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LebenundWissen Mit dem Riesenteleskop auf der Suche nach Leben im All Leben im All

06.08.2010


Der Münchner Astrophysiker Jochen Liske, 39, von der Europäischen Südsternwarte ESO erklärt, was das neue Riesenteleskop der Europäer kann – und was nicht

Der Münchner Astrophysiker Jochen Liske, 39, von der Europäischen Südsternwarte ESO erklärt, was das neue Riesenteleskop der Europäer kann – und was nicht

Herr Liske, was ist denn das Besondere an dem neuen Riesen-Teleskop?

Die schiere Größe. Wir wollen ein Teleskop bauen, das einen Hauptspiegel mit einem Durchmesser von 42 Metern hat. Die größten Teleskope, die es jetzt gibt, haben zehn Meter, das sind die Keck-Teleskope auf Hawaii. Wir wollen jetzt diesen Riesensprung machen und eines bauen, das viermal so groß ist. In der Fläche ist es sogar 16-mal so groß.

Warum baut man große Teleskope?

Je größer mein Spiegel ist, je mehr Fläche ich habe, desto mehr Licht kann ich pro Sekunde einsammeln. Damit kann ich lichtschwächere Objekte sehen, die entweder weiter entfernt oder kleiner sind. Zum anderen hängt die Schärfe eines Bildes auch von der Größe des Teleskops ab. Je größer das Teleskop, desto schärfer die Bilder und umso mehr Details kann ich sehen, etwa in einer Galaxie. Umso besser kann ich auch zwei Objekte auseinanderhalten, die nah beieinander am Himmel stehen, etwa einen Planeten, der von der Erde gesehen nahe um einen Stern kreist.

Was kann das ELT, was andere Teleskope nicht können?

Weil das ELT schärfer sehen kann, will man damit auch Bilder von sogenannten extrasolaren Planeten machen. Das sind Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die um andere Sterne herumkreisen. In den letzten 15 Jahren haben wir über 400 von ihnen entdeckt. Mit dem E-ELT können wir hoffentlich direkte Spektren ihrer Atmosphäre aufnehmen. Das wird dann einfacher und weit detaillierter sein als das, was heute möglich ist, so dass wir vielleicht irgendwann ein Spektrum sehen, das auf Leben auf dem betreffenden Planeten hinweist. Wir suchen aber nicht nach grünen Männchen, sondern überhaupt nach irgendeiner Form von Leben.

Kann man mit dem E-ELT auch gefährliche Asteroiden aufspüren, die auf die Erde zukommen?

Dafür wäre das E-ELT nicht das geeignete Teleskop. Dafür muss man den ganzen Himmel kartografieren, am besten einmal pro Woche. Das amerikanische Projekt Pan-Starrs wird genau das tun. Da vergleicht man die Bilder, um zu sehen, ob da ein Objekt zu sehen ist, das in der Woche zuvor nicht da war. Aber dafür braucht man ein Teleskop, das einen großen Himmelsausschnitt anschauen kann. Je größer ein Teleskop ist, desto kleiner ist der Ausschnitt, den man damit beobachten kann.

Wie sehr stört Sie denn bei Ihrer Arbeit die Lichtverschmutzung?

Sehr. Das war auch der erste Grund, warum die Astronomen aus Nordeuropa verschwunden sind. In vielen Städten sind die historischen Observatorien mitten in der Stadt, etwa in Hamburg. Die neueren sind dann am Stadtrand, weil es in der Stadt zu hell wurde. Später sind die Astronomen dann auf die Berge gezogen. In Chile, wo wir bauen, sind wir mehr als hundert Kilometer weg von der nächsten menschlichen Siedlung. Aber man sieht auch dort noch den Lichtschimmer von Städten, etwa von der Stadt Concepcion. Es ist ein Problem, wenn eine Siedlung nahe dabei ist. Das betrifft aber nicht nur die optische Astronomie, sondern auch unsere Kollegen aus der Radioastronomie. Wir senden inzwischen so viele Funkwellen hin und her, dass das die Radioastronomie sehr beeinträchtigt. Satelliten sind ein großes Problem. Manche Moleküle können zum Beispiel gar nicht mehr beobachtet werden, weil die Frequenzbereiche kommerziell genutzt werden. Diese Frequenzbereiche werden international vergeben. Da erscheint ein großes Konsortium von Satellitenbetreibern, das ist millionenschwer, und dann kommen da ein paar Radioastronomen, die etwas dagegen haben. Die haben dann schlechte Karten.

Wie finanziert sich die ESO?

Die ESO ist eine internationale Organisation, die von 14 europäischen Mitgliedsländern getragen wird. Diese Mitgliedsländer finanzieren uns aus ihren Steuergeldern. Die Höhe des Mitgliedsbeitrags richtet sich nach der Wirtschaftskraft. Deutschland zahlt am meisten, hier direkt aus dem Ministerium für Bildung und Forschung.

Fragen: Beate Schierle

Das ganze Interview unter:

www.suedkurier.de/leben-wissen

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