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13.01.2012  |  von  |  2 Kommentare

Wirtschaft Wie Unternehmen Facebook und Co. für sich nutzen

Viele Mittelständler pflegen über Soziale Netzwerke ihr Image oder suchen nach neuen Mitarbeitern. Aber auch bei Online-Aktivitäten, kann so einiges schief laufen.
So nutzen Firmen Social Media erfolgreich

 Bild: Fotolia/Illustration: Schönlein



Hier erfahren Sie was: Für das Familienunternehmen Siedle in Furtwangen im Schwarzwald ist Twittern selbstverständlich. Die Firma stellt Telefonsprechanlagen und Kommunikationstechnik her, hat 550 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 77 Millionen Euro im Jahr. Seit drei Jahren werden auf Twitter oder Facebook regelmäßig Neuheiten gepostet oder Firmenfilme auf dem Videoportal Youtube eingestellt. So sollen zusätzliche Informationskanäle genutzt und auch eine jüngere Zielgruppe erreicht werden. Bislang gebe es noch nicht so viele Rückmeldungen von den Nutzern der Portale. Die Filme auf Youtube erreichten aber schon Tausende Abrufe. Mit dem Ergebnis ist man zufrieden: „Wir messen uns nicht mit Justin Timberlake“, sagt Peter Strobel, der bei Siedle für die Unternehmenskommunikation zuständig ist.

Von den Klickzahlen eines Popsängers können mittelständische Unternehmen meist nur träumen. Viele Unternehmer machen derzeit die ersten Gehversuche auf dem Feld der neuen Medien. Social-Media-Experten raten auch zu einem schrittweisen Beginn. Nur ganz verzichten sollte man darauf nicht. „Wer in den sozialen Medien nicht auftaucht, wird es in den nächsten zehn bis 15 Jahren schwer haben, ausreichend beachtet zu werden“, schätzt Marco Hardiman, Professor für Marketing und Social Media von der Fachhochschule Kiel. Über kurz oder lang könne es sich selbst die kleine Bäckerei nebenan nicht mehr leisten, auf die sozialen Netzwerke ganz zu verzichten.

Ob Videos, Foren oder soziale Netzwerke – das Internet bietet eine Vielzahl an Kommunikationsmöglichkeiten und eine große Reichweite. „Bei Facebook kann ein Unternehmen theoretisch mit 800 Millionen Nutzern in Verbindung treten. Das bietet kein Fachblatt“, sagt Michael Seifert, Vorstand bei der Internetagentur avenit AG.

Darüber hinaus fallen immer mehr Kaufentscheidungen über das Internet. Und die Meinung der Freunde auf Facebook zählt oft mehr als jedes Testurteil der Stiftung Warentest. Eine teure Marktforschung könnten sich Unternehmen künftig sparen, sagen Werbeprofis. Informationen über die Nutzer auf Facebook seien schnell und kostengünstig zu haben. In den sozialen Foren lassen manche nämlich selbst in ihr privates Wohnzimmer blicken oder geben intimste Informationen preis. „Mit den sozialen Medien ist es möglich, den Kunden so nah wie möglich zu sein“, sagt David Eicher, Geschäftsführer der Agentur webguerillas.

Viele Unternehmen haben das hohe Potenzial der sozialen Medien längst erkannt – ob zur Informationsgewinnung, Kundenbindung oder Mitarbeiterakquise. Die 30 Dax-Unternehmen sind allesamt bei Facebook, Twitter und Co. aktiv. Nach einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) nutzen bereits 47 Prozent der mittelständischen Unternehmen die sozialen Medien, fast 80 Prozent sind bei Facebook.

Der damit verbundene Aufwand sollte dennoch nicht unterschätzt werden: „Es reicht langfristig nicht, irgendwelche Unternehmensnachrichten auf die Fanpage zu stellen. Abhängig von der Strategie müssen unterschiedliche Zielgruppen auch spezifisch angesprochen werden“, sagt Seifert. Die Einstiegskosten sind zwar günstig. Eine eigene Fanpage auf Facebook kostet praktisch nichts und die anfallenden IT-Kosten sind überschaubar. Aufwendig dagegen ist die Pflege der Seiten. Bei mittelständischen Unternehmen sind oftmals ein bis drei Mitarbeiter oder gar ein kleines Team damit beschäftigt, kreative Ideen zu entwickeln, Blogs vorzubereiten oder sich nur mit den Nutzern auszutauschen. „Das Internetmarketing sollte etwa ein Drittel bis die Hälfte des Werbebudgets ausmachen“, empfiehlt Eicher. Für eine komplett externe Betreuung würden die meisten Mittelständler zwischen 50 000 und 300 000 Euro im Jahr ausgeben.

Man könne auch klein beginnen, sagen Experten. Von einem halbherzigen Engagement raten sie jedoch ab. Die Enttäuschungen sind nämlich groß, wenn sich auf der Fanpage nur wenige Freunde tummeln oder diese nur auftauchen, wenn teure Gewinnspiele winken. Um richtige Freunde zu gewinnen, seien dagegen Gewinnspiele und teure Kampagnen gar nicht unbedingt notwendig, sagen Experten. Viel wichtiger sei es, sich auf die Nutzer einzulassen und Rückmeldungen sowie Kritik ernst zu nehmen. „Mit einfachen Mitteln können Unternehmen so ein authentisches Feedback erhalten“, sagt Eicher. Ein Engagement in den sozialen Netzwerken ist aber auch nicht ohne Risiko: „Ein Einzelner hat sehr viel Macht bekommen“, sagt Hardiman.

„Jede Reklamation, die unzureichend bearbeitet wird, kann Ausgangspunkt für eine Social-Media-Krise sein.“ Denn die Unzufriedenheit kann sich schnell im ganzen Forum oder Netz breitmachen. Die Mitarbeiter sollten daher entsprechend ausgebildet sein, die Stimmung wahrnehmen und rechtzeitig auf Kritik reagieren können.

Am Ende geben die Anzahl der Klicks und Freunde aber keinen Aufschluss über die tatsächlichen Verkaufszahlen: „Ein direkter Absatzerfolg lässt sich nicht so leicht messen“, sagt Hardiman. Für das Familienunternehmen Siedle, das seit mehr als 260 Jahren besteht und sich von einer Gießhütte zum Marktführer für Gebäudekommunikation entwickelte, gehören soziale Medien jedoch zum Image dazu. „Für uns ist die Nutzung von Facebook und Co. auch Ausdruck von Innovationsfähigkeit", sagt Peter Strobel.

845 Millionen Menschen tummeln sich weltweit in Facebook, 20 Millionen Deutsche nutzen das soziale Netzwerk. In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft. Doch das soziale Netzwerk steht auch in der Kritik.

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2 Kommentare
@derwerner
Sie haben recht ,wichtige Sinne sind schon vekümmert.Wenn man das Grinsen bei einer Lüge nicht mehr wahrnimmt ist die Art der Komunikation eingeschränkt.Blinde haben da ein besonderes Handicap.Ein Lügendetektor kann ein Teil der Verkümmerten Sinne übernehmen.Ansonsten ist das Gespür für Gefahr verloren gegangen.Bei Tieren funktioniert es noch recht ordendlich was man bereits beim eigenen Haustier beobachten kann. Schlagen sie einfach bei Sammy Molcho nach.
Ich glaube nicht das Dieser aus überheblichkeit und arroganz genau dieses Thema für alle verständlich erklärbar gemacht hat.Geschriebene Texte ist nur ein Teil einer Komunikationsart.Eben nur ein Teil.Wems reicht, wundert sich oft übers Ergebnis.
Heisst es nicht
Fakebook wegen dem mimiklosen Benutzer.Verlernen wir dadurch nicht einen der wichtigsten Sinne?
Fehlt uns nicht die Signalisierende Körpersprache, die mehr sagt als aneinander gereihte Buchstabenkombinantionen?Echte Komunikation findet mit Augenkontakt statt.Sonst kann man nicht erkennen ob man einen Blender vor sich hat.Was wäre an körperliche Anonymität denn sozial? Man ist allein und spricht nicht, man ist
stumm.
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