Seit 2002 habe sich der Gesamtumsatz verachtfacht, so Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath. 2011 kamen 172 neue faire Produkte auf den Markt und 29 Partner wurden hinzugewonnen. Damit bieten gegenwärtig in Deutschland rund 200 Lizenznehmer knapp 2000 fair gehandelte Produkte an. Zwar sei der Preis noch immer „Lotse des Handels“, beklagt Overath die Billig-Mentalität. Doch selbst Discounter wie Lidl, Penny und Aldi Süd haben faire Ware im Sortiment.
Kaffee und Bananen: Wichtigste Wachstumstreiber bei Fairtrade waren Kaffee, Blumen und Bananen. So wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 8800 Tonnen fair gehandelten Kaffees abgesetzt, rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Marktanteil liegt bei knapp 2 Prozent. Um 59 Prozent auf 11 862 Tonnen stieg der Verkauf von Fairtrade-Bananen, die damit einen Marktanteil von 2,1 Prozent erzielen. Für knapp 30 Millionen Euro kauften die Deutschen über 80 Millionen Blumen aus fairem Handel, was einem Marktanteil von 6,8 Prozent entspricht. Deutliche Absatzsteigerungen wurden bei Süßwaren (plus 132 Prozent), Eiscreme (plus 82 Prozent) und Mischgetränken (plus 137 Prozent) registriert.
Gepa: Gepa ist Europas größtes Handelshaus für Fairtrade-Produkte. Im Geschäftsjahr 2011/2012 erzielte es ein Umsatzplus von 5,2 Prozent auf 61,5 Millionen Euro. Fast die Hälfte ihres Umsatzes macht die Gepa mit Kaffee. Neben Schokolade, Tee und Getränken gehören auch Schmuck, Taschen und Küchenartikel zum Sortiment. Künftig will Gepa auf das blau-grün-schwarze Fair-Trade-Etikett verzichten. Die Produkte seien zwar nach wie vor fair gehandelt, betont das Unternehmen, allerdings wolle man die Marke Gepa in den Vordergrund stellen.
Möbel: Auch die Möbelindustrie hat ein Fairtade-Siegel für Möbel aus nachhaltiger Forstwirtschaft – gemeinsam mit dem Forest Stewardship Council (FSC) und Fairtrade. Das Pinienholz der Möbel stammt von einem Kleinwaldbetrieb im Hochland von Bolivien, der nach strengen sozialen, ökologischen und ökonomischen Standards arbeitet. Wie bei anderen Fairtrade-Produkten können Verbraucher anhand eines Codes die Ware online bis zum Erzeuger zurückverfolgen. Weitere doppelt zertifizierte Kleinwaldbetriebe liegen in Chile und Honduras, denen so der Einstieg in den Weltmarkt sowie bessere Lebensbedingungen ermöglicht werden soll. Erhältlich sind die Möbel bislang bei zwei bundesweiten Versandhändlern und drei regionalen Möbelhäusern in Süd- und Westdeutschland.
Elektronikbranche: Die Elektronikbranche hinkt dem Fairtrade-Markt hinterher. Zwar appellieren inzwischen auch die Hersteller von Laptops, USB-Sticks und MP3-Playern an das Gewissen der Verbraucher. Doch das Etikett „Grün“ bezieht sich meist auf sparsamen Strom- und Wasserverbrauch und nicht auf soziale Produktionsbedingungen, sagt eine Sprecherin von Europas größtem Elektronikhändler Media Markt/Saturn. Wegen langer Herstellungsketten ließen sich die über den Erdball verteilten Zulieferer von Elektro-Teilen nur schwer überwachen, heißt es bei der Organisation Good Electronics, die für nachhaltige Elektro-Artikel kämpft. Kleine Einzelkämpfer wie das Projekt zur Herstellung fairer Elektronik (Phefe) versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. (dpa)
