Wirtschaft Spritzguss für die Schönheit
Weltweit gefragt: Rund 130 Millionen Kunststoff-Dosierspender für Kosmetik- und Pharmaprodukte liefen im vergangenen Jahr bei der Firma Megaplast in Villingen-Schwenningen vom Band. Bild: Jochen Hahne
– Mit Make-ups, Fältchen- oder Hautcremes lassen sich gute Geschäfte machen. Aber nicht nur Kosmetika selbst – auch deren zeitgemäße Verpackung kann lukrativ sein. Bestes Beispiel ist die Firma Megaplast GmbH aus Villingen-Schwenningen, die sich in den vergangenen Jahren höchst erfolgreich zum weltweit größten Produzenten von Vakuum-Dosierspendern aus Kunststoff für Kosmetikprodukte entwickelt hat.
Die Geschäfte des Mittelständlers florieren, die jährlichen Wachstumsraten sind zweistellig. Das expandierende Unternehmen, das derzeit einen Neubau für 10 Millionen Euro plant, will bis 2015 seinen Umsatz um 50 Prozent erhöhen und rund 100 neue Arbeitsplätze schaffen. Schon jetzt sucht der Betrieb sowohl Fachkräfte wie etwa Qualitätsplaner und Messtechniker als auch Produktionshelfer. Letztes Jahr liefen rund 130 Millionen Dosierspender aus der Megaplast-Produktion vom Band. Abnehmer sind die weltbekannten Adressen der Kosmetik-Branche, das „Who is who“ der Schönheits-Industrie mit Konzernen wie L'Oreal, Beiersdorf, Procter & Gamble, Weleda oder Henkel.
Viele Gründe für den ERfolg Dass sich der Mittelständler, der inzwischen weltweit agiert, eine derartige Marktstellung erobern konnte, hat viele Ursachen. In den vergangenen 20 Jahren wurde der Betrieb, ursprünglich ein Zulieferer von Spritzgussteilen für die Auto- und Elektroindustrie, mit hohen Investitionen auf die Produktion von Dosierspendern umgekrempelt. „Wir waren hier technischer Pionier“, erläutert Geschäftführerin Lucyna Silberstein mit Stolz. Megaplast hat schon 1987 den ersten Dosierspender aus Vollkunststoff erfunden. Dem Unternehmen gelang es, auch die Pumpe, gewöhnlich ein Metallteil, komplett aus Plastik zu entwickeln. Der Vorteil: Ungewollte chemische Reaktionen, etwa einer teuren Gesichtscreme durch Kontakt mit Metall, sind damit ausgeschlossen. Chemische Reaktionen mit Luft verhindert das Megaplast-Pumpsystem. Es funktioniert „airless“ – die Pumpe erzeugt ein Vakuum und das Produkt wird aus dem Behälter gesaugt.
Zwar liegt diese Erfindung schon viele Jahre zurück. „Doch unser Unternehmen besitzt auf diesem Gebiet einen großen technologischen Vorsprung“, betont Geschäftsführerin Silberstein. „Unsere Mitbewerber haben 20 Produkte mit einer Metallfeder und vielleicht einen Spender aus Vollplastik. Wir haben inzwischen 26 verschiedene Modelle aus Kunststoff“, verdeutlicht sie die Verhältnisse. Damit kann Megaplast den Kunden eine breite Vielfalt von Kombinationsmöglichkeiten für die Verpackung ihre Produktlinien offerieren. Dieser Baukasten erspart dem Kunden enorme Kosten für Neuentwicklungen – ein wichtiges Verkaufsargument. Hinzu kommt: Die hundertprozentigen Kunststoffprodukte ermöglichen ein einfaches Recycling. Gerade dieser Umweltaspekt spielt bei den Abnehmern in jüngster Zeit eine zunehmende Rolle, sich für Megaplast-Produkte zu entscheiden.
Das Unternehmen verfügt über eine eigene Entwicklungsabteilung, die bei Bedarf spezifische Kundenideen umsetzt. Megaplast baut die notwendigen Werkzeuge und Betriebsmittel für seine Produkte selbst. „Wir erreichen damit die höchste Fertigungstiefe von der Entwicklung bis zum Endprodukt“, verdeutlicht Betriebsleiter Haluk Cimentepe. Dies ist letztlich die Grundlage für den hohen Spezialisierungsgrad, aus dem sich der Markterfolg ableitet. Außerdem sorgt diese Fertigungstiefe dafür, dass Megaplast sein technisches Know-how im eigenen Hause behält und damit seinen technischen Vorsprung behaupten kann.
Im Gegensatz zu anderen Behältern wie Dosen oder Tuben hat der Dosierspender noch einen weiteren Vorzug: Das Produkt kann nicht durch äußere Einflüsse verunreinigt werden. Ein signifikanter Vorteil, den Megaplast jetzt auch für ein neues Geschäftsfeld nutzen wird: Dosierspender für pharmazeutische Produkte. Dieses Geschäftsfeld soll stark ausgeweitet werden: von derzeit 5 auf 25 Prozent des Umsatzes. Die Zeichen stehen weiterhin auf rasantes Wachstum.
