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Wirtschaft Starke Saison für Apfelbauern am Bodensee

23.02.2012
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Die Lager der Apfelbauern sind prall gefüllt: 35 Prozent mehr Äpfel als in der vergangenen Saison tummeln sich in den Kühlhäusern und warten auf hungrige Kunden. Diese werden allerdings immer weniger, denn immer weniger Deutsche greifen zum frischen Obst.

Als alarmierend hat Eugen Setz, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft mbH Obst vom Bodensee, den rückläufigen Verzehr der Deutschen von Obst und damit auch von Äpfeln bezeichnet. Einen Tag vor dem Beginn der Fachmessen Fruchtwelt Bodensee und Agrarwelt in Friedrichhafen äußerte er sich zur Situation der Branche. „Vor zehn Jahren lag der Konsum bei 19,5 Kilo pro Kopf jährlich, jetzt sind es zwei Kilo weniger, also nur noch 17,5 Kilo“, stellte er fest. Ursachen seien die Alterstruktur der Verbraucher und ihr Konsumverhalten. Je älter die Konsumenten seien, desto eher griffen sie zu frischem Obst.

Doch mit dem drohenden Kundenverlust wollen sich die deutschen Obsterzeugerorganisationen, gerade auch am Bodensee, nicht zufrieden geben. Mit gezielten Botschaften wollen sie vor allem an die Jugendlichen herantreten und ihnen zeigen, wie lecker und gesund frisches Obst sein kann. Das soll zum Beispiel das Schulfruchtprogramm leisten, das nach Angaben von Seitz bereits sehr erfolgreich ist.

Grundsätzlich blickt die Obstbaubranche aber zuversichtlich auf die laufende Vermarktungssaison 2011/2012. Die EU konnte deutliche Exportsteigerungsraten bei Äpfeln in Länder mit zunehmender Kaufkraft feststellen, berichtete Seitz und nannte Russland und weite Teile Asiens. Das wirke sich auch positiv auf den Binnenmarkt aus. „Die Region Bodensee-Oberschwaben ist mit einer rekordverdächtigen Ernte von 325 000 Tonnen Tafeläpfeln ein starker Marktteilnehmer im In- und Ausland. Wir sprechen dabei immerhin von einem Drittel der Gesamternte von 900 000 Tonnen in Deutschland“, betonte der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft mit Sitz in Tettnang.

Die Vermarktung des Obstes werde damit angesichts der aktuellen Lagerbestände mit einem Mehrbestand von 118 000 Tonnen in der Region also zu einer echten Herausforderung, gab Eugen Setz unumwunden zu. Das seien 35 Prozent mehr als in der vorherigen Saison. Es bestehe jedoch Zuversicht, dass die Bestände im Zeitfenster der Lagerfähigkeit der Sorten zu akzeptablen Preisen abgebaut werden könnten. „Der Mengendruck aus der südlichen Hemisphäre dürfte sich in einem kalkulierbaren Rahmen halten. Dies führt zu einer weiteren Stabilisierung“, schätzte der Geschäftsführer die Situation ein. Auch in der gesamten Europäischen Union sind die Lager mit 2,4 Millionen Tonnen gut gefüllt – um fünf Prozent mehr als in der vorherigen Saison.

Die Region Bodensee-Oberschwaben tut sich noch durch eine weitere Besonderheit hervor: Mit 18 000 Tonnen jährlich sei sie die größte Anbieterin von Bio-Äpfeln, erklärte Eugen Setz. Die Marktentwicklung sei allerdings stark von der Preisentwicklung abhängig. Denn Bioprodukte stünden derzeit im Discount-Bereich durch die wachsende Konkurrenz unter einem starken Preisdruck. „Die Bio-Verbände fordern Produktionsimpulse durch Förderung unter geänderten politischen Vorzeichen“, formulierte Setz.

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