Wirtschaft Solarbranche kämpft um guten Ruf
Die Gemeinde Murg verpachtet Dachflächen öffentlicher Gebäude für Photovoltaikanlagen an die Badenova. Bild: Bild: Archiv
– Es ist ein Kampf gegen eine starke Lobby, den die Solarbranche in Konstanz aufgenommen hat. Sie geht gemeinsam gegen die geplanten Änderungen am Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) vor. Denn hinter den neuesten Vorschlägen der Bundesregierung zu diesem Thema sieht sie einen Erfolg der großen Energieversorger. Die Solarbranche bekomme den Schwarzen Peter zugeschoben und solle schuld daran sein, dass der Energiepreis für die Verbraucher über die EEG-Umlage weiter steigt. Das ist der Tenor eines Gesprächs mit dem Vorstand des Solarforschungszentrums ISC in Konstanz.
Mit anderen Einrichtungen und Unternehmen in Konstanz hat sich das Institut zum Solarenergienetzwerk Konstanz zusammengeschlossen. Der Verbund informiert darüber, welchen Beitrag die Solarenergie zur Energiewende leistet. Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat einen Brief vom ISC bekommen. Darin stellen die Wissenschaftler eine Rechnung auf: Kommt –wie von Rösler gewollt – die Beschränkung der Förderung von neuen Fotovoltaikanlagen pro Jahr (die sogenannte Deckelung), dann würden bei einem Gigawatt neu installierter Anlagen pro Jahr 2030 voraussichtlich nur 3 Prozent des Stroms über die Fotovoltaik erzeugt werden. Durch einen weiteren Zubau von 7,5 Gigawatt jährlich käme man dagegen auf rund 25 Prozent.
Auch ein Solarstrompreis von 10 Cent pro Kilowattstunde sei bis 2015 erreichbar, sagt ISC-Vorstandsmitglied Rudolf Harney. Das ergebe sich aus der sogenannten Lernkurve der Fotovoltaik. Wenn sich der Zubau von Solaranlagen in Kilowattstunden weltweit verzehnfache, dann halbiere sich der Strompreis. Bei einem Preis von aktuell 20 Cent pro Kilowattstunde müssten weltweit in kommenden drei Jahren zehn Mal mehr Solarzellen installiert werden.
Doch dafür bräuchte es weiterhin eine starke Solarindustrie in Deutschland. Diese sehen die Konstanzer Solarforscher durch die verstärkte Kürzung der EEG-Förderung in Gefahr. „Die Technik für die Solarindustrie kommt fast ausschließlich aus Deutschland“, sagt ISC-Vorstandschef Radovan Kopecek. Die Bundesrepublik sei weltweit führend in der Fotovoltaik. Das umfasse Forschung, Produktionstechnik und Solarzellen. Sein Institut zählt Kopecek bei der Forschung und Entwicklung zu den fünf besten der Welt. Eine Deckelung der Förderung würde den ganzen Wirtschaftszweig ausbremsen. Weitere Arbeitsplatzverluste wären die Folge. Dabei habe Deutschland in dieser Branche auch dank des EEG eine Spitzenposition.
Die rund 50 Mitarbeiter des ISC arbeiten eng mit großen Namen der deutschen Solarindustrie zusammen. Dazu gehören Sunways, Centrotherm, BASF und Bosch. Weltweit sind es über 60 Partner. Als gemeinnütziger Verein finanziert sich das Institut aus öffentlichen Forschungsprojekten des Bundes und der EU. Ein anderes Standbein sind Aufträge aus der Industrie. „Wir arbeiten in dem Bereich sehr anwendungsorientiert. Die Ergebnisse können direkt auf die Industrie übertragen werden“, erklärt der Leiter der Industrieforschung Harney. So macht zum Beispiel auch Sunways nach wie vor auf einer Produktionslinie im ISC Experimente. Und auch dass Centrotherm sich nun in Konstanz niedergelassen habe, gehe auf die Forschungsarbeit im ISC zurück. „Centrotherm hat bei uns anfangs auf einer Pilotlinie mit 15 Leuten geforscht“, so Kopecek.

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