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05.04.2011  |  0 Kommentare

Wirtschaft „Humanität und Gerechtigkeit“

Josef Wieland ist Professor für Betriebswirtschftslehre an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. Er ist auf Wirtschaftsethik spezialisiert. Für ihn ist Moral die Visitenkarte eines jeden Unternehmens. Vor allem im Bankenbereich.



„Humanität und Gerechtigkeit“

Josef Wieland ist Professor für Betriebswirtschftslehre an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. Er ist auf Wirtschaftsethik spezialisiert. Für ihn ist Moral die Visitenkarte eines jeden Unternehmens. Vor allem im Bankenbereich.

Ist der christliche Glaube eine Art Motor für moralisches Verhalten? Wie alle Religionen baut auch der christliche Glaube auf moralischen Überzeugungen auf. Humanität, aber auch Gerechtigkeit, Respekt oder die Goldene Regel sind zentrale Prinzipien und Werte, die grundlegenden Motivationen für die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmer.

Religion als Input für ethischen Output? Religion kann ein Input für individuelle Unternehmer oder Mitarbeiter sein, nicht aber für Unternehmen als Gesamtorganisation. In einer Welt multireligiöser Belegschaften könnte dies leicht zu Konflikten und suboptimalen Leistungen führen.

Gibt es Parallelen zu anderen Weltreligionen? Ja, ich habe ja schon einige Werte genannt, die wir in allen Religionen finden. Die können eine der Grundlagen für ein globales Wirtschaftsethos werden, eine Art moralische Rahmenordnung für die globalisierte Wirtschaft.

Können ethische Investments so etwas wie Gerechtigkeit (wieder) herstellen? Die Idee ist gut und richtig. Nur das Wie ist noch nicht wirklich geklärt. In ethisch einwandfreie Aktien und Fonds investieren, das ist weltweit und vor allem in Deutschland nur ein Bruchteil des Marktvolumens. Bisher eine beschränkte Sache.

Warum engagieren sich Banken im Bereich ethische Investments? Ich vermute, da geht es häufig um das Thema der Reputation der Banken und der Finanzmärke, einem „Branding“ des Guten, vor allem im Angesicht der Krise. Die Banken werden vom Kunden an ihren Produkten gemessen, nicht an ihren Leitbildern. Das gilt global und regional. In welche Fonds wird investiert? Was ist mit Energie und Wasser? Gibt es Kredite für sozial Schwache? Wie wird die Tafelbewegung unterstützt? Das will die Gesellschaft sehen. Bis dahin bleiben soziale Investments eine Kommunikationsstrategie.

Was heißt Nachhaltigkeit für Sie? Jedenfalls mehr als die Kontinuität des Geschäfts. Das wäre nur der Teil der Ökonomie, einseitig ohne die ökologische und gesellschaftliche Komponente. Es geht um die Ermöglichung von gesellschaftlichem Wohlstand. Banken sind das Rückgrat unserer Gesellschaft, und dafür sind sie häufig noch viel zu passiv.

Fragen: Thomas Otte

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