Sebastion Wagner vom Institut für Bergbau und Spezialtiefbau an der Bergakademie Freiberg in Sachsen erklärt, warum die Rettung in Chile so lange dauert.
Herr Wagner, es heißt, es könne Weihnachten werden, bis die eingeschlossenen Kumpel geborgen sind. Warum?
Der Bohrer schafft maximal 22 Meter am Tag. Schneller geht das bei der Dimension des Bohrers nicht. Aber auch dieser Bohrfortschritt wird nur erreicht, wenn die Bedingungen optimal sind. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass das jeden Tag der Fall ist. Das ist in der Realität nicht zu schaffen.
Was kann die Bohrung bremsen?
Zunächst die geologischen Verhältnisse. Es gibt dort lockeres Nebengestein, und man muss aufpassen, dass das Bohrloch nicht zusammenbricht. Das heißt, man muss sofort Rohre ins Loch einbringen, die miteinander verschraubt werden. Andere Gefahr: Wenn man mit zuviel Druck bohrt, kann das zu einem Schaden am Bohrkopf führen. Auch kann immer etwas passieren, und es ist daher kaum denkbar, dass der Bohrer zwei, drei Monate ohne Schwierigkeiten durchläuft. Nicht nur die Bohrkrone kann kaputtgehen und muss aufwändig gewechselt werden, sondern es kann auch die Hydraulik Schaden nehmen, die das Bohrklein nach oben befördert. Daher sind 50 Prozent der maximalen Tagesleistung des Bohrers eher realistisch – das sind dann zehn Meter.
