Dieses Phantomgeräusch. Es rauscht, zischt, klopft, brummt und piepst – selbst in absoluter Stille. „Tinnitus ist heute ein zunehmendes Problem“, stellt Kundi fest. 15 bis 20 Prozent der Menschen sind ihm zufolge von dieser Wahrnehmungsstörung betroffen, in rund der Hälfte der Fälle ist diese chronisch – Tendenz steigend. Bei etwa zwei Prozent der Betroffenen ist deswegen die Lebensqualität empfindlich gestört.
Lärmschwerhörigkeit, Kreislaufstörungen, Schädel-Traumas oder Ohrerkrankungen steigern das Risiko, den Mann ins Ohr zu bekommen. Doch die wahre Ursache bleibt meist im Dunkeln. Kundi und seine Kollegen bringen nun eine neue Erklärung ins Spiel. Telefonieren mit dem Handy trage zumindest eine Mitschuld an der steigenden Zahl von Tinnitus-Geplagten, schreiben sie in der Zeitschrift „Occupational and Environmental Medicine“ – und berufen sich dabei auf eine kleine Studie. Sie untersuchten dafür 100 Patienten, die bereits länger als drei Monate lang an Tinnitus leiden, dessen Ursache ungeklärt ist. Diese verglichen sie mit 100 gesunden Menschen. Die Testpersonen mussten angeben, seit wann, wie intensiv und wo sie Mobiltelefone nutzten. Ergebnis: Bei intensiven Handy-nutzern steigt die Wahrscheinlichkeit, an dem Ohrenleiden zu erkranken, um 37 Prozent. Auch die Dauer des Handybesitzes zählt. Wer länger als vier Jahre ein Mobiltelefon nutzt, bei dem besteht eine doppelt so hohe Tinnitus-Gefahr.
