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28.10.2008  .

Statistisches Jahrbuch: Das ist typisch deutsch

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Das deutsche Muster-Ehepaar Müller lebt in Nordrhein-Westfalen, hat ein Kind und verfügt über ein Haushaltsnettoeinkommen von 2764 Euro im Monat.

Als wärs's ein Stück von mir: Der Deutschen Liebling ist der Schäferhund.

Das deutsche Muster-Ehepaar Müller lebt in Nordrhein-Westfalen, hat ein Kind und verfügt über ein Haushaltsnettoeinkommen von 2764 Euro im Monat. Hat es eine Tochter, heißt die Marie. Ist es ein Sohn, hört der auf den Namen Leon. 33 Prozent des Einkommens gibt die Familie fürs Wohnen aus, 14 Prozent für Lebensmittel. Sie haben mindestens ein Haustier, am beliebtesten ist der Deutsche Schäferhund. Die Müllers machen gern Urlaub und dann meistens in Bayern. Soll es wieder mal ins Ausland gehen, dann vorzugsweise nach Spanien oder Österreich. Dort sind auch die Schmidts, die Schneiders, die Krämers und die anderen Teutonen, man fühlt sich unter seinesgleichen.

Das soeben erschienene „Statistische Jahrbuch Deutschland 2008“ listet auf 734 Seiten auf, was typisch deutsch ist. Es entspricht im Wesentlichen dem gängigen Klischee – mit wenigen Überraschungen. Aber die haben es in sich. So ist es nicht verwunderlich, dass selbst in Zeiten der Finanzkrise der Deutsche weitgehend die Ruhe bewahrt. Er ist nämlich stolz darauf, ein Deutscher zu sein, grundsätzlich optimistisch und zufrieden mit dem politischen System seines Landes (79 Prozent). Wer bisher dachte, der Teutone sei ein rechter Griesgram, muss Abbitte leisten.

Schon eine „Spiegel“-Umfrage hatte kürzlich überraschend festgestellt, dass drei von vier Deutschen sich als gesellig, sportlich und hilfsbereit empfinden. Die Wiesbadener Experten bestätigen das: Die Vereine brummen, in punkto Ehrenamt wird ständig nachgelegt, aber die viel beschriebene zunehmende Individualisierung und damit einhergehende Vereinsamung ist eine Medienschimäre. Das erstaunt, hatte man es bisher doch ganz anders gehört: Bisher war immer von der Klage der Vereine die Rede, sie hätten keinen rechten Nachwuchs mehr (weil der sich lieber anderweitig betätigt), auch die Besetzung von Vorstandsämtern falle immer schwerer. Und nun dieser Befund, dazu noch statistisch untermauert.

Die Deutschen lachen viel zu gern, als dass sie sich in Krisen- und Single-Gram vergraben. Deshalb erhält eine Jahrmarktsfigur wie Atze Schröder den Deutschen Fernsehpreis, während ein Kritiker wie Marcel Reich-Ranicki am Ende leer ausgeht, weil er geschimpft und sich so aufgeregt hat, dass er am Ende nicht einmal den ihm zugedachten Preis annehmen wollte. Drei von vier Deutschen glauben in vollem Ernst, sie könnten einen ganzen Saal zum Lachen bringen. Ein Volk von Humoristen, wer hätte das gedacht.

Deutsche können noch viel mehr als Hochdeutsch: Sie halten sich selbst für besonders humorvoll, siehe Wilhelm Busch.
dpa
Im Detail: Von 82,2 Millionen Deutschen sind 41,95 Millionen weiblich und 40,28 Millionen männlich. Jeder Fünfte hat einen Migrationshintergrund, ist also zugewandert oder stammt von Zugewanderten ab, oft in dritter Generation. Auffällig: Nur 18 Prozent der Deutschen besitzen ein Abiturzeugnis, aber 21 Prozent der Nachfahren von Ausländern. Diese Diskrepanz wird so erklärt, dass es in nahezu allen Bundesländern viele Migranten aus Osteuropa mit hohen Bildungsabschlüssen gibt. Sie verfügen damit über ein höheres Bildungsniveau als zum Beispiel Zuwanderer aus der Türkei.

Frau Müller war bei der Geburt ihrer Tochter 31 Jahre alt, vor den Standesbeamten trat sie mit 29,4 Jahren. Sie arbeitet Teilzeit und hat BH-Größe 80C. Wie mittlerweile im Großteil der europäischen Länder sind es hauptsächlich die Mütter, die das Kinderkriegen immer weiter hinaus schieben, während die Lebenserwartung stetig steigt (Frauen: 82, Männer 77 Jahre). Traditionelle Familienformen zerbröckeln auf breiter Front. Die Zahl der Alleinerziehenden ist seit 1996 von rund 2,2 Millionen auf 2,7 Millionen angewachsen; mehr als 90 Prozent davon sind Frauen.

Die durchschnittliche BH-Größe beträgt 80C.
Herr Müller ist auf 178 Zentimeter hinaufgewachsen, trägt Schuhe der Größe 44, trinkt 108 Liter Bier im Jahr, isst am liebsten Fleisch und Wurst vom Schwein und hat eine Penislänge von 14,48 Zentimeter, allerdings im erigierten Zustand. Spätestens hier stutzt man und fragt sich: Wie haben die Statistiker das ermittelt? Schätzung? Oder Nachfrage beim Facharzt?

Das jährlich veröffentlichte Statistische Jahrbuch wertet „aggregierte“, also kompakt zusammengefasste Daten des Vorjahrs aus, diesmal von 2007. Neben den Basisinformationen Wohnbevölkerung, Erwerbstätigkeit, Bildungs- und Gesundheitszustand sowie Reiseverhalten werden auch die „weichen“ Kennziffern mit aufgenommen. Sie entstehen aus Befragungen, die dauernd von Instituten abgehalten werden, und auch vom Statistischen Bundesamt selbst. So entsteht ein Profil des Deutschen.

Es sagt nicht alles aus über sie, aber doch viel. Zahlen teilen nichts über Gefühle mit, aber über Absichten und vor allem Konsumgewohnheiten: Wann schaltet der Mensch seinen Fernseher ein, wann und warum genehmigt er sich sein erstes Bierchen (oder ist er nicht schon längst auf Roibusch-Tee umgestiegen?), wie viel trinkt er davon? Vor allem im Bereich der nackten Zahlen ist das Jahrbuch sehr aussagekräftig, es listet Quantitäten in nüchterner Art und Weise auf. Man kann Zahlen studieren, die durchaus sprechen.

Der Medienkonsum der Menschen zwischen Rügen und Berchtesgaden lässt tief blicken: 13,14 Stunden verbringt der gewöhnliche Deutsche pro Woche vor dem Fernseher, nur 4,21 Minuten liest er täglich – eine unfassbare Zahl für das einstige Volk der Dichter, Denker und Romantiker. Der Wohlstand ist flächendeckend verbreitet: 77 Prozent der Haushalte verfügen über mindestens ein Auto, das im Schnitt sechs Jahre alt ist. Pro Haushalt gibt es 2,6 Telefone, Handys mit einberechnet. Der Trend zum Zweit- und Dritt-Handy hält an. Offenbar ist das Gerät nicht mehr Luxus und Liebhaberei, sondern ein Mehrfachprodukt: eines fürs Geschäft, eines fürs Private.

Neu ist, dass die Generation der 50- bis 70-Jährigen es ganz überwiegend entschieden ablehnt, zum alten Eisen gezählt zu werden. Mit 22 Millionen Vertretern ist sie die größte Einzelgruppe und stellt 45 Prozent der Wähler. Das bedeutet: Stimmmacht wie keine andere Bevölkerungsgruppe. Die Silberhaarigen horten das größte Vermögen, können sich am meisten leisten und sind auch großteils daran interessiert, eine gute Zeit zu haben. Nur an den Langzeitarbeitslosen geht dieser Trend völlig vorbei.

Bekannter ist die Tatsache, dass sie einiges Bier vertragen: 108 Liter pro Jahr – im Mittelmaß.
Interessant dabei: Die Älteren, die beileibe keine Alten sein wollen und auch nicht mit dem Stigma „Senioren“ belegt werden möchten, geben zum Teil an – wie eine Studie der Universität Osnabrück zutage förderte – dass ihr Glücksempfinden nicht vorrangig durch äußere, etwa konjunkturelle und politische Umstände, sondern viel stärker durch private Ereignisse und persönliche Entwicklungen ausgelöst werde. Auch das ist nicht neu, aber hier wird es prägnant dargestellt. Familiäre Vorfälle prägen einen Menschen mehr als der Einsturz des Bankenwesens.

Auch in der Politik ist diese Gruppe verrückt: Ältere Wähler stehen keineswegs mehr, wie Jahrzehnte zuvor, mehrheitlich rechts von der Mitte, sondern eher in der Mitte und sogar zunehmend links. Die CDU zum Beispiel, die seit Kurzem wieder über Neueintritte jubelt, könnte schon bald zum Opfer des demografischen Wandels werden. So ändern sich die Zeiten, und die Deutschen mit ihnen – zumindest ein bisschen.

Stimmen Sie ab: Erkennen Sie sich in dieser Statistik wieder?

www.suedkurier.de/umfrage

 

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KOMMENTARE [1]
szmtag
Es gibt

von gertie (911 Beiträge) 28.10.2008 15:03

schönere und intelligentere Hunde als den Deutschen Schäferhund, die Zeit fürs Lesen und fürs Fernsehen einfach umkehren und das Nettoeinkommen halbieren.
Dann würde es wohl einigermassen stimmen.

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