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Politik

Ein falscher Krieg

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Nach dem sowjetischen Überfall auf Afghanistan vor 29 Jahren war ich oft in dem gequälten Land am Hindukusch. Ich kenne das unendliche Leid, das Eroberer aus Ost und West seit Jahrtausenden über seine Menschen gebracht haben.

Damals in den 80er Jahren forderte ich zusammen mit der CDU/CSU-Fraktion, die Sowjets sollten endlich die blutige Besetzung Afghanistans beenden. Nie hätte ich gedacht, dass eines Tages eine deutsche Regierung die Bundeswehr in einen Krieg schicken würde, in dem afghanische Dörfer, Hochzeiten und Trauerfeiern bombardiert werden – wie einst unter den Sowjets. Ich habe eines dieser Massaker, bei dem 90 Zivilisten getötet wurden, 2008 in Afghanistan selbst recherchiert.

Ich schäme mich für diesen Krieg. Er war von Anfang an falsch. Ich kann das Entsetzen der Amerikaner nach 9/11 gut verstehen. Aber durfte man ein ganzes Land mit Krieg überziehen, weil in seinen Bergen ausländische Terroristen hausten? Weder Bin Ladens Kern-Mannschaft noch die Attentäter des 11. September stammten aus Afghanistan. Sie kamen aus Saudi-Arabien, Ägypten – und aus Hamburg. Die afghanische Bevölkerung wollte mit Al-Kaida nie etwas zu tun haben. Sie hatte Bin Laden und die Taliban nicht in ihr Land eingeladen. Beide waren Produkte des pakistanischen, saudischen und der CIA.

 

Inzwischen ist dieser groteske Krieg noch unsinniger geworden. Bin Laden spielt im globalen Terrorismus keine operative Rolle mehr. Das sagen nicht nur westliche Geheimdienste, sondern auch der Chef des US-Zentralkommandos, General Petraeus. Die großen Trainingslager von Al-Kaida sind selbst laut George W. Bush seit Anfang 2002 zerstört. Afghanistan ist nicht mehr Zentrum des globalen Terrorismus – der hat sich längst dezentralisiert. Die Terroristen, die uns bedrohen, sitzen mitten unter uns – in New York, London, Madrid, Berlin. Mit jedem muslimischen Kind, das durch westliche Waffen stirbt, wächst ihre Zahl.

Die Bundeswehr bekämpft in Afghanistan nicht den globalen Terrorismus, sondern einen nationalen Aufstand gegen die westlichen Besatzer. Dieser blutige Einsatz erhöht die Sicherheit Deutschlands nicht, er gefährdet sie. Er ist ein Terrorzuchtprogramm. Jeder Kriegstag in Afghanistan erhöht die Terrorgefahr in Deutschland. Wer das Gegenteil behauptet, täuscht unsere Bevölkerung und unsere Soldaten. Die sterben in Afghanistan einen sinnlosen Tod. Der Bundesverteidigungsminister weiß das.

Wir brauchen eine glaubwürdige Ausstiegsstrategie, die die mörderischen US-Bombardements sofort stoppt und den Nato-Einsatz in zwei bis drei Jahren beendet. Bis dahin sollte die Nato die afghanischen Sicherheitskräfte massiv stärken, einen Verhandlungsprozess anstoßen, der alle Aufständischen einschließt, das Land wieder aufbauen und vor allem mit Anstand schrittweise abziehen.

Nato und Bundeswehr haben in Afghanistan nichts verloren.

Jürgen Todenhöfer, 68, war früher CDU-Politiker und arbeitet heute als freier Autor.

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Autor: jürgen todenhöfer
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