Internet Einsam ohne Facebook-Kontakt
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Eine Freundschaft zu beenden, stellt Austine Considine, Kolumnistin der angesehenen US-Tageszeitung New York Times fest, könne auf viele Arten geschehen: durch eine böse Konfrontation, ein höfliches „Ich glaube, das hat keinen Sinn mehr“ oder schlichtes Ausblenden: keine Rückrufe, keine Antwort mehr auf E-Mails. Und neuerdings gibt es eine moderne Form, denn nicht nur Freunde zu finden wird durch das Internet unkomplizierter, sondern auch, sie wieder loszuwerden: In Online-Netzwerken wie Facebook genügt ein Klick, um den Kontakt zu einer Person wieder abzubrechen.
Schnell da, schnell wieder weg! Der Ausdruck „Defriending“ (Entfreundung) für diesen Vorgang wurde deshalb gerade offiziell in das US-Wörterbuch „New Oxford American Dictionary“ aufgenommen, eine Art Duden. Zuvor wurde das Synonym „unfriend“ bereits zum Wort des Jahres 2009 gewählt.
Dahinter steckt ein ernsthaftes Problem, warnen Experten. Grund: Das Beenden einer Netz-Freundschaft verursacht häufig realen Stress. „Emotional kann es ähnlich sein, wie im echten Leben verlassen zu werden, weil es einseitig ist“, beschreibt etwa die Psychologin Irene Levine von der medizinischen Schule in New York. „Während die eine Seite vielleicht schon länger überlegt, den Kontakt abzubrechen, kommt es für die andere Seite völlig überraschend“, so Levine.
Das Fehlen von Körpersprache und die Unmittelbarkeit eines Klicks im Internet hat für sie so eine völlig neue Problemstellung geschaffen. „Im echten Leben enden Freundschaften auf natürlichem Weg: Man hört einfach auf sich zu sehen, bis sich beide kaum mehr erinnern, überhaupt befreundet gewesen zu sein.“ Auf Facebook dagegen ist die Person, die man kaum kennt oder mit der man nicht mehr zurecht kommt, ständig präsent. „Sie nimmt Platz auf der Webseite ein und hält dich in allen Details auf dem Laufenden.“
Auch Aram Sinnreich, Professor für Medien an der Rutgers University, sieht das Problem. In den vergangenen Jahren seien die virtuellen Freundschaften immer wichtiger geworden, deshalb würde auch das Entfreunden immer folgenschwerer. „Früher haben Nutzer die Freundschaften im Internet einfach nicht so ernst genommen. Mittlerweile sehen wir aber Studie für Studie, dass Menschen, die in sozialen Netzwerken Freunde verlieren, mit echten psychologischen Konsequenzen konfrontiert sind.“ Die Facebook-Betreiber versuchen das Problem mit einer zusätzlichen Funktion zu entschärfen: Mitteilungen ausgewählter Freunde können im eigenen Profil geblockt werden – ein Kompromiss, der nicht wirklich hilft, glaubt Sinnreich: „Wenn es tatsächlich zur Entfreundung kommt, ist Takt ausgeschlossen.“ Facebook hat nach Angaben der Betreiber mittlerweile weltweit über 500 Millionen Mitglieder. Im Schnitt hat jeder dort etwa 130 Freunde.
