelter über die baden-württembergischen Literaturtage in Konstanz [1]
Kultur, Literaturtage Guter Wille reicht nicht Es stimmt schon, was Michael Lünstroth in dieser Zeitung geschrieben hat: Die baden-württembergischen Literaturtage in Konstanz, die heute enden, haben nie richtig abgehoben und Fahrt aufgenommen. Eigentlich hätten sie im Stadtbild unübersehbar sein müssen, in Form von Transparenten, Tafeln, Figuren oder was man sich sonst an Hinweisen vorstellen mag. In anderen Städten, in denen ich zum nämlichen Anlass zu Gast gewesen bin, war das so. In Konstanz musste man schon eine Buchhandlung betreten und dann noch das nicht gerade glücklich gestaltete Plakat entdecken, um zu merken, dass hier während drei Wochen gerade die größte Literaturveranstaltung des Südwestens stattfand. In Kreuzlingen fehlten selbst diese Plakate, und die vier Veranstaltungsorte auf der anderen Seite der Grenze sind auf dem Lageplan im Programmheft gar nicht erst aufgeführt. Das soll „grenzenlos“ sein? Die „Lounge“ im Kulturzentrum hat als Treffpunkt nicht funktioniert, besser hätte man wohl ein Altstadtlokal ausgesucht und Zeiten festgelegt, zu denen sich Autoren untereinander und mit Interessierten hätten treffen können. Und der krampfhaften Originalität zuliebe lagen die Lesungsorte weit auseinander und waren zu dezentral, um die für Literaturtage nötige Atmosphäre zu schaffen. Es fehlte sicher nicht am guten Willen der Veranstalter, wohl aber an Professionalität und am Geld – Konstanz hatte einen im Vergleich zu anderen, auch kleineren Städten, eher kargen Etat für das Festival bereitgestellt. Mit mehr Geld und Knowhow hätte man mehr und bessere Werbung machen können. Mit größerer Professionalität hätte sich so manche Panne und Peinlichkeit vermeiden lassen, über die ich, von der Eröffnungsveranstaltung über die Lesung von Martin Walser und den zum Teil blamablen Besucherzahlen bis zu plötzlich veränderten Veranstaltungsorten, gelesen habe oder die mir zugetragen worden sind. Aber ich will mich nur an das halten, was ich mit Sicherheit weiß, an meine eigene Lesung. Die fand laut Lageplan im Rosgartenmuseum, laut Programm und in Wirklichkeit in der Dreifaltigkeitskirche statt. Monate zuvor hatte ich aus dem Kulturbüro eine Mail bekommen, in der ich gefragt wurde, ob ich meinen Vertrag mit der Stadt selbst aufsetzen wolle. Wochen später eine erneute Mail, in der mir Zugfahrpläne und Wegbeschreibungen angeboten wurden. Verfasser waren wohl beides Mal Praktikanten/innen, die nicht wussten, dass das schweizerische Ermatingen nur ungefähr 10 Kilometer von Konstanz entfernt liegt und dass sich Autoren ihre Engagementsverträge in aller Regel nicht selbst aufsetzen. Zur Lesung selbst um 18 Uhr, einer ziemlich verwegenen Uhrzeit für Werktätige an einem Wochentag in einer nicht gerade heimelig geheizten Kirche, kamen zu meiner Überraschung dann doch recht zahlreiche Zuhörer. Das Honorar, das mir laut Vertrag nach der Lesung ausbezahlt werden wollte, lag nicht bereit und wurde mir später per Kurier und in kleinen Scheinen in eine Weinstube geliefert. Mein Moderator allerdings ging leer aus und muss auf sein Honorar jetzt noch ein Weilchen warten. Die Anthologie im Frauenfelder Waldgut Verlag mit Texten der aufgetretenen Autoren, die das Programmheft ankündigt, gibt es bislang nicht und wird es wohl nie geben, kein Autor, den ich kenne, ist um einen Text angefragt worden. Die dort ebenfalls vorangekündete Schwerpunktausgabe zur Bodensee-Region der Literaturzeitschrift „Allmende“ wird am 3. Dezember in Konstanz vorgestellt – einen Monat nach dem Ende der Literaturtage. Das alles ist eigentlich nur peinlich und reiht sich nahtlos in die Konstanzer Kulturpolitik ein – ein Trost ist dies indessen nicht. Jochen Kelter Weitere Artikel zu: "An gutem Willen hat es in Konstanz nicht gefehlt", "aber das reicht nicht", "um eine Veranstaltung wie die baden württembergischen Literaturtage zum Erfolg zu machen", |


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Es gab genügend gute Veranstaltungen, trotz einer nicht üppig ausgestatteten Organisation. Frau Braumann und ihre HelferInnen verdienen Dank,für immensen Einsatz und gelungene Experimente.
Wenn Kelter uns andeuten will, dass seine Lesung später am Abend besser besucht gewesen wäre, dann widerspricht das einigen Erinnerungen in der Region, es finden ja nicht selten Lyriklesungen statt. Und wenn sich Menschen, die bei ihren biographischen Angaben gern mit zwei Wohnsitzen prunken, um die "Werktätigen" sorgen, klingt das sowieso komisch. Angelika Overaths Lesung z. B. war um 17 Uhr, noch dazu am Flugplatz: Sie hat sich über die Organisation schlicht begeistert geäußert und musste viele Bücher signieren.
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