LebenundWissen Besser, schneller – oder riskanter?
Auf Wiedersehen, IP Version 4: Der alte Standard des Internet Protocol hat ausgedient, der Nachfolger Version 6 steht bald bereit – mit Risiken und Nebenwirkungen. Bild: Bild: Fotolia
Vertreter von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft warnen vor Datenschutz-Risiken. Eine anonyme Netznutzung müsse auch dann möglich sein, wenn im nächsten Jahr das Protokoll komme. „Die Internet-Adresse wird zu einer Art unverwechselbarem Identifikationsmerkmal des entsprechenden Geräts“, sagt der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. Er fordert: Der Schutz der Privatsphäre müsse bereits in den Standardeinstellungen gewährleistet sein.
„IPv6 bringt tatsächlich Probleme, wenn es falsch eingesetzt wird“, sagte der Hamburger Informatiker Hannes Federrath. Wenn die Empfehlungen der Datenschützer beachtet würden, biete der neue Standard aber mehr Vorteile als Risiken. So werde mit IPv6 und der zugehörigen Erweiterung IPsec „ein riesengroßes Problem bei der Vertraulichkeit der Datenübermittlung gelöst“.
Außerdem sei die Zahl der verfügbaren IPv6-Adressen so groß, dass es denkbar wäre, jedem Gerät einige Millionen Adressen zuzuteilen. Und bei speziellen Techniken zur Anonymisierung des Datenverkehrs im Internet, etwa dem Dienst Tor (The Onion Router), ermögliche IPv6 mehr Leistung als bisher. Mit der Möglichkeit einer technischen Priorisierung sei aber die Netzneutralität gefährdet – die Gleichbehandlung aller Daten.
Für die Deutsche Telekom sagte Jan Lichtenberg, die Einführung von IPv6 sei mit „erheblichen Datenschutzrisiken“ verbunden. Jeder Privatkunde könne aber auf Wunsch seine IP-Adresse erneuern – manuell mit einem „Privacy Button“ oder regelmäßig zu bestimmten Zeiten. Dafür werde ein Update der Router-Software bereitgestellt. Bei der Telekom werde IPv6 2012 eingeführt. Während der Umstellungszeit soll es eine Lösung geben, die sowohl den bisherigen Standard IPv4 als auch IPv6 unterstütze.
Auch beim Deutschen IPv6-Rat, einer Fachvereinigung mit Experten aus Industrie, Forschung und Politik, sieht man die Probleme. Die automatische Adressgenerierung aus der Hardwareadresse könne durchaus zu einer dauerhaften Identifikation genutzt werden, so der Generalsekretär des Deutschen IPv6-Rates, Harald Sack. Gefordert ist dann aber Eigeninitiative: Über sogenannte Privacy Extensions in IPv6 könne man aber weiterhin anonym sein, erklärte der Informatiker am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam. Wer diese wählt, bekommt den zweiten Teil der neuen IP-Adresse gewissermaßen ausgewürfelt. Der Netzwerk-Teil der IPv6-Adresse bleibt aber erhalten, so dass das Netzwerk nach wie vor identifiziert werden kann. Diese Privacy Extensions sollen auch von den Endgeräten der Telekom unterstützt werden.
