US-Astronomen haben einen Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt, auf dem Leben vielleicht möglich wäre. Er trägt den Namen 581 g und ist "nur" 20 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Stephen Hawking, der berühmte englische Kosmologe, empfiehlt den Menschen, langfristig im Weltraum ihr Glück zu suchen. „Das Leben auf der Erde hat ein steigendes Risiko, von einer Katastrophe ausgelöscht zu werden“, meint der Star-Physiker und warnt vor Hitzekollaps, Atomkrieg und Horror-Viren.Doch eines sagt Hawking nicht: Wohin der Mensch auswandern soll. Venus und Merkur? Viel zu warm weil zu nah an der Sonne. Mars? Öde und trocken. Die Gas-Riesen Jupiter und Saturn scheiden völlig aus und ihre Monde sind – gelinde gesagt – menschenfeindliche Wüsten. Wohin also?
Immerhin haben US-Astronomen jetzt einen Planeten außerhalb des Sonnensystems (Exoplanet) entdeckt, auf dem Leben vielleicht möglich wäre und der „nur“ 20 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Kosmisch gesehen also ein Nachbar. Er trägt den merkwürdigen Namen Gliese 581g. Der ist entliehen vom deutschen Astronomen Wilhelm Gliese (1915 – 1993), nach dem bereits der Mutter stern des Planeten benannt wurde. Die um ihn kreisenden Himmelskörper sind in der Reihenfolge ihrer Entdeckung mit den Buchstaben b bis g bezeichnet worden. Denn die Namen römischer Götter reichen schon lange nicht mehr aus, um auch die seit Anfang der 90er Jahre entdeckte Masse von rund 480 Exoplaneten zu benennen. Allein in diesem Jahr kamen fast 60 neue Himmelskörper hinzu.
Auf Gliese sind die Astronomen seit längerem scharf: „Wir wussten von zwei Planeten auf beiden Seiten der bewohnbaren Zone – einer davon zu heiß, der andere zu kalt“, sagt Steven Vogt von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz, der jetzt auf Gliese 581g gestoßen ist. Und der ist anders als seine Brüder, kreist er doch in der „habitablen Zone“ um das Muttergestirn. Das heißt: Wenn es dort Wasser gibt, dann ist es flüssig – und es könnte Leben geben oder entstehen.
Bei den anderen Gliese-Trabanten ist das nicht der Fall. Sie kreisen entweder zu nah um ihre Sonne, weshalb Wasser sofort verdampft, oder sie sind zu weit von ihr entfernt – und Wasser ist allenfalls tiefgefroren existent. „Jetzt haben wir einen in der Mitte, der gerade richtig liegt“, freut sich Steven Vogt.
Gliese ist in der Tat erdähnlich. Mit der etwa dreifachen Erdmasse ist er ein relativ kleiner Planet. Daher besteht er vermutlich aus Gestein. Auch seine Bahn um die Sonne ist fast kreisförmig. Nur das Jahr auf Gliese 581g ist viel kürzer als hier: 37 Erdentage, weil er nur ein Sechstel so weit von seinem Stern entfernt ist wie die Erde von der Sonne. Dennoch herrscht dort keine Gluthitze, weil der Gliese-Stern, ein „Roter Zwerg“, viel schwächer strahlt als unsere Sonne. Der Grund: Gliese hat deutlich weniger Masse als die Sonne und der Wasserstoff im Innern verwandelt sich nur langsam in Helium.
Dennoch warnen Astronomen vor Euphorie: „Gliese 581g hat eine gebundene Rotation“, sagt Jochen Liske, Wissenschaftler an der Europäischen Südsternwarte (ESO) mit Sitz in Garching auf Anfrage. Das bedeutet: Wie der Mond der Erde, so zeigt Gliese 581g seinem Stern immer dieselbe Seite. Die sonnenbeschienene Hälfte ist vermutlich sehr warm, die Schattenseite kalt. „Nur im schmalen Streifen der Dämmerungszone ist Leben möglich“, sagt Astronom Liske. Dass Gliese 581g eine Atmosphäre besitzt, hält der Forscher für wahrscheinlich. „Denn er kann sie mit seiner Schwerkraft festhalten, so dass sie nicht ins All entkommt.
“ Auf einem anderen Blatt steht, ob auf Teilen des Planeten gesunde Lebensbedingungen herrschen. „Die Analyse der Atmosphäre eines Exoplaneten ist uns im Augenblick verschlossen“, sagt Jochen Liske. Technisch ist man noch nicht so weit, dass man über die Distanz von 20 Lichtjahren – das sind rund 200 Billionen Kilometer – über die Qualität der Gliese-Atmosphäre präzise Aussagen treffen und dann sagen kann, ob Leben möglich ist. Wohl wurden bei Exoplaneten Wolken aus Methan, Ammoniak oder Wasserdampf entdeckt. „Aber das Vorkommen von Methan heißt ja nicht, dass dort auf einer Weide Kühe furzen“, sagt ESO-Astronom Liske. Genauso wenig, wie das Auftauchen von Kohlendioxid beweisen würde, dass auf Gliese 581g kleine grüne Männchen die Wälder roden und das Holz verbrennen.
Bald werden die Forscher mehr wissen. Liske baut auf die Fähigkeiten etwa des künftigen Riesen-Teleskops E-ELT, das von 2018 an von Chile aus ins All späht. Dann werden wesentlich genauere Informationen aus den Lichtstrahlen im Universum gefiltert werden können. Ob es auf Gliese 581g tatsächlich grüne, rote oder blaue Kobolde gibt, ist für Liske keine entscheidende Frage. „Ob es überhaupt Leben dort gibt, das muss uns interessieren“, sagt er. „Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um höhere Lebensformen handelt, ist extrem gering“, setzt Liske hinzu, daran erinnernd, dass der Homo sapiens gemessen am Alter der Erde erst im letzten Augenblick entstanden ist. Für Faszinierend halten Forscher eine andere Tatsache: Angesicht der relativ kleinen Zahl von Sternen, die bisher untersucht wurden, kam der Fund eines erdähnlichen Planeten überraschend früh.
Und da es allein in der Milchstraße 200 Milliarden Sonnen gibt, wird Gliese 581g kein Einzelfall bleiben. „Es könnte Milliarden solche Systeme in unserer Galaxie geben“, sagt US-Astronom Steven Vogt. Nur hinfliegen können wir nicht: Allein ein Funkspruch braucht schon 20 Jahre – für die einfache Strecke.
Hintergrund: Ferne Verwandte unserer Erde