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Raumfahrt In 90 Minuten nach Australien

11.02.2012


Extrem schnell und umweltfreundlich soll ein Flugzeug der Zukunft sein. Es wird einen Raketenantrieb haben und das Klima schonen. Experten forschen bereits am „Spaceliner“.

Wer von Deutschland nach Australien fliegt, muss bis Sidney mit rund 30 Stunden Reisezeit rechnen. Vielleicht werden Menschen im Jahr 2040 über diesen Aufwand müde lächeln. Vorausgesetzt, der Raumgleiter „Spaceliner“ hat bis dahin seinen Linienbetrieb aufgenommen. Dann wäre ein Flug nach Down under in 90 Minuten zu schaffen. Eine Reise nach Kalifornien in 60 Minuten. Der Hyper-Vogel fliegt mit 11 000 km/h. Ein heute utopisches Tempo.

„In etwa 30 Jahren könnte ein Spaceliner für den kommerziellen internationalen Reiseverkehr eingesetzt werden“, sagt Martin Sippel, Projektleiter im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen. „Der Raumgleiter könnte etwa so aussehen wie das Space Shuttle“, erklärt der Ingenieur. „Er startet senkrecht und landet horizontal.“ Für 50 Passagiere soll Platz sein – jene, die es besonders eilig haben.

Wer mitfliegt, muss keinesfalls fit wie ein Astronaut sein. Die Belastung des Körpers durch die Beschleunigung beim Start (g-Kraft) soll laut Sippel bei rund 2,5 g liegen. „Das ist in einem bequemen Liegesitz kein Problem.“ Russlands Sojus-Kosmonauten müssen fünf g aushalten. Zudem erreicht der Spaceliner „nur“ eine maximale Flughöhe von 80 Kilometern. Der Fachmann spricht von einem „Suborbitalflug“.

Doch in den Teams des DLR geht es nicht nur ums Tempo. Das Projekt soll den Durchbruch zum umweltfreundlichen Fliegen bringen: mit null Kohlendioxid-Ausstoß. Das Treibhausgas CO – das heutige Jet-Triebwerke in großen Mengen in die Atmosphäre abgeben – fällt beim Spaceliner nicht an. Denn seinen Antrieb haben die Entwickler beim US-Shuttle abgeschaut. Das verbrannte in seinen Triebwerken flüssigen Wasserstoff und Sauerstoff. Der passende Begriff „Raketentreibstoff“ kommt Martin Sippel selten über die Lippen. Lieber spricht er von „kryogenen Treibstoffen“ (von griechisch „kryos“: Frost, Eis), denn im Tank muss die Temperatur bei rund minus 200 Grad Celsius liegen. Der technische Aufwand ist hoch. Dafür bleibt als einziger Rückstand bei der Verbrennung nur Wasserdampf.

Bei dieser Spitzen-Öko-Bilanz lohnt es sich, die DLR-Forscher zunächst mit drei Millionen Euro aus der EU-Kasse zu unterstützen. „Es ist durchaus möglich, dass auch die heutigen Verkehrsflugzeuge von der Wasserstoff-Technik profitieren“, sagt Martin Sippel. Schon werden bei Airbus und Boeing Überlegungen angestellt, wie man die Kälte-Tanks in einen Jumbo oder Airbus einbauen könnte. Beim Spaceliner ist die Sache einfach: Der leere Außentank wird abgekoppelt und ist wieder verwertbar. Vermutlich wird er ferngesteuert an ein Schleppflugzeug angedockt, das ihn zur Erde zurückbringt.

Viele Aufgaben sind noch zu lösen: Etwa das Problem mit der Reibungswärme, die bei einem Tempo von 6,5 Kilometern in der Sekunde an den Flügelkanten und der Rumpfnase entsteht. Auf bis zu 1700 Grad Celsius kann die Belastung steigen. Dagegen setzt das DLR eine neuartige Transpirationskühlung. „Durch eine poröse Keramik wird Wasser geleitet, das auf dem Weg an die Oberfläche verdampft“, erklärt Martin Sippel die Technik. Der Effekt senke die Temperatur um mehrere 100 Grad. Die Arbeit der DLR-Kühlexperten in Stuttgart sei vielversprechend, heißt es.

Da der Spaceliner beim Start viel Getöse macht, steht die Rampe außerhalb von Ballungsräumen. „Es wird in Europa vielleicht ein bis zwei Startplätze geben und einen in Amerika“, meint Martin Sippel. Etwa 150 Mal könne der Raumgleiter eingesetzt werden, dann muss er aufs Altenteil. „Denn die Belastung der Baustruktur während des Fluges ist hoch“, bemerkt der Ingenieur. Wegen der begrenzten Lebensdauer der Spaceliner wird für die Gleiter-Flotte ständig Ersatz gebraucht. Sippel rechnet daher mit einer europäischen Serienproduktion nach Airbus-Vorbild, um rund 5000 Starts pro Jahr anbieten zu können. Zum Vergleich: der in der Unterhaltung viel zu teure US-Shuttle brachte es auf vier bis fünf Starts im Jahr.

Beim DLR ist man daher überzeugt, dass der Spaceliner ein kommerzieller Erfolg werden könnte, wenn sich die Luftfahrtkonzerne an Bord holen lassen. Eine Orientierung dafür, sagt Martin Sippel, könnte das private US-Projekt „Virgin Galactic“ werden. Es soll abenteuerlustige Superreiche bald an den Rand des Weltraums bringen. Für drei Minuten Schwerelosigkeit.


Musik und Video sind ein Meisterwerk
Es ist wunderschön. Kompliment! Ich habe den Eindruck, dass das Video mit PC erstellt worden ...
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