Das war keine Woche für die Diesel-Fahrer im Schwarzwald und auf der Baar. Die knackigen Minusgrade legten die Autos lahm. Diagnose: Der Kraftstoff ist versulzt, der Filter dicht. Was Winterdiesel kann – und was nicht.
Neben den Autos, in denen die Batterie schlapp machte, gab es im Schwarzwald in dieser Woche eine besondere Art von Kältetoten: Dieselfahrzeuge. Wo Temperaturen von bis zu minus 20 Grad und niedriger herrschen, ist der sonst so drehfreudige Diesel arm dran. Er steht am Straßenrand oder springt gar nicht erst an – wie die acht Transporter der Post in Villingen-Schwenningen, die nachts auf dem Parkplatz standen.
Schuld an dem Ärger ist das Paraffin, das in der Erdölraffinerie anfällt und für alles Mögliche gebraucht wird: Kerzen, Wachsmalstifte, Abführmittel, Politur, Kosmetik oder Kaugummi. Auch im Dieselkraftstoff steckt Paraffin, denn diese Mixtur aus Kohlenwasserstoffen liefert die Energie dieses Kraftstoffs. Sein Nachteil: Bei extremem Frost werden feine Kristallstäbchen ausgefällt. Sie bilden Klümpchen, die die Poren des Kraftstofffilters nicht mehr passieren. Von „versulzt“ oder „verstockt“ spricht der Fachmann, wenn er den Filter ausgebaut hat und dem ratlosen Kunden die wachsartigen Einlagerungen zwischen den Filterrippen zeigt.
„Diesel ist in der Regel nur bis minus 20 Grad beständig“, sagt Matthias Storz, der ein Autohaus in Villingen leitet. Er spricht vom Winterdiesel, das zwischen Mitte November und Ende März durch die Zapfhähne fließt – und nicht immer das hält, was die Konzerne den Autofahrern versprechen. Für die Frost-Variante wird dem Sprit in der Raffinerie zwar Paraffin entzogen, aber nur so viel, wie nötig ist, um seine Eignung als Kraftstoff nicht zu gefährden.
Zwar ist die „Kältefiltrierbarkeit“, wie es in der Mineralölbranche heißt, beim Winterdiesel deutlich besser als beim Sommer-Sprit. So besteht er den Test bis minus 22 Grad. Steht der Wagen aber im eiskalten Wind oder wird bei flotter Fahrt von unten weiter abgekühlt, ist die Reise zu Ende. Wer das teure Premium-Diesel tankt, hat zwar bessere Karten, aber noch lange keine Garantie, dass er sein Ziel erreicht. Immerhin halten diese Versulzschutz-Sorten einem Frost von etwa 25 Minusgraden stand. Tests in Österreich scheiterten erst an der minus 33-Grad-Marke.
So kommod hatten es die meisten Fahrer am Wochenanfang im Schwarzwald und auf der tiefgekühlten Baar nicht: „Unsere Pannenhilfe ist total überlastet“, hieß es beim örtlichen ADAC. Und viel tun können die gelben Helfer auch nicht. Denn nur Wärme kommt der Versulzung bei.
Selbsthilfe mit Benzin verboten Früher haben sich die Autofahrer selbst geholfen. Sie füllten bis zu einem Drittel Ottokraftstoff in den Tank, Lkw-Fahrer kippten Petroleum nach und jeder hatte seinen Winter-Mix. Doch das würde heute die Einspritzpumpen des Motors lahmlegen, weil die Schmier-Eigenschaften des Kraftstoffs verloren gehen. Ein weiterer Notbehelf: Die Zugabe von Additiven (Fließverbesserern) in den Dieselkraftstoff. Sie sollen sich im Schwarzwald, hört man, jetzt gut verkaufen. Doch Vorsicht ist geboten. Die Additive müssen dem noch warmen Kraftstoff zugegeben werden, damit sie sich vermischen. Bei Aral-BP weist man jedoch darauf hin, dass sich der Zusatz zusammen mit dem Paraffin am Tankboden absetzen und verklumpen kann. Wird dieser „Paraffingatsch“ mitangesaugt, verstopft er den Filter, den man dann in die Tonne werfen kann.
Dauerlösung Vorwärmer Einen sicheren Schutz vor Versulzung gibt es allerdings – wenn er dem Fahrer rund 250 Euro wert ist: Einen Diesel-Vorwärmer. Er wird in der Werkstatt vor dem Filtereingang montiert und einfach in die Kraftstoffleitung gesetzt. Ein kleines Heizsystem sorgt dafür, dass sich Paraffinkristalle auflösen und nicht verklumpen können. „Eine dauerhafte Lösung“, sagt Werkstattleiter Matthias Storz. Hersteller bieten diese Vorwärmer in mehreren Versionen an.
Und was tanken die Menschen, die dort Auto fahren, wo es im Winter so richtig kalt wird? Die Skandinavier füllen den „Polardiesel“ in den Tank. Er wird in vier Klassen hergestellt und deckt das Minus-Spektrum zwischen 20 und 44 Grad ab. Das reicht sogar für Sibirien. Nur die Luftfahrt setzt noch einen drauf. Da die Jet-Triebwerke in großen Höhen bei minus 60 bis 70 Grad laufen müssen, tankt Lufthansa & Co. den Wunderkraftstoff Kerosin.